Presseschau von 14.3.2008
Retter in Not

Die internationale Wirtschaftspresse ist sich einig, dass die jüngste Rettungsaktion der Notenbanken gescheitert ist – aus dem wirtschaftlichen erwachse nun ein politisches Problem. New Republic untersucht die Feindschaft von John McCain und Barack Obama. La Tribune fordert die Neuerfindung der Europäischen Union. Fundstück: Rote Lippen sollst du lesen.

Die » FAZ analysiert, dass die jüngste Rettungsaktion der großen Notenbanken die Akteure an den Märkten nicht beruhigen konnte. Im Devisenhandel sei der Dollar so schwach wie noch nie zuvor, an den Börsen seien die Aktienkurse der Hedge-Fonds eingebrochen, während die Preise für Öl und Gold an den Rohstoffbörsen von einem Rekordhoch zum nächsten kletterten. „Die Krise frisst sich wie ein Wundbrand von Markt zu Markt. Die betroffenen Banken, Hedge-Fonds und Investoren sollten sich endlich zu ihren Verlusten bekennen, diese in die Bilanz nehmen, die fälligen Abschreibungen vornehmen und, wenn nötig, neues Eigenkapital aufnehmen“, fordern die Frankfurter. „Wer das nicht kann, muss sich vom Markt verabschieden. Das kann zu weiteren Verwerfungen führen. Doch nur so trennt sich die Spreu vom Weizen. In diesem Ausleseprozess darf die Notenbank Spekulanten nicht retten, sondern muss sich allein auf die Stabilität des Finanzsystems konzentrieren.“

In der » New York Times macht sich der liberale Ökonom Paul Krugman keine Illusionen, dass die Hilfspakte der US-Notenbank Fed den Abschwung der US-Wirtschaft noch aufhalten könnten. „Die üble Ökonomie der Finanzkrise wird schon bald eine üble Politik nach sich ziehen“, versichert Krugman. „Ich dachte bislang, dass die großen Fragen für den kommenden Präsidenten sein werden, wie wir aus dem Irak kommen und was mit dem Gesundheitssystem zu tun ist. Jetzt aber glaube ich, dass das größte Problem für die nächste Regierung darin besteht, herauszufinden, welche Teile des Finanzsystems sie retten muss, wie sie die Rechnung für die Reinigung bezahlt und wie sie einem verärgerten Volk ihr Handeln erklärt.“

Die » Zeit findet die Stützungsaktionen der Währungshüter einerseits eindrucksvoll, da die Federal Reserve bei ihren Geschäften mit den Banken jetzt auch Wertpapiere akzeptiere, die mit Immobilienkrediten besichert sind. „Das bedeutet nichts anderes, als das sie den Markt für diese Papiere stützt, die von den Banken wegen der Immobilienkrise bisher gemieden werden.“ Die Maßnahmen der Zentralbanken hätten so die Panik gelindert. Andererseits sei schon bald mit neuen Unruhen zu rechnen. „Das dürfte dann auch die Aktienmärkte beeinflussen. Es spricht dafür, als Anleger die Börsen zu meiden.“ Ähnlich wie die New York Times glaubt die Zeit, dass am Ende kein Weg daran vorbei führen werde, dass der Staat direkt eingreift, indem er beispielsweise Immobilien aufkaufe und damit den Markt stütze oder angeschlagene Banken rekapitalisiere. „Das würde darauf hinauslaufen, dass der Steuerzahler für die Probleme des Finanzsektors aufkommt. Solches ist bitter, aber eine Alternative ist derzeit nicht in Sicht.“

Der » Economist schreibt, die Logik der Rettungsaktionen sei einfach: den teuflischen Kreislauf aus Angst und Notverkäufen durchbrechen. Außerdem wollten die Zentralbanken den Druck von ihrem anderen politischen Werkzeug, der Senkung der Leitzinsen, nehmen. „Da die Rohstoffpreise steigen, der Dollar weiter fällt und die Angst vor einer künftigen Inflation zunimmt, wäre eine starke Zinssenkung zu riskant.“ Die größte Gefahr in dieser Situation seien jedoch die hohen Erwartungen. „Die Versorgung mit Liquidität, wie kunstvoll auch immer, ist keine magische Kugel für die Kreditkrise. Sie lindert die Panik und verschafft mehr Zeit, eliminiert jedoch weder die zugrundeliegenden Verluste noch die Unsicherheit, bei wem diese Verluste anfallen könnten, und verhindert auch nicht die unvermeidbare Kreditklemme, die folgen wird.“

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