Presseschau von 11.2.2008
Gefährliche Courage

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das für heute erwartete Veto von Yahoo gegen eine Übernahme durch Microsoft. Die Neue Zürcher Zeitung fordert den Abtritt von UBS-Chef Marcel Ospel. Die International Herald Tribune schildert die Nöte von Toyotas Präsident Katsuaki Watanabe. Fundstück: Ran an die Hühnersuppenprobierstände.

» All Things Digital, der Tech-Blog des Wall Street Journal, kommentiert die vom eigenen Blatt exklusiv gemeldete und am heutigen Montag erwartete offizielle Ablehnung der Microsoft-Offerte durch Yahoo. Jetzt brauche Yahoo mehr als nur die Hoffnung auf ein Happy End, da die Kehrseite des „tapferen Courage-Zeigens“ beängstigend sei. Microsoft sei bekannt für seine „pathologische Aggression“ und habe bereits durch den „ersten feindlichen Schritt“ des Angebots gezeigt, dass es mit harten Bandagen kämpfen wolle. „Mit sehr, sehr, sehr harten Bandagen.“

Microsofts CEO Steve Ballmer habe guten Grund zu toben. Die Google-Chefs hätten sich mit der Yahoo-Führungsetage getroffen, um Microsoft abzuwehren – und am Ende einen lukrativen Deal zu finden, der die Wettbewerbshüter wegen der Übermacht von Google auf dem Suchmaschinenmarkt nicht allzu sehr beunruhige. Jetzt müsse Yahoo jedoch in erster Linie den Aktionären zeigen, dass es eine langfristige Strategie und einen „realisierbaren Plan zur Selbst-Wiederbelebung“ besitzt – und zudem Management-Qualitäten, um diesen Plan umzusetzen. Vermutlich seien die Aktionäre derzeit jedoch ziemlich sauer, weil die Aktie des Unternehmens durch die Ablehnung des Microsoft-Angebots massiv an Wert verlieren könnte.

» CNBC vermutet, dass eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft schon beschlossene Sache ist. Yahoo wisse, dass Microsofts ursprüngliches Angebot – ein Aufschlag von 62 Prozent auf den Aktienwert – eine „Friss-oder-Stirb"-Offerte sei, wolle jedoch, um das Gesicht zu wahren, nicht direkt beim ersten Angebot zuschlagen. In Wirklichkeit strebe Yahoo nur ein geringfügig besseres Angebot an, während ein Preis von 40 Dollar je Anteil „vollkommen unrealistisch“ sei. Microsoft habe in dieser Situation drei Optionen: vom Verhandlungstisch weggehen, was tragisch für die Yahoo-Aktionäre wäre; den Deal nachbessern, was tragisch für die eigenen Aktionäre wäre; oder eigene Management-Kandidaten für Yahoo aufstellen, die gegen das Yahoo-Board bei der nächsten Jahreshauptversammlung antreten.

» BusinessWeek warnt eindringlich vor einer Übernahme von Yahoo durch Microsoft. Web-Unternehmen hätten zwar die Art und Weise der Informationsbeschaffung revolutioniert, kein einziges jedoch habe sich als „eigenständiger Medien-Titan“ herausbilden können. „Yahoo ist (oder war) dem Ziel am nächsten gekommen, ein Medien-Imperium auf dem Rücken des Internet aufzubauen“, schreibt das Blatt. Zwar stamme der Großteil des Content von Yahoo aus fremden Quellen, gleichwohl seien diese Inhalte der Grund, warum Millionen von Besuchern pro Monat angelockt würden. So sei beispielsweise „Yahoo Finance“ eines der größten Finanz-Portale der Welt. „Ich glaube, dass Yahoo die größte Medien-Macht unter den Firmen ist, die sich nicht Medien-Unternehmen nennen.“

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