Presseschau von 13.2.2008
Ein Buffett im Schafspelz

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt am Angebot des US-Investors zur Rettung der angeschlagenen Kreditversicherer. Forbes fordert ein stärkeres Engagement von GM bei Zukunftstechnologien. Der Guardian verteidigt die Pläne der britischen Regierung, die Steuerprivilegien für Ausländer zu beschneiden. Fundstück: Mörderstimmung im Web 2.0.

Mit Blick auf das Angebot von Warren Buffet an die angeschlagenen Kreditversicherer MBIA, Ambac und FGIC, die finanzielle Verantwortung für kommunale Anleihen im Wert von 800 Milliarden Dollar zu übernehmen, zeigt sich die » FAZ skeptisch. Der Investor habe lediglich Interesse an soliden Anlageformen bekundet und die Übernahme der wirklichen Risiken dagegen ausdrücklich ausgeschlossen. So dürfe kaum verwundern, dass die Anleiheversicherer ablehnend oder überhaupt nicht auf Buffetts Angebot eingegangen seien.

„Schließlich hat Buffett vor kurzem ein Konkurrenzunternehmen gegründet und versucht auf diese Weise den originären und profitablen Teil des Geschäfts an sich zu ziehen, während die bestehenden Kreditversicherer auf den problematischen Positionen sitzen blieben“, rekapitulieren die Frankfurter. Vor diesem Hintergrund verschlimmere Buffet sogar ihre Lage zusätzlich: „Da künftig der Wettbewerb noch intensiver werden wird, dürfte die Aussicht auf eine ertragreiche Fortsetzung des operativen Geschäfts und indirekt auf eine Rekapitalisierung zu vernünftigen Konditionen noch geringer werden, als sie bisher schon war.“



Das französische Wirtschaftsblatt » L'Expansion wertet Warren Buffets Angebot als Versuch, sich als den großen Retter des amerikanischen Kreditsystems in Szene zu setzen. Tatsächlich stellten die Anleiheversicherer die „Schattenseite“ des aktuellen US-Finanzsystem dar: „Sie operieren stets an der Grenze zur Insolvenz und ermöglichen ihren Kunden, von den Konditionen ungünstiger Kredite zu profitieren. So droht ihnen immer auch das Risiko, von den Ratingagenturen abgewertet zu werden.“ Doch gerade ihre guten Noten – im Falle von Ambac, MBIA und FGIC „Triple-A“ – seien Voraussetzung für ein erfolgreiches Geschäft. Immerhin bedeute Buffets Angebot, dass die Anleihen von Ambac, MBIA und FGIC sicher seien.

Das » Wall Street Journal erinnert sich an die „heroische Intervention“ von Buffet bei der Rettung der der New Yorker Investmentbank Salomon Brothers. Diesmal jedoch präsentiere sich Buffet „im Schafspelz“, da er kein Interesse an den riskanten Produkten der Kreditversicherer habe. Kommunale Anleihen seien demgegenüber die „Kronjuwelen“ der Kreditversicherer, weil sie die sicherste Anlageform seien – weshalb seit längerer Zeit darüber diskutiert werde, ob diese überhaupt versichert werden müssen. Hintergrund des Angebot sei, dass Buffet im Dezember einen eigenen Kreditversicherer, Berkshire Hathaway Assurance, in New York gegründet habe und dessen Radius auf weitere Bundesstaaten ausweiten wolle. Durch ein Engagement bei kommunalen Anleihen, argumentiert die Zeitung, würde Buffets neue Firma einen Track Record erhalten, während sich die Situation der die Wettbewerber zuspitze.

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