Presseschau von 17.4.2008
Das Gespenst der Inflation

Die internationale Wirtschaftspresse warnt vor gravierenden wirtschaftlichen und politischen Folgen der weltweit steigenden Preise. Im Stern machen Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche Jagd auf Toyota. Der Guardian fordert den Kopf von British Airways-Chef Willie Walsh. Die Pravda hat Angst vor den schwachen USA. Fundstück: Achtung, die Deutschen kommen.

Die » Frankfurter Rundschau sucht nach Lösungen für die steigenden Preise in Deutschland und Euroland . Ein Ende der schlechten Nachrichten sei nicht in Sicht, denn die Globalisierung wirke plötzlich nicht mehr preisdämpfend, sondern preiserhöhend. Jetzt müsse die Europäische Zentralbank (EZB) entweder weiterhin für ihr Ziel einer Inflationsrate von unter zwei Prozent kämpfen – mit der Gefahr, dass der Euro auf immer neue Rekorde getrieben und die heimische Exportwirtschaft geschwächt werde. Alternativ könne man in Euroland das Inflationsmaß ändern und nur noch mit der Kerninflation rechnen. Die Frankfurter plädieren für Lösung drei: „Wir gewöhnen uns einfach an eine etwas höhere Inflation.“ Da selbst die harte D-Mark seit 1949 im Schnitt nur eine Inflationsrate von 2,8 Prozent geschafft habe, sei es an der Zeit, neu über das Inflationsziel nachzudenken. „Wie wäre es mit 2,5 Prozent plus/minus einem Prozentpunkt?“

Der » Economist warnt vor der steigenden Inflation in Asien, die in diesem Jahr zu ernsten wirtschaftlichen und politischen Risiken zu führen drohe. In China seien die Preise für Konsumgüter allein im Februar um 8,7 Prozent gestiegen, in Indonesien im März um 8,2 Prozent; ein ähnliches Bild ergebe sich in Hong Kong, Indien, auf den Philippinen, in Singapur und Thailand. Länderübergreifend seien die wachsenden Lebensmittelpreise die Hauptursache, hinzu kämen jedoch länderspezifische Gründe: In China habe beispielsweise eine Schweineseuche zu höheren Fleischpreisen geführt. Die steigenden Inflationsraten könnten zu politischen Unruhen führen, prognostiziert das Blatt. So seien die Tumulte in Myanmar im September und Oktober 2007 aus Protesten gegen die hohen Lebensmittelpreise entstanden; selbst bei den Protesten auf dem Tiananmen Platz des Himmlischen Friedens in China 1989 sei die hohe Inflation auschlaggebend gewesen.

» Les Echos widmet sich speziell der Inflation in China und erklärt, dass Wirtschaftspolitiker in der Frage, wie die Preissteigerungen bekämpft werden können, uneins seien. Die einen sähen in der steigenden Inflation einen vorübergehenden Trend, der durch exogene Einflüsse verursacht werde – die um Energie und Lebensmittel bereinigte Inflationsrate liege auf Jahressicht nämlich nicht über 1,6 Prozent. Andere glaubten, dass die rasant wachsende Nachfrage auf dem chinesischen Binnenmarkt die Preise in die Höhe trieben. „China ist nicht vor einer dauerhaften Inflation gefeit“, meint das Blatt. Das niedrige Niveau des Renminbi heize die Preissteigerungen an, da die Importe teurer würden. „Die klassische Parade bestünde in einer straffen Geldpolitik, um den Kreditmarkt zu beruhigen und den Yuan aufzuwerten. Aber dafür müssten die Pekinger Führer auf ihr Modell des extrovertierten Wachstums verzichten, das auf der Schwäche der eigenen Währung basiert. Eine kulturelle Revolution!“

Die Inflation ist auch das Thema beim » Business Standard aus Indien. In dem Land habe die Steigerung der Inflationsrate von knapp 5 auf 7,4 Prozent Investoren und Politiker aufgeschreckt. Nun würden Forderungen nach der Anhebung des Leitzinssatzes durch die Reserve Bank of India laut. Doch wie zwei Experten gegenüber dem Blatt anführen, würde das kaum helfen, denn eine Zinsanhebung wirke nur bei einer durch steigende Nachfrage getriebenen Inflation. „Die jetzige Inflation geht aber von der Angebotsseite aus, von den Preissteigerungen bei Rohöl oder Nahrungsmitteln. Zudem hätten höhere Zinsen eine fatale Wirkung auf das Wirtschaftswachstum.“ Natürlich könne die Notenbank die Rupie weiter aufwerten, aber auch hier seien Risiken zu bedenken, wie die Beeinträchtigung des Exportsektors. „Was immer die Notenbank unternimmt, es wird die Lage in Indien nicht wesentlich verbessern.“

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