Presseschau von 10.3.2008
Staat, bitte melden

Die internationale Wirtschaftspresse greift das US-amerikanische und britische Krisenmanagement zur Stabilisierung der Kredit- und Hypothekenmärkte an. Le Monde sieht Superreiche in der Bredouille. Nach Meinung des Wall Street Journal haben sich Hillary Clinton und Barack Obama ein Ticket nach Verdun gesichert. Fundstück: Teutonen entern die Haute Cuisine.

Die » New York Times begrüßt den Vorschlag von Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, den notleidenden Hypothekenkreditnehmern dadurch unter die Arme zu greifen, dass die Geldverleiher auf einen Teil der Restschuld verzichten und außerdem die Regierung gefährdete Hypotheken stärker als bisher garantiert. "Es ist dennoch unrealistisch, dass die Vorschläge von Bernanke funktionieren", schränkt das Blatt ein. Sie basierten auf der Annahme, dass die Akteure in der Hypothekenbranche "freiwillig" handelten.

Dieser Modus sei getestet worden, ohne Erfolg. Umso wichtiger sei es, den Kreditgebern einen "Anstoß" zu geben, um die Restschuld hochverschuldeter Kunden zu verringern. Dieser bestehe darin, das Insolvenz-Recht zu verändern, um Kreditgebern die Möglichkeit zugeben, sich vor Gericht für die Senkung ihrer Hypotheken einzusetzen - was bislang nicht möglich gewesen sei.



Die » Süddeutsche Zeitung glaubt, dass die Kredit- und Hypothekenkrise eine neue Phase erreicht hat. Nachdem bislang alle Notmaßnahmen um den Zins gekreist seien, riefen Fed-Chef Ben Bernanke nun nach dem Staat, um zu verhindern, dass der "Giftmüll" von Hypothekenkrediten im Wert von bis zu einer Billion Dollar, die notleidend zu werden drohen, den Rest der Wirtschaft kontaminiert. Nicht nur solle die Regierung die Grundlage dafür schaffen, "dass die Banken im wohlverstandenen Eigeninteresse auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten und die Familien in ihren Häusern lassen." Die Bank of America habe sogar die Gründung eines Staatsunternehmens vorgeschlagen, das gefährdete Hypothekenkredite kauft und den Banken das Risiko abnimmt. Dies wäre ein gefährlicher Schritt, warnt die Süddeutsche: "Würde die Regierung Kredite garantieren oder aufkaufen, hülfe sie ja nicht nur armen Familien, sondern auch zahllosen Spekulanten; deren Verluste würden sozialisiert, nachdem sie zuvor ihre Gewinne privatisiert hatten - ein fatales Signal für die Finanzmärkte."

Die Londoner » Times übt Kritik am Krisenmanagement der britischen Regierung: Bevor in dieser Woche über den Haushalt debattiert wird, wettert George Osborne, Politiker und zuständig für das Ressort Finanzen im Schattenkabinett von David Cameron, im Gastkommentar gegen den amtierenden Schatzkanzler Alistair Darling. Vor dem Hintergrund eines der größten Haushaltsdefizite in der hochentwickelten Welt, der Verstaatlichung von Northern Rock und der "desaströsen Steuerpolitik", meint der Autor, würde Darling gerne das tun, was Schatzkanzler am liebsten täten: die Schuld dem Vorgänger geben - was jedoch in einer Regierung unter Ex-Schatzkanzler Gordon Brown nicht möglich sei. Stattdessen werde Darling vermutlich auf die Folgen der US-Subprime-Krise hinweisen. "Die Kreditkrise wirkt sich weltweit aus, aber Großbritannien ist (...) am schlechtesten gerüstet. Wir haben das Dach nicht geflickt, als die Sonne noch schien", rekapituliert Osborne. Ausgerechnet inmitten eines "Regen-Tiefs" plane der Schatzkanzler, die Steuern zu erhöhen. "Ich räume gegenüber Alistair Darling ein, dass seine Antwort auf die Kreditklemme einzigartig ist. Ich kenne keine andere Regierung auf der Welt, deren Antwort auf den wirtschaftliuchen Abschwung eine Steuererhöhung ist."

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