Presseschau vom 9.11.2007
Fed & Co, überhört die Signale

Die internationale Wirtschaftspresse reflektiert die aktuelle Politik der Europäischen und anderer Zentralbanken weltweit. Der New Yorker kritisiert die Gehaltsmodelle von Hedge-Fonds-Managern. Fortune bespöttelt die Pläne der indischen Firma Tata Motors, Land Rover und Jaguar zu übernehmen. Fundstück: Mit „Cheffing“ den Boss absägen.

Die » Times kritisiert die Pläne von britischen Finanzpolitikern, Investoren den Kauf der angeschlagenen Hypothekenbank Northern Rock durch milliardenschwere Subventionen zu versüßen. Hintergrund: Weltweit übten Versicherungen und Hedge-Fonds, die sich größtenteils durch eigenes Verschulden in die Krise manövriert hätten, Druck auf Regierungen und Zentralbanken aus, um die für sie „kostspieligen und peinlichen“ Entwicklungen umzukehren oder zumindest zu stoppen – durch Leitzinssenkungen oder staatliche Interventionen wie im Fall von Northern Rock oder der Sachsen LB. Dies geschehe dadurch, dass von den Versicherungen und Hedge-Fonds eine „Atmosphäre der Krise“ aufgebaut und marginale Entwicklungen bei Aktien und Währungen übertrieben dargestellt würden. „Es ist von größter Wichtigkeit, dass die Bank von England und das US Federal Reserve Board solche Signale ignoriert“, mahnt die Zeitung. Zentralbanken müssten unabhängig von Politikern sowie Banken und Investoren agieren.

Die » FAZ applaudiert der Europäischen Zentralbank für ihre Entscheidung, den Leitzins nicht zu ändern. „Die wieder aufgelebte Finanzmarktkrise, die sich unter anderem in hohen Wertberichtigungen in den Bankbilanzen äußert, machte eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt zu einem gefährlichen Spiel mit dem Feuer“, schreibt die FAZ. Kritische Worte findet die Zeitung jedoch für den Versuch von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar durch kritische Worte in einer Pressekonferenz zu brechen. „Dafür sind die Zentralbanken gegenüber den Devisenmärkten zu schwach.“

Nach Einschätzung des » Daily Telegraph stößt die EZB mit der Leitzinsentscheidung besonders Länder wie Deutschland und Österreich vor den Kopf, wo die Inflationsgefahr höher als in anderen Nationen ausfalle. Mit der Kritik an der „abrupten und scharfen Aufwertung des Euro“ habe sich EZB-Präsident Trichet außerdem an die Seite von Frankreichs Präsident Nicolas Sakozy gestellt, der sich seit Monaten massiv für eine neue Währungspolitik der EZB einsetze und vor dem US-Kongress gerade das Szenario eines „wirtschaftlichen Krieges“ in Folge des Euro-Dollar-Missverhältnisses ausgemalt habe.

Für die Neue Zürcher Zeitung ist die abwartende Haltung der EZB „keine ungefährliche Haltung“. Natürlich könne die EZB nicht auf jede Preissteigerung mit einer Zinserhöhung reagieren. „Denn bis diese wirkt, ist der Preiseffekt möglicherweise schon wieder abgeklungen.“ Vielmehr sei es die hohe Teuerung in Verbindung mit den mittelfristig immer noch nach oben gerichteten Preisrisiken, die eine gefährliche Mischung darstellten. „Denn die Wirtschaft der Euro-Zone wächst robust, und das ist laut Trichet auch das wahrscheinlichste Szenario für 2008. Und im Hintergrund lauert der über Jahre angehäufte Geldüberhang. Damit besteht die Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen nach oben verschieben.“ Fazit: Auf die dezenten Hinweise auf Inflationsgefahren sollten wieder deutlichere Signale auf steigende Leitzinsen folgen.

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