Presseschau von 15.5.2008
„Eins plus eins gleich die Hälfte“

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Krise und die Übernahme-Szenarien beim deutschen Halbleiter-Konzern Infineon. Zeit und Independent kritisieren die deutsche und britische Steuersenkungszeit. FAZ und FTD zweifeln an Horst Köhlers Bestien-Rhetorik. Das Wall Street Journal stellt sich gegen das Finanzkrisen-Lamento. Fundstück: Rettet die Liberalen!

Die » Süddeutsche Zeitung blättert das neueste Kapitel in der von Streit, Zerfall und Missgunst geprägten Geschichte von Infineon auf: Dem verlustreichen Unternehmen machten neben fallenden Chippreisen auf dem Weltmarkt jetzt auch massive Querelen in der Infineon-Führung zu Schaffen: Aufsichtsräte wollten Infineon-Vorstandschef Wolfgang Ziebart ablösen. „Tatsächlich steht das Unternehmen heute wirtschaftlich nicht besser da als zu Beginn seiner Amtszeit vor dreieinhalb Jahren. Für einen Neuanfang muss der personelle Einschnitt weiter gehen“, fordert die SZ. Zu Recht wollten die Kontrolleure also auch die Rolle von Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley unter die Lupe nehmen, der im Februar eine öffentliche Diskussion über die Ablösung von Ziebart zugelassen und damit eine Demontage des eigenen Führungspersonals ermöglicht habe.

» ElectronicsWeekly.com spricht sich gegen die in der Wirtschaftspresse diskutierte mögliche Fusion von Infineon mit der früheren Halbleitersparte von Philips aus (die inzwischen vom Finanzinvestor KKR kontrolliert wird und unter dem Namen NXP firmiert). „Diese Geschichte hält sich, obwohl es keine Bestätigung gibt, dass es überhaupt Gespräche gab, und trotz der Tatsache, dass die meisten Experten versichern, dass eine Allianz von Europas größten Chip-Herstellern kaum einen Vorteil bringe“, schreibt das Fachblatt. Und zitiert Malcolm Penn, CEO der Marktforschungs- und Analystengruppe Future Horizons: „Zusammenschlüsse funktionieren nur, wenn es für beide Firmen eine Triebfeder gibt. In diesem Fall gäbe es jedoch nur überlappende Produktlinien, Unternehmenskämpfe und ein klassisches Fusions-Disaster nach dem Motto ,Eins plus eins gleich die Hälfte'“.

Während das » Handelsblatt über eine mögliche Allianz von Infineon mit dem russischen Konzern Sistema berichtet, blickt » EE Times Europe auf eine mögliche Übernahme von Infineon durch Samsung und Intel. Die sei indes wenig wahrscheinlich. Zwar suche der „Geist“ der Konsolidierung die europäische Halbleiter-Industrie auf. Da Samsung und Intel jedoch keine gemeinsamen strategischen Ziele verfolgten, sei eine gemeinsame Übernahme von Infineon wohl nur ein Gerücht. Außerdem sprächen die unterschiedlichen Unternehmenskulturen gegen eine Allianz: auf der einen Seite eine europäisch geprägte Firma, auf der anderen Seite Unternehmen mit dem Ruf einer paternalistisch geprägten Management-Kultur. Eine feindliche Übernahme sei zwar wegen des 100-Prozent-Streubesitzes denkbar – der Preis vermutlich aber zu hoch.

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