Presseschau von 18.3.2008
Die Eine-Billion-Dollar-Blase

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Auswegen aus der weltweiten Finanzkrise. Für Wired ist der Öko-Trend der Rettungsanker der US-Wirtschaft – für die Huffington Post allerdings der Todesstoß für ganze Branchen. Die Japan Times schimpft über die mangelnde Liberalisierung der US- und europäischen Wirtschaft. Fundstück: Carla ohne Stil.

Die » Neue Zürcher Zeitung kommentiert die Leitzinssenkung der US-Notenbank (Fed) um 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent. Dass die Banker „mit der Brechstange Gegensteuer zu den rezessiven Tendenzen in der US-Wirtschaft“ gäben, werde nicht unbedingt dazu führen, bei den Unternehmen und privaten Haushalten Zuversicht zu schüren. „Der zinspolitische Entscheid vom Dienstag könnte sich auch kontraproduktiv auswirken. Dann nämlich, wenn bei Investoren und Konsumenten der Eindruck entstehen sollte, das entschiedene Handeln des Fed erkläre sich damit, dass die wirtschaftliche Lage viel ernster sei als man bis anhin angenommen habe.“ Nach der geplatzten Immobilienblase und den damit verbundenen gravierenden „Kollateralschäden“ in der übrigen Realwirtschaft und im Finanzsektor, meint die NZZ, würden die USA mit monetären Maßnahmen allein nicht wieder auf Wachstumskurs gebracht. „Allenfalls helfen markante Zinssenkungen, die Durststrecke rascher zu überwinden. Schon das wäre ja nicht wenig.“

In der Diskussion über die aktuelle Finanzkrise hat » Le Figaro einen neuen Schuldigen ausgemacht: das International Accounting Standards Board, das internationale Rechnungslegungsstandards ausarbeitet. „Nach IASB-Norm sind börsennotierte Unternehmen verpflichtet, den Wert ihrer Aktiva für jedes Trimester auszuweisen – was dazu geführt hat, dass tagtäglich Verlustmeldungen durch die Nachrichten jagen und das Vertrauen von Anlegern und Angestellten unnötig strapaziert wird“, erklärt das Blatt. Wie könne es sein, dass derartige Normen für 7000 Aktiengesellschaften weltweit gelten – Normen, die von keiner Regierung aufgestellt wurden, sondern von einem elitären Klub, „der sich anmaßt, die Märkte zu beeinflussen, ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern?“ Der Krise liege mithin auch ein Strukturproblem zugrunde, das dringend behoben werden müsse.

Der irische » Independent kommentiert die Rettung von Bear Stearns. Noch vor wenigen Wochen sei die Firma 18 Milliarden Dollar wert gewesen, jetzt jedoch für nicht einmal ein Prozent des Wertes verkauft worden. „Wenn Bear Stearns wertlos ist, wie viel ist dann jede andere Bank derzeit wert?“, fragt die Zeitung. Vor dem Hintergrund der jüngsten Turbulenzen sei die eine Zeitlang „extreme Sicht“, das globale Finanzsystem habe insgesamt eine Billion Dollar verloren, fast schon die Mainstream-Meinung geworden. „Die noch wilderen Aussichten, dass es auch drei Billionen Dollar sein könnten, werden nicht länger als verrückt eingestuft.“

Die » Moscow Times ist sich sicher, dass es zu einer ähnlichen Krise wie bei Bear Stearns in Russland nicht kommen könne. Die russischen Banken arbeiteten nicht mit so komplexen Wertpapierbeständen wie die amerikanischen. Das Vertrauen in den russischen Markt sei jedoch ebenfalls getrübt. Denn der Schutz von Aktionären hänge in Russland von der jeweiligen Kreml-Führungsriege ab. Daher laute die große Frage nun, ob die Regierung entschieden handeln werde, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern, indem sie private Investoren vor Aktieneinbrüchen oder gar vor Manipulationen großer Unternehmen schütze – ein Teil der Unternehmen gehöre dem Staat, außerdem sei der politische Druck der „Titanen der russischen Industrie“ enorm.

Das portugiesische » Jornal de Negócios äußert sich besorgt über die jüngste Analyse der Kreditkrise aus der Feder von Alan Greenspan (in der » Financial Times Deutschland nachzulesen). Blasen am Finanzmarkt, so der ehemalige Fed-Chef, entwickelten sich heute noch ähnlich wie im 18. Jahrhundert, als die modernen Wettbewerbsmärkte entstanden seien; das „Spekulationsfieber“ werde irgendwann von selbst abklingen. Dazu meint das Blatt, dass der Mangel an Mitteln gegen die Entwicklung solcher Blasen und die anschließende Krise heute allerdings besorgniserregender als je zuvor seien. Schließlich werde die Welt durch die Globalisierung immer kleiner. Die „Unwetter“ fänden längst nicht mehr an einem Ort statt, sondern ergriffen den gesamten Planeten. Umso dringender sei es nun, eine Antwort auf die Krise zu finden.

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