Presseschau von 12.2.2008
Giftige Grüße aus Peking

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert das angespannte Verhältnis westlicher Nationen zu China. Les Echos ärgert sich über die Phrasendrescherei beim G7-Treffen. Fortune glaubt, dass sich die US-Wirtschaft spätestens im Mai erholen muss, damit die Republikaner bei der Wahl gewinnen können. Fundstück: Professionelle Politur fürs Internet-Image.

Das » Wall Street Journal analysiert auf der Titelseite, dass sich China auf dem Kohle-Sektor jetzt so verhält wie einst auf dem Ölmarkt: die Preise in neue Höhen treiben und den Druck auf die Weltwirtschaft noch erhöhen. Früher habe China mehr Kohle ex- als importiert, doch dies habe sich im ersten Halbjahr 2007 erstmals gewandelt, wodurch sich die meisten Kohlepreise weltweit verdoppelt hätten.

Der Höhepunkt dieser Entwicklung sei Ende Januar erreicht worden, als China die Kohleexporte wegen schwerer Schneestürme und Einschränkungen der Stromversorgung für mindestens zwei Monate ganz ausgesetzt habe. Seitdem seien die Kohle-Preise in Asien um weitere 34 Prozent gestiegen; in der vergangenen Woche sei Kohle in den USA, Asien und Europa so teuer wie nie zuvor gewesen. Da die Preise vermutlich bis 2009 auf dem Höhenflug seien, werde sich der Trend weiter negativ auf die Weltwirtschaft auswirken und die Inflationssorgen anheizen, vermutet das Blatt.

» The Atlantic berichtet, dass sich die Meinung der Chinesen hinsichtlich ihrer Auslandsinvestitionen allmählich wandelt. Nachdem beispielsweise die achtprozentige Beteiligung an der US-Private-Equity-Firma Blackstone in den vergangenen sechs Monaten eine der anfänglich investierten drei Milliarden Dollar an Wert verloren habe, zeichne sich eine „destruktive Spannung“ in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen ab. Hintergrund: In den vergangenen 25 Jahren habe China den Lebensstandard der eigenen Bevölkerung absichtlich niedrig gehalten, um die USA zu stützen: Umgerechnet habe sich jeder US-Bürger in den vergangenen zehn Jahren 4000 Dollar von einem Chinesen geliehen. Jetzt wachse der Unmut der chinesischen Bürger darüber, dass die Regierung auf einem Geldberg sitzt, der nicht direkt in China investiert werde. „Der Druck auf die Regierung wächst, sie soll nachweisen, dass der Gewinn ihrer Investitionen die Opfer, die von den Chinesen erbracht werden, aufwiegt“, schreibt das Magazin.

Unter der schönen Überschrift „From China With Love“ berichtet » Forbes, dass die vermeintlich altmodische Spionage wieder hoch im Kurs liege: In den vergangenen Jahren hätten chinesische Spione wiederholt die Computer des Pentagons infiltriert; der jüngste Spionage-Fall bezieht sich auf einen ehemaligen Boeing-Ingenieur, der im Auftrag der chinesischen Regierung geheime Dokumente zu verschiedenen Raumfahrtprogrammen von Boeing, darunter das Space Shuttle, gestohlen habe und jetzt verhaftet wurde. „Sollte sich der Verdacht erhärten“, schreibt das US-Magazin, „würde in der realen Welt bestätigt, was bislang im Cyberspace vermutet wurde: dass China Militärspionage betreibt.“

Nach dem Fund von Pestiziden in chinesischen Knödeln, durch die vor einigen Wochen mindestens zehn Japaner eine Vergiftung erlitten, beherrscht die Debatte über die Qualität chinesischer Lebensmittel noch immer die japanischen Medien. Die » Japan Times ruft nun dazu auf, nicht in Hysterie zu verfallen, um die in den vergangenen Monaten verbesserten Beziehungen zwischen Japan und China nicht zu gefährden. Auch die Medien sollten bei der Berichterstattung einen kühlen Kopf bewahren. „Die aktuelle Entwicklung könnte bewirken, dass die japanische Bevölkerung alle chinesischen Lebensmittel für potenziell gefährlich hält“, warnt die Zeitung. China sei der wichtigste Handelspartner Japans, 2006 habe die Volksrepublik die USA in dieser Rolle abgelöst. Fazit: Ein Meiden chinesischer Lebensmittel könne zu höheren Preisen für japanische Produkte und im gegenzug zu einer antijapanischen Stimmung in China führen.

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