Presseschau von 1.2.2008: „Tod der Globalisierung“

Presseschau von 1.2.2008
„Tod der Globalisierung“

Die Wirtschaftspresse zieht Lehren aus der Kreditmarktkrise und einer US-Rezession – die einen fordern mehr Regulierung, die anderen warnen vor dem Ende der offenen Märkte. Mit Blick auf die Société Générale fordert Les Echos unpatriotische Unabhängigkeit. Expansión warnt vor einer unfairen Jagd auf dem Energiemarkt. Fundstück: Uri Geller mit Roland Koch.

Die » New York Times spricht sich für eine stärkere Regulierung der US-Wirtschaft aus. Der Schaden auf dem Immobilienmarkt sei dadurch entstanden, dass die Marktregulierung in den USA in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich abgebaut worden sei – bis hin zum „regulatorischen Kollaps“ unter der Bush-Regierung. „Die Aufgabe, den regulatorischen Apparat der Wirtschaft wieder zu stärken, ist ähnlich anspruchsvoll wie den Abschwung zu managen – hat letztendlich aber eine längerfristige Tragweite“, versichert das Blatt.

» Capital-Chefredakteur Klaus Schweinsberg warnt demgegenüber vor einem „gefährlichen Rückfall in Protektionismus und Abschottung der Güter- und Kapitalmärkte“ – und dem „Tod der Globalisierung“. Der Grund für den „totalen Vertrauensverlust“ in der Bevölkerung sei nicht die Stimmungsmache von Gegnern der Globalisierung, sondern das Versagen ihrer Protagonisten – namentlich der bürgerlichen Parteien, der Top-Manager und der Finanzakteure. „Die Globalisierung wurde nicht von ihren Gegnern getötet, sondern von ihren Freunden.“ Weder Union noch FDP hätten je versucht, ihre Wählerschaft davon zu überzeugen, dass es dauerhaft keine Alternative zu offenen Märkten gebe. „Stattdessen zwang man den geneigten Bundesbürger, die Globalisierung gefälligst als unabänderlichen Fakt zu akzeptieren. Doch kaum dreht nun an den Weltmärkten der Wind, treten beide Parteien den geordneten Rückzug an.“ Langfristig, warnt der Capital-Chef, gebe es nur eine Alternative zur Globalisierung: den Sozialismus.

» Newsweek widmet sich mit einer großen Analyse dem Abschwung der US-Wirtschaft, der entgegen der weit verbreiteten Meinung jedoch nicht zu einer Krise der Weltwirtschaft führe. Die globale Ökonomie sei „manisch-depressiv“: Während die USA am Rande einer Rezession stünden, zeige die Weltwirtschaft – nach beinahe fünf Jahren des kollektiven Wachstums – Anzeichen des „decoupling“, einer Abkoppelung: „Obwohl der einstige Motor der Weltwirtschaft in den USA abgewürgt wurde, glauben Optimisten, dass die von ihm in den vergangenen Jahrzehnten angetriebenen Schienenfahrzeuge – besonders die der Schwellenländer wie Indien und China – mit eigener Kraft weitertuckern können“. Vor diesem Hintergrund sei „Decoupling“ zum Titel für die Weltwirtschaft 2008 geworden.

Der Chefökonom der » Financial Times Deutschland, Thomas Fricke, nimmt US-Präsident George W. Bush und US-Notenbank-Chef Ben Bernanke gegen den Vorwurf in Schutz, ihr Paket zur Stützung der Konjunktur sei ungeeignet. Die in Deutschland verbreitete Ansicht, Konjunkturpakete kämen immer zu spät, sei zum Beispiel eine „These mit Roland-Koch-Tiefgang“, meint Fricke. Studien amerikanischer Ökonomen hätten längst das Gegenteil bewiesen. Die US-Debatten wirkten beruhigender als das „gruselige deutsche Gequassel darüber, dass man in Zeiten akuter Konjunkturabsturzgefahr am besten spart, also noch weniger Geld ausgibt – und irgendetwas reformiert. Wenn die Rezession noch nicht erfunden wäre, käme sie vielleicht aus Germany.“

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