Presseschau vom 8.7.2008
Das Pendel schlägt zurück

Die internationale Wirtschaftspresse zeigt sich beunruhigt über die Lage von Asiens Wirtschaft und zeichnet düstere Zukunftsszenarios. All Things Digital begutachtet die Waffen in der neu belebten Übernahmeschlacht Microsoft-Yahoo. Die FAZ glaubt, dass die Zeit für den Austausch von Niedlichkeiten im Kampf von InBev um Anheuser-Busch vorbei ist. Fundstück: Australiens Bestattungsbranche macht sich lächerlich.
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"Der hohe Ölpreis könnte das bislang erfolgreiche Wirtschafts- und Handelsmodell Chinas zum Implodieren bringen", warnt der Daily Telegraph aus Großbritannien. "Chinas Revolution im Manufaktursektor war möglich, weil die westliche Welt Produktteile und Rohmaterialien in das Land liefert, um sie dort zusammenbauen zu lassen. Das funktioniert nur mit niedrigen Transportkosten - und hatte waffeldünn kalkulierte Profite zur Folge. Doch nun sind die Kosten explodiert: Der Transport in einem 1,20 m-Container von Shanghai nach Rotterdam kostet jetzt das Dreifache." Zwar mildere China bislang die Auswirkungen der hohen Energiepreise ab, mithilfe von Subventionen, doch zögere das die Probleme nur hinaus: "Die Subventionen werden Schritt für Schritt wegfallen." China leide schon jetzt erheblich, da nicht nur die steigenden Transportkosten die Wirtschaft des Landes belasteten, sondern auch die Inflation und die sinkende Nachfrage aus der westlichen Welt. "Das Pendel hat offenbar in China seinen Höchststand erreicht. Es wird nun zurück schwingen: nach Amerika", prognostiziert das Blatt.

Auch bei der Korea Times läuten die Alarmglocken: Sie befürchtet, dass die Nation vor ihrer härtesten wirtschaftlichen Herausforderung seit der Finanzkrise 1998 steht. Ausländische Investoren "verschleudern seit 21 Tagen fortlaufend koreanische Aktien." Wertpapiere für sechs Milliarden US-Dollar seien in dieser Zeit per Internet verkauft worden, das sei eine regelrechte "Verkaufsorgie". Doch Investoren aus dem Ausland spielten in Südkorea die größte Rolle, ihr Ausstieg lasse den taumelnden Markt zusätzlich straucheln. So habe der KOSPI-Index bereits15 Prozent verloren. Südkorea trage die Hauptlast der Verkäufe, da das Land höheren Risiken aus dem Kursrückgang als andere asiatische Staaten ausgesetzt sei - aufgrund seiner starken Abhängigkeit vom Export und vom Import von Öl und anderen Ressourcen. Und die koreanische Währung werde wahrscheinlich weiter gegenüber US-Dollar, Yen und Euro an Wert verlieren.

Einen "dramatischen Währungsverfall in Asien" konstatiert die Financial Times Deutschland : "Der thailändische Baht verlor seit Jahresbeginn 11,4, der südkoreanische Won 10,24 Prozent, der philippinische Peso 9,4 Prozent und die indische Rupie 8,6 Prozent gegenüber dem Dollar." Die Lage in Südkorea - wo der Vize-Finanzminister wegen des Währungsverfalls gehen musste, die Inflation im Juni auf 5,5 Prozent geklettert sei und die Verbraucher so pessimistisch in die Zukunft blickten wie seit 2000 nicht mehr - sei dabei symptomatisch: "Die gesamte Region leidet einerseits unter dem schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft in Folge der US-Subprime-Krise, andererseits belasten höhere Ausgaben für Energie und Lebensmittel die Leistungsbilanz und treiben die Teuerung." Die Folge: Investoren würden Kapital abziehen. "Die großen Schwierigkeiten, Wachstum und Teuerung zu stabilisieren, stellen für asiatische Aktien und Währungen einen ziemlichen Schock dar", zitiert das Blatt einen Morgan Stanley-Angestellten. Es sei damit zu rechnen, dass internationale Anleger weiter ihr Kapital aus Asien in andere Regionen umschichten. "Gerade passive Investoren können noch weiter Kapital abziehen. Die Stimmung kann hier sich noch deutlich eintrüben", so der Tenor eines aktuellen Researchberichtes.

Investmentprobleme ganz anderer Art nimmt die International Herald Tribune wahr: "Südkorea, Hong Kong, Taiwan und Singapur hatten in den vergangenen vierzig Jahren die stabilsten Wachstumsraten der Welt. Alle, außer Korea, haben Ersparnisse und ausländische Devisen angehäuft. Doch wenn man das Zahlensystem dahinter umkehrt, entsteht plötzlich ein anderes Bild: All diese Länder, China bald inbegriffen, werden künftig das schlechteste Investitionsaufkommen überhaupt verzeichnen: die mangelnde Investition in die nächste Generation." Die Geburtenraten seien dramatisch gesunken - was eine negative Entwicklung der Bruttoinlandsprodukte förmlich nahelege. "Zum einen aufgrund zu wenig qualifizierter Arbeitskräfte, zum anderen aufgrund der fehlenden Stimulans für die Wirtschaftsleistung, die aus dem Groziehen von Kindern resultiert." Immigration könne die anstehende Probleme nur teilweise lösen, die Staaten müssten nun finanzielle Anreize schaffen, um die Geburtenraten wieder anzukurbeln.

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