Presseschau vom 9.10.2007
Milliardenschwerer Strategiewechsel

Die internationale Wirtschaftspresse ist gespalten mit Blick auf die Milliarden-Übernahme von Business Objects durch SAP. Für Fortune ist der iPod nicht unbesiegbar. Le Point wettert gegen die sture Haltung der deutschen Regierung zum starken Euro. Der südafrikanische Business Day feiert den Dax. Fundstück: Warum Frauen unglücklicher sind als Männer.

Die » Financial Times Deutschland kritisiert SAP für die Übernahme von Business Objects. Mit fast fünf Milliarden Euro sei es der mit Abstand teuerste Zukauf von SAP in der gesamten Firmengeschichte. Bis zuletzt habe das Management immer wieder betont, aus eigener Kraft wachsen und nur kleine Unternehmen mit interessanter Technologie kaufen zu wollen. „Nun sind die Anleger verunsichert, und das zu Recht! Ist Business Objects die Ausnahme von der Regel? Oder will SAP jetzt dem Konkurrenten Oracle auch bei Milliardenzukäufen Paroli bieten?“, fragt die FTD. SAP-Boss Henning Kagermann „hätte den Markt früher und besser auf eine Milliarden-Übernahme vorbereiten müssen“. Dazu hätte er schon im Vorfeld erklären sollen, unter welchen Umständen er sich auch einen großen Zukauf vorstellen kann. „Nun muss er mit verunsicherten Anlegern leben.“

Die » Business Week begrüßt das Engagement von SAP in „einem der heißesten Bereiche der Software-Industrie“. Business Objects operiere in einem schnell wachsenden Markt für Software, die Firmen dabei behilflich sei, ihr Budget zu planen. Vor dem Hintergrund des jüngst erfolgten „aggressiven“ Vorstoßes von SAP auf dem Markt für mittelständische Unternehmen habe SAP durch die Übernahme gute Chancen, neue Kunden zu gewinnen – zu einem Zeitpunkt, da traditionelle SAP-Software-Lösungen im Absatz schrumpften. Nachdem Business Objects nun vom Markt sei, könnte Cognos laut Business Week der nächste Übernahmekandidat sein.

Nach Einschätzung des Unternehmensberaters Philip Howard, der die SAP-Expansion für die Internetseite » IT Director kommentiert, hängt der Erfolg der Übernahme davon ab, wie SAP die neue Tochterfirma integriert. „Bei anderen Übernahmen hat SAP dazu tendiert, die Firmen zu verschlingen, so dass diese nie wieder ans Tageslicht gekommen sind“, moniert der Unternehmensberater. Noch schlimmer sei, dass die übernommenen Technologien allein auf SAP-Kunden zugeschnitten worden seien, obwohl das Unternehmen im Vorfeld betont habe, dass dies nicht passieren werde. Das gleiche Schicksal könne jetzt Business Objects blühen.

Die » Herald Tribune wertet die Übernahme als Abkehr von der bisherigen SAP-Strategie, sich vor großen Übernahmen zu hüten. Nach Meinung von Analysten müsse SAP dringend die eigene Software um neue Funktionen erweitern, um den Absatz zu erhöhen und Kunden zu animieren, neue Versionen zu kaufen. Der gesamte Business-Intelligence-Markt stehe vor einer Konsolidierungswelle, bei der die großen Player im Vorteil seien.

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt freundlich über „Kagermanns kühne Kehrtwende“. Der deutsche Softwareriese biete zwar bereits „Programme an, die es Firmen erlauben, ihre Geschäftsprozesse zu standardisieren. Doch vermehrt wollen die Manager eines Unternehmens per Mausklick in Erfahrung bringen, ob zum Beispiel eine Marketing-Initiative wirkt oder wie lukrativ gewisse Kundengruppen sind Die Kunden von SAP erwarten deshalb, dass die Software mit solchen Funktionen angereichert wird. Dieses Bedürfnis kann SAP durch die Übernahme besser als bisher abdecken.“ Zur Skepsis der Anleger schreibt die NZZ: „Argusaugen werden sie in den kommenden Quartalen darauf achten, ob der plötzliche Strategiewandel nicht als Signal für eine nachlassende Wachstums- und Gewinnkraft anzusehen ist.“

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