Presseschau von 11.4.2008
Immer schön cool bleiben

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die unterschiedlichen Leitzins-Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und Bank of England. Der Nouvel Observateur fragt, was vom „Kaufkraft-Präsidenten Nicolas Sarkozy“ noch übrig sei. Der Economist ruft das Comeback von Private Equity aus. Fundstück: Namen machen Leute.

Die Süddeutsche Zeitung verteidigt den Kurs des derzeit „ganz schön coolen“ Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. „Senkung der Leitzinsen im Euroraum? Kein Gedanke. Furcht vor einem zu starken Euro? Schweigen. Sorge um die Konjunktur in Europa? Nicht wirklich.“ Trichet müsse sich auch kein Beispiel am US-Kollegen Ben Bernanke von der US-Notenbank Fed nehmen und heftig die Zinsen senken und so die Märkte beruhigen, solange die Welt in Europa noch halbwegs in Ordnung sei. „Da gibt es noch Wachstum im Euroraum. Die Ausfuhren weisen auch schöne Plusraten auf. Die Investitionen halten sich halbwegs. Mehr und mehr Menschen finden einen Arbeitsplatz“, zeigen sich die Münchner optimistisch. Angesichts der „scheinbar unaufhaltsam“ steigenden Inflationsrate bewahre Trichet zu Recht eine starre Haltung bei den Zinsen. „Denn sinkende Zinsen könnten es einigen Firmen noch leichter machen, ihre Waren zu höheren Preisen bei den Konsumenten abzusetzen. Deshalb könnte es so sein, dass die EZB mit ihrem Kurs lange auf Distanz zu Amerika bleibt.“

Auch die » Frankfurter Allgemeine Zeitung warnt vor der ansteigenden Teuerungsrate im Euro-Raum, die wegen des steigenden Ölpreises im März mit 3,5 Prozent auf einen Höchststand seit Bestehen der EZB gesprungen sei. „Die Notenbank bringt das in Zugzwang, wächst doch die Gefahr, dass die Bürger bei Lohnabschlüssen und sonstigen Preisverhandlungen mit dauerhaft höheren Inflationsraten kalkulieren.“ Das brächte die Preisspirale erst recht in Schwung, weshalb die EZB energisch gegensteuern müsse. „Sie hat derzeit keinen Spielraum, den Branchen und Exporteuren, die unter der konjunkturellen Abkühlung, dem teuren Öl oder der Aufwertung des Euro auf Rekordhöhen leiden, durch eine Zinssenkung Rückenwind zu verschaffen. Der Rekord bei der Inflation ist von allen das größte Übel. Das Vertrauen der Bürger in Preisstabilität zu sichern hat deshalb Vorrang.“

Die » Zeit schießt scharf gegen das das Krisenmanagement der EZB, die einfach so tue, als ginge die Krise an Euroland vorüber. „Nicht spurlos, aber fast. Die etwas zu hohe Inflation wird immer noch deutlich höher gewichtet als das sich abschwächende Wachstum. Selbst von den Finanzministern! Es ist zum Heulen.“ Die EZB sei und bleibe eine „asymmetrische Zentralbank“: „Too little, too late im Abschwung, too early, too much im Aufschwung.“ Erschreckend sei gestern das Selbst-Lob von EZB-Präsident Trichet gewesen, der betont habe, wie gut die EZB die Krise handhabe. „Aber mitten in der Krise schon anfangen sich zu loben, finde ich bedenklich. Wie weit weg vom Markt und den Banken sind unsere Notenbanker? Hat sich da draußen irgendetwas entspannt, gar gelöst? Weit gefehlt.“

Nachdem die Bank of England gestern entgegen der EZB den Leitzins um 25 Basispunkte auf fünf Prozent gesenkt hat, schreibt die Londoner » Times, dass die BoE derzeit einen Hochseilakt vollbringen müsse. Der ohnehin schwierige Balanceakt der Bank zwischen Inflation und Rezession sei in den vergangenen Tagen noch erschwert worden, da der Druck auf die Haushalte zugenommen habe und die Inflationssorgen gestiegen seien – da das gesunkene Britische Pfund die Import-Rechnungen erhöht habe. „Die Entscheidung zur Leitzinssenkung zeigt, dass das Kommittee davon überzeugt ist, dass der signifikante wirtschaftliche Abschwung die Inflation niederdrücken wird“, analysiert das Blatt. Jetzt wolle die BoE verhindern, dass der Abschwung in eine Rezession mündet.

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