Presseschau vom 7.12.2007
Banker in Habachtstellung

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die unterschiedlichen Leitzins-Entscheidungen von Europäischer Zentralbank und Bank of England. Das Wall Street Journal fordert einen Marshall-Plan für Subprime-Opfer. Marianne aus Frankreich appelliert an Nicolas Sarkozys Mut zu unbequemen Entscheidungen. Fundstück: ein Blick hinter die Web 2.0-Kulissen.

Die Londoner » Times applaudiert der Bank of England dafür, erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent gesenkt zu haben. "Vor dem Hintergrund eines drohenden wirtschaftlichen Abschwungs in 2008 war es für das Monetary Policy Committe der richtige Moment, um zu handeln. Die gestrigen negativen Nachrichten vom Immobilienmarkt und aus dem Service-Sektor haben wohl den Ausschlag gegeben", vermuten die Londoner. Sollte der Häusermarkt im kommenden Jahr - bestenfalls - stagnieren, ergäben sich zwangsläufig Konsequenzen für die Konsumentennachfrage, "zu einem Zeitpunkt, da die Haushalte schon die Auswirkungen der steigenden Benzinrechnungen, schwachen Einkommenssteigerungen, steigenden Steuern und teureren Hypotheken-Kosten (...) spüren". Fazit der Times: "Der erste Schnitt ist immer der schwierigste. Wir sollten (der Bank of England) dafür applaudieren."

Die » FAZ unterstützt das Votum der Europäischen Zentralbank gegen eine Leitzinssenkung. "Denn die Inflation ist zuletzt auf eine Jahresrate von drei Prozent gestiegen. Nach den jüngsten Vorhersagen wird sie auch im kommenden Jahr über zwei Prozent liegen und damit das Stabilitätsziel der Notenbank von ,unter, aber nahe zwei Prozent' verfehlen", begründet das Blatt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet habe außerdem klargemacht, dass die Abweichung noch größer ausfallen werde, falls es zu Zweitrundeneffekten komme - zu Lohn- und Preissteigerungen, die den inflationsbedingten Kaufkraftverlust aufzuholen versuchten.

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank sei der "sinnvollste Weg", urteilt die » Financial Times Deutschland über die "demonstrative Habachtstellung" der EZB. "Bislang reagiert die EZB nicht mit übereilten Aktionismus auf den wachsenden Druck durch eine hohe Inflation, die Finanzmarktkrise und schwächere Konjunkturaussichten. Noch sind kaum massive Effekte auf die Realwirtschaft in der Euro-Zone zu beobachten, die eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt nötig machen würden", erklärt das Blatt. 2008 könnten große Gehaltsrunden in verschiedenen europäischen Ländern die Inflation indes deutlich antreiben; es sei aber auch denkbar, dass ein Inflationsschub ausbleibe - moderate Lohnergebnisse und sinkende Energiepreise vorausgesetzt. "Das würde die ,Politik der ruhigen Hand', die die EZB nun verfolgt, nachträglich bestätigen."

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