Presseschau von 11.3.2008
Gefangen in der Taucherglocke

Die internationale Wirtschaftspresse blickt hinter die Kulissen des härtesten Vorwahlkampfs aller Zeiten um die US-Präsidentschaft. Z24 aus den Niederlanden sucht nach Gründen für die geschrumpfte deutsche Mittelschicht. Telepolis sieht Israel in der Wachstumsfalle. China Daily will böse Unternehmer bestrafen. Fundstück: Haushalt mit Schuss.

Für das US-Magazin » Newsweek hat die Autorin Tina Brown, ehemals Chefredakteurin des New Yorker und von Vanity Fair sowie Biografin von Lady Di, mehrere Tage Hillary Clinton auf Wahlkampf-Tour begleitet. Überraschend sei dabei gewesen, wie isoliert der Presse-Tross agiert habe. Gefangen in einer „Tiefsee-Taucherkugel“ seien die Reporter gar nicht dazu gekommen, jeden Tag Zeitungen zu kaufen oder regelmäßig fernzusehen. Die Protagonistin habe sich selten bei den Journalisten blicken lassen, und wenn doch, dann nur, um in passenden Momenten Fröhlichkeit vorzugaukeln.

Beeindruckt zeigt sich Brown von der Ausdauer der Präsidentschaftskandidatin – 14 Städte-Besuche in vier Tagen –, ein „brutales Tempo“, bei dem selbst Barack Obama nicht mithalten könne. „Vielleicht hat sie den Sieg allein deshalb verdient, weil sie stärker ist – stärker als die Medien-Vertreter, die aschfahl in ihrem Kielwasser folgen, und sicherlich stärker als die anderen demokratischen und republikanischen Kandidaten, die bereits in Flammen aufgegangen sind.“ Als Journalist spüre man jedoch stets Hillarys „heftige, historisch bedingte Abneigung“ gegenüber der Presse. Vielleicht sei damit sei zu erklären, warum der Presse-Tross in Austin, Texas, zu einer Pressekonferenz in eine Herren-Toilette geladen worden sei.



Die » Montreal Gazette kommentiert Gerüchte, nach denen die Konservative Partei Kanadas Barack Obamas Präsidentschaftskampagne untergrabe. Hintergrund sei die Annahme, dass der Republikaner John McCain zwar Hillary Clinton schlagen könne, aber keine Chance gegen Obama habe – gegen den Kandidaten, der Hoffnung und Veränderung verkörpere, laut Montreal Gazette „die zwei stärksten Kräfte in der Politik“. Zu diesem Zweck hätten sie angeblich das Memo eines kanadischen Diplomaten über ein Treffen mit einem hochrangigen Berater Obamas der Presse zugeschustert, in dem der Berater dem besorgten Kanadier angeblich erklärt, Obamas Attacken gegen das Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta seien bloß Wahlkampfrhetorik. Die Zeitung hält diese Verschwörungstheorie für nicht mehr als eine „Mickey Mouse“-Geschichte. Die Informationen stammten ursprünglich aus den USA selbst, aus der Feder eines Washington-Korrespondenten, der auch die kleinsten Nafta-Äußerungen bisher beharrlich verfolgt habe – und dies stets ohne kanadische Hilfe.

Die » Welt liefert die Hintergründe für den „härtesten Vorwahlkampf aller Zeiten“. Weil sie die Vorwahlen fairer machen wollten, hätten die amerikanischen Demokraten 2008 für ihre Urwahlen das Verhältniswahlrecht eingeführt – nach dem Prinzip, dass der Sieger nur so viele Delegierte erhält, wie es dem Stimmanteil entspricht, und dass der unterlegene Rivale nicht mehr leer ausgeht. Jetzt dauere der Vorwahlkampf so lange, „weil einige Weltverbesserer die Wahlen demokratischer machen wollten, als es gut ist. Das führt nun zum Desaster.“ Schon heute sei absehbar, dass Clinton und Obama keine Mehrheit der Delegierten in den Urwahlen erringen können. Auch die Erfindung der „Superdelegierten“ sei umstritten, diese oft keine Abgeordneten mehr seien, sondern Lobbyisten. „Was, wenn die Lehrergewerkschaft Clinton zur Mehrheit verhilft oder die amerikanische ÖTV Obama? Stiften sie die Mehrheit, stehen Clinton oder Obama in deren Schuld.“

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