Presseschau vom 7.9.2007
Verbannung aus Sibirien

Die internationale Wirtschatspresse richtet ihren Blick auf die EZB und die Bank of England. Die FTD meint bei Apple „Anzeichen von Panik“ ausgemacht zu haben. Fortune bejubelt den Coup von Chrysler, Toyotas US-Chef abzuwerben und die Moscow Times beschreibt, wie ein Geschäftsmann die Verwaltung einer sibirischen Kleinstadt auf Trab bringen will.

Zinsentscheidungen

Unter der schönen Überschrift „Lights, camera, inaction“ schreibt der » Economist, dass der EZB derzeit die Hände gebunden seien. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten hätten verhindert, dass die Oberbanker ihre ursprünglichen Pläne zur Zinserhöhung umsetzen konnten. „Es gibt Befürchtungen, dass das Wirtschaftswachstum leidet, falls Kredite schwerer zu erlangen sind“, meint der Economist. In dieser Lage seien nicht nur die EZB und Bank of England, denn auch die Bank of Canada und die Zentralbank Australiens hätten ihre Zinsen zuletzt unverändert gelassen.

Aus Sicht der » Financial Times Deutschland wird die EZB aber nicht umhin kommen, an der Zinsschraube zu drehen. „In den Notenbanken ist derzeit oft das Argument zu hören, mehr sei nicht drin. Es sei nicht Aufgabe einer Zentralbank, das Finanzsystem zu stützen.“ Das sei zwar richtig, allerdings könnten weder Inflations- noch Wachstumsziele eingehalten werden, wenn das Finanzsystem zusammenbreche. „Deshalb muss es für die Zentralbank Priorität haben, ein Ausbreiten der Krise zu verhindern. Alles andere ist zweitrangig. Das kann bedeuten, die Anforderungen an Sicherheiten zu lockern, die die Banken bei den Währungshütern hinterlegen müssen, wenn sie sich Geld leihen wollen. Das kann auch bedeuten, dass die Zinsen gesenkt werden müssen.“ Zur Not müsse ein vorübergehender Anstieg der Inflation in Kauf genommen werden. „Um die Teuerung kann sich die EZB dann immer noch kümmern, wenn sich die Märkte wieder beruhigt haben.“

Der » Guardian begründet, warum die Bank of England den Diskontsatz nicht gesenkt hat. „Solch ein Schritt war nie wahrscheinlich. Die Bank hat kein Interesse daran, denen aus der Patsche zu helfen, die unkluge Investment-Entscheidungen getroffen haben, und sie wirft außerdem ein aufmerksames Auge auf eine mögliche Inflationsgefahr.“ Das Monetary Policy Committee, das die Zinsentscheidungen treffe, sei überdies gespalten: Die einen wollten die Zinsen erhöhen, die anderen Zinsen senken, und eine dritte Fraktion sei unentschieden. Bis die mittlere Gruppe einen Plan habe, würden die Zinsen unverändert bleiben.

Die » Times interessiert sich weniger für die Zinsen als für die Kommunikationspolitik der Bank of England. „Was für eine Erleichterung: Die Bank hat die Kunst der Kommunikation wiederentdeckt“, schreibt das Blatt. Anders als andere Zentralbanken habe die Bank of England in den vergangenen Wochen keine Kommentare zur Situation auf den Finanzmärkten abgegeben. Gestern jedoch der Wandel: Mit einem ausführlichen Statement habe die Bank ihr „Hold“-Signal begründet, zum ersten Mal seit 1999.

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