Presseschau vom 7.1.2008
Aufruhr im globalen Dorf

Die internationale Wirtschaftspresse beleuchtet die Schattenseiten der Globalisierung, über die besonders in den USA und Deutschland heftig diskutiert wird. Die Herald Tribune greift die Steuerpolitik von George W. Bush an. Die französische Presse sorgt sich um die Inflation. Die Times schwärmt für Santander. Fundstück: Fremdschämen mit Gospel-Chor.

Der Spiegel analysiert das neue Wahlkampf-Thema der US-Präsidentschaftskandidaten: die Schattenseiten der Globalisierung. „Notleidende Hauskredite, sinkende Reallöhne und die Angst vor den in der Rezession sich womöglich noch beschleunigenden Verlagerungsaktivitäten der Firmen lassen die Bombenexplosionen von Bagdad zum Hintergrundgeräusch werden“, schreibt das Nachrichtenmagazin. So habe beispielsweise der demokratische Vorwahlsieger von Iowa, Barack Obama, in den vergangenen Wochen die Rhetorik gegen China deutlich verschärft: Kinderspielzeug aus Asien wolle er am liebsten aus den Läden verbannen – 80 Prozent aller amerikanischen Spielwarenangebote stammen aus China. Erstmals, schreibt der Spiegel, seien beide politischen Lager davon überzeugt, dass die Globalisierung schlecht für ihr Land sei: 55 Prozent der Republikaner und 63 Prozent der demokratischen Wähler seien dieser Meinung.

Die » Financial Post nimmt Abschied von den Vorteilen der Globalisierung. „Grundsätzlich macht Diversifikation ins Ausland noch immer Sinn, aber die Märkte haben sich einfach zu stark geändert“, zitiert das kanadische Blatt einen Wirtschaftsexperten. „Um von der Globalisierung zu profitieren, braucht es autarke Märkte. Doch heute gibt es kaum noch Märkte, die nicht mehr oder minder mit anderen verbunden sind.“ Die Auswirkungen, die die US-Hypothekenkrise in anderen Ländern gezeitigt habe, machten dies ebenso deutlich wie die aktuellen Erfolge gerade der Märkte, die mit China kooperieren. Eine Studie der American Society of Business and Behavioral Sciences habe folgerichtig bewiesen, dass die weltweit verfolgte Politik der Marktliberalisierung dazu geführt habe, dass sich die Märkte immer weniger voneinander unterscheiden. „Es stellt sich die Frage, wozu Investoren überhaupt noch ins Ausland gehen sollen“, schlussfolgert das Blatt. Nach Meinung von Experten gebe es aber keine Alternative – man müsse damit leben, dass sich auf diesen Märkten Erfolge und Flauten abwechselten wie Ebbe und Flut.

Die » International Herald Tribune greift die deutsche Debatte über soziale Ungerechtigkeit auf: Deutschland sei ein weiteres Beispiel für den Trend, dass die Globalisierung die Ungleichheiten zwischen den Ländern reduziere, innerhalb der Länder jedoch zu größerer Ungleichheit führe. Dass dies einer reichen Nation wie Deutschland widerfahre, sei besonders interessant. Das „fundamentale Problem der Globalisierung“ nach Einschätzung der Tribune: „Der Handel schafft mehr Vorteile für die Gewinner als Nachteile für die Verlierer, aber wird sich irgendjemand die Mühe machen, die Vorteile neu zu verteilen, damit jeder profitiert?"

Ähnlich wie die Herald Tribune hat die » Süddeutsche Zeitung am Wochenende kommentiert, dass die deutsche Gesellschaft, die jahrzehntelang daran gewöhnt gewesen sei, ihren Wohlstand zu mehren, von der Globalisierung durchgeschüttelt werde. „Einen Zuwachs beim Lebensstandard zu erreichen, wird für die Einzelnen immer schwieriger.“ Dazu trage eine „massive Umverteilung von Wohlstand auf dem Globus“ bei, die ihren Grund in den drastisch steigenden Öl- und Rohstoffpreisen habe. „Deutschland muss immer mehr Geld ins Ausland überweisen, um seine Exportwirtschaft in Gang zu halten. Kaum ein Tag vergeht ohne eine Nachricht, wonach die rasant steigende globale Nachfrage nach Rohöl, Kupfer, Stahl oder Lebensmitteln die Weltmarktpreise für diese Produkte in die Höhe treibt.“

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