Presseschau von 11.6.2008
Die Wut wächst

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt den weltweiten Protest gegen steigende Rohstoff-Preise und kritisiert das Krisenmanagement der Regierungen. Les Echos glaubt, dass Streiks außer Mode sind. Das Wall Street Journal übt massive Kritik an Yahoos Großaktionär Carl Icahn. Barron's.com spekuliert auf eine Übernahme von Alcoa. Fundstück: Frei-Wodka für Hillary.

Seit Montag streiken in Spanien die Spediteure gegen zu hohe Spritpreise. Dass ein Anstieg der Brennstoffpreise von 20 Prozent in nur drei Monaten Unwohlsein hervorrufe, sei verständlich, meint » Cinco Días . Dass bei den Gesprächen zwischen den Streikenden und der Regierung aber versucht werde, die eigenen Vorschläge mit allen Mitteln durchzudrücken, anstatt in Verhandlungen zu einer Einigung zu kommen, sei nicht akzeptabel, so das Blatt. "Statt die Rückkehr veralteter Schutzsysteme zu fordern (...), die der Markt und auch die Europäische Union verbieten, ist es besser, nach geeigneten Lösungen zu suchen", rät das Blatt - denn warum sollten die spanischen Verbraucher mehr zahlen müssen, nur weil einige Unternehmen unter den Bedingungen des freien Marktes nicht wettbewerbsfähig seien?

Nach Einschätzung der » Gaceta de los Negocios zeigt bereits der Beginn der Streiks, was auf die Verbraucher zukomme, falls sich die Streikenden und die spanische Regierung mit ihren scheinbar unversöhnlichen Positionen nicht bald annäherten: "Versorgungsengpässe in Supermärkten und Tankstellen, Staus auf Landstraßen, Hamsterkäufe und sogar Gewalt seitens der Streikposten" stünden Spanien bevor.

Auch in Großbritannien bereiten die steigenden Gas-Preise den Kommentatoren Kopfzerbrechen. Während man früher vor ähnlichen Preisschocks gefeit gewesen sei, da es genügend Vorräte in der Nordsee gegeben habe, schreibt der » Independent, treffe die Hausse jetzt auch die Insel, da die Vorkommen in der Nordsee beinahe erschöpft seien - bis 2020 werde der Anteil des importieren Gases von 27 auf 90 Prozent steigen. Erschwerend komme hinzu, dass die Kontinental-Europäer, die mit noch höheren Gas-Preisen zu kämpfen hätten, in den vergangenen Jahren die britischen Vorräte leergekauft hätten. "Es ist jetzt zu spät, aber Großbritannien hat die Öl- und Gas-Geschenke der Nordsee verschleudert, indem man erlaubt hat, das Zeug billig zu verkaufen, als es noch viel davon gab. (...) Jetzt zahlen wir den Preis dafür."

Die steigenden Gas-Preise stimmt auch die » Asia Times kritisch. So sei China wegen seines großen Energie-Hungers, der die eigene Produktionskapazität sprenge, eigentlich zur Partnerschaft mit dem energiereichen Nachbarn Russland verpflichtet, "aber die ungeschickten Verhandlungen von Peking verzögern die dringliche Gas-Partnerschaft", kritisiert die Zeitung. Der Versuch, in den Verhandlungen mit Russland einen Rabatt für Erdgas zu erkämpfen, sei ein großer Fehler. Indem China darauf bestehe, das sibirische Gas von Gazprom zu den reinen Förderkosten zu beziehen - also zu einem Bruchteil des Preises, zu dem Gazprom sein Gas nach Westeuropa verkaufe -, führe Peking die Verhandlungen in eine Sackgasse und verzögere die Bereitschaft der Russen, in Pipeline-Systeme zu investieren, die für China besonders wichtig seien.

Die » Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärt, warum die hohen Rohstoffpreise diesmal keine dämpfenden Mechanismen - Reduzierung der Nachfrage, Ausbau von Alternativen - in Gang setzen. Zum einen verfügten Großverbraucher wie China über so große Devisenreserven, dass sie Rohstoffe auch zu hohen Preisen einkauften, weshalb die Nachfrage nach Rohstoffen hoch bleibe. Zum anderen erforderten zusätzliche Angebote Zeit. Bis eine neue Rohstoffmine oder eine neue Ölquelle erschlossen sei, vergingen viele Jahre. "Besonders schwierig sieht es beim Rohöl aus: Viele große Felder, die seit Jahrzehnten in Betrieb sind, haben ihren Förderhöhepunkt überschritten, während große neue Reserven kaum mehr erschlossen werden." Bei allen Nachteilen habe die Preis-Hausse jedoch auch positive Folgen: "Auf längere Sicht dürften hohe Rohstoffpreise jedoch einen Modernisierungsschub in Gestalt effizienterer Güter und Produktionsverfahren bewirken."

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