Presseschau vom 8.4.2008
Papst zu verkaufen

Die internationale Wirtschaftspresse bewertet die aktuelle Erholung der Aktienmärkte mit Vorsicht und Skepsis. Le Figaro meldet, dass die französische Bahngesellschaft SNCF bald im Revier der Deutschen Bahn wildert. Und die Faz sieht in der Klage der Telekom-Aktionäre vergebene Mühe. Fundstück: Papst zu verkaufen.

Vernunft habe scheinbar wieder Einzug gehalten an den Aktienmärkten, meint die » Financial Post aus Kanada: Zwei Wochen hätten sie ohne große Turbulenzen hinter sich gebracht und neuerliche Abschreibungen etwa bei der UBS locker weg gesteckt, ebenso wie die erste „hässliche Arbeitslosenwelle“ in den USA. „Die Nerven zu behalten, zahlt sich offenbar aus.“ Doch die Erholung der Aktienmärkte sei äußerst skeptisch zu bewerten. So wären die 80.000 Jobs, die in den USA im März verloren gegangen seien, erst der Anfang. Zudem würden sich in naher Zukunft erste Auswirkungen der Finanzkrise auf Unternehmensgewinne und Investitionen bemerkbar machen. Und erst wenn der Konsum weltweit einbreche, würde die Krise ihre volle Wirkung entfalten. „Dann könnte sich die aktuelle Stabilisierung der Finanzmärkte tatsächlich als Täuschung entpuppen“, befürchtet das Blatt.

Der » Guardian aus Großbritannien warnt vor Prognosen, die nach der momentanen Erholung der Finanzmärkte eine milde Rezession in den USA für wahrscheinlich halten. „In Wirklichkeit bekommt die Wirtschaft gerade die ersten Wellen des Sturms zu spüren, der von der 8 Milliarden Dollar schweren, geplatzten Immobilienblase ausgelöst wurde.“ Zehntausense Familien würden aufgrund von Hypotheken und Kreditschulden bald über deutlich weniger Einkommen verfügen und deshalb ihren Konsum drosseln. Das werde sich auch auf Steuereinnahmen auswirken, Regierungen zwingen, ihre Ausgaben ebenfalls zurückzufahren, und an den Finanzmärkten weitere Erschütterungen auslösen. „Was wir derzeit sehen, ist nur die Spitze des Eisberges“, ist die Zeitung überzeugt.

Im Interview mit dem » Wall Street Journal bestätigt auch Malcolm Knight, Chef der Bank for International Settlement, dass er „noch keinen generellen Trend zu einer Besserung der Lage auf den Finanzmärkten ausmachen kann.“ Die Möglichkeiten der Zentralbanken, mit einer gemeinsamen, koordinierten Aktion der aktuellen Finanzkrise wirksam zu begegnen, hält er für begrenzt: „Eine Koordination unter den Notenbanken ist sicher möglich, solange es z.B. um allgemein gültige Standards für die Finanzmärkte geht. Doch wenn Entscheidungen zu bestimmten Finanzprodukten in einem bestimmten Land anstehen, müssen diese von jeder Zentralbank diskret und individuell getroffen werden, weil die Märkte in jedem Land nun einmal anders funktionieren.“

Alan Greenspan bezweifelt in einem Gastkommentar für die » Financial Times Deutschland, dass Regulierungen aus der derzeitige Krise helfen können. „Um effektiv zu arbeiten, müssen Regulierer nach vorn schauen, um die nächste Fehlfunktion im Finanzwesen vorherzusehen. Das hat sich als nicht machbar erwiesen. Regulierer, die sich Echtzeit-Ungewissheiten gegenübersehen, haben es, wenn überhaupt, nur selten geschafft, das Ausmaß an Klarheit über die Zukunft zu erlangen, das für ein präventives Handeln vonnöten wäre“, meint der ehemalige US-Notenbank-Chef. So bestehe das Problem weniger in einem Mangel an Regulierung als vielmehr in unrealistischen Erwartungen darüber, was Regulierer verhindern können. „Kern des Subprime-Problems ist die Fehleinschätzung der Anlegergemeinde.“ Das von ihnen ausgelöste Subprime-Debakel wäre wohl auch dann nicht zu verhindern gewesen, wenn Regulierer voll zum Eingreifen befugt gewesen wären.

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