Presseschau von 10.6.2008
Verhandeln, feilschen, kämpfen

Die Wirtschaftspresse ärgert sich darüber, dass deutsche Frauen rund 22 Prozent weniger Lohn als Männer erhalten – und rät dem weiblichen Geschlecht, selbstbewusster aufzutreten. Kommersant glaubt, dass die russische Regierung ihren Einfluss auf die Wirtschaft zurücknimmt. Portfolio.com schildert die Nöte der US-Autoindustrie. Fundstück: Heute schon Schwarzgeld gewaschen?

Die Süddeutsche Zeitung ärgert sich über die Ergebnisse eines EU-Gehaltsvergleichs, nach dem Frauen in Deutschland für die gleiche Arbeit im Schnitt 22 Prozent weniger Lohn als Männer erhalten – damit liege Deutschland in einer Reihe mit Zypern, Estland und der Slowakei. Dass sich in der Arbeitswelt ganz unten auch jede Menge qualifizierte Frauen in Teilzeitjobs tummelten, nur weil sie keine anständige Betreuung für ihre Kinder fänden, sei skandalös. „Jedenfalls für die größte Wirtschaftsnation in Europa mit einer Frau in politischer Top-Führungsposition. Dass da auch die EU-Kommission scheel gen Deutschland blickt und eins ums andere Mal die generelle Lohndiskriminierung von Frauen moniert, wirkt langsam peinlich.“

Der » Stern rät Frauen im Kampf gegen „diese Unverschämtheit“, mit einem größeren Selbstbewusstsein aufzutrumpfen: „Frauen müssen bei ihren Gehaltsverhandlungen die gleiche Härte an den Tag legen wie ihre männlichen Kollegen.“ Während er Poker um das Einkommen für Frauen so verlockend sei wie ein Zahnarztbesuch, sähen Männer darin eher eine Art Boxkampf, den sie unbedingt gewinnen wollten. Statt darauf zu warten, dass der Boss schon merken werde, dass man seine Sache gut und zuverlässig mache, müsse Frau verhandeln, feilschen und notfalls auch kämpfen. „Sonst wird der EU-Sozialminister noch in 50 Jahren den Deutschen ein schlechtes Zeugnis ausstellen.“

Die » Zeit glaubt, dass die schlechtere Bezahlung von Frauen in Deutschland nicht an der geringeren beruflichen Qualifikation oder am Frauenhass hiesiger Personalchefs liege, sondern das hierzulande noch immer vorherrschende Rollenbild widerspiegele. Während Personalchefs in Frankreich oder Schweden wüssten, dass auch Mütter leistungsfähige und vollwertige Arbeitskräfte seien und sie mitunter eine ganze Familie zu ernähren haben, sei dies in Deutschland anders – dort bedeute die Geburt eines Kindes in der Regel noch immer, dass die Frau beruflich kürzer trete und der Mann weitermache wie bisher. „Und solange sich dieses Rollenbild nicht ändert, solange nicht mehr Mütter auf Vollzeitstellen arbeiten und mehr Väter auf Teilzeitstellen wechseln, solange nicht mehr Mütter kurz nach der Geburt wieder in den Beruf einsteigen und die Väter dafür mal ein Jahr oder länger zu Hause bleiben, so lange wird sich an den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen auch nichts ändern.“

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