Presseschau von 2.5.2008
Ein Drache auf Abwegen

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Licht- und Schattenseiten von Chinas Aufstieg zur Weltmacht. Asahi Shimbun kritisiert die japanische und italienische Blockadehaltung gegenüber Investoren. Das Wall Street Journal rechnet heute mit einem feindlichen Übernahmeangebot für Yahoo. Die Süddeutsche Zeitung fordert die Zerschlagung des DGB. Fundstück: Männer immer oberflächlicher.

Das US-Magazin » Fortune rechnet damit, dass China bereits 2015 zur wirtschaftlichen Weltmacht aufsteigen und die USA nach 125 Jahren an der Spitze ablösen wird – 1890 hätten die USA die Krone übrigens von China erhalten. Bis 2015 werde sich China vom Exporteur billiger Güter zu einem Wettbewerber in den Kernbranchen der US-Wirtschaft entwickeln. Nachdem die Chinesen bereits den Spielzeug- und Socken-Sektor erobert hätten, seien 2015 Unternehmen wie Apple, J.P. Morgan Chase und Procter & Gamble in Gefahr. Nach Einschätzung des Ökonomen Angus Maddison werde das Wirtschaftswachstum der Asiaten zwar in den kommenden Jahren abgebremst, während sich das der USA bei jährlich rund 2,6 Prozent im Durchschnitt einpendeln werde – da China im vergangenen Jahrzehnt jedoch so erstaunlich schnell gewachsen sei, werde es dennoch nur noch sieben Jahre bis zum Wechsel an der Spitze dauern.

Der » Economist analysiert die nationalistischen und mitunter fremdenfeindlichen Reaktionen in China auf ausländische Kritik an der Tibet-Politik. Dies sei nicht nur für Ausländer in China, sondern auch für die chinesische Regierung – die den Nationalismus geschürt habe – eine beängstigende Entwicklung: Zwar seien die anti-westlichen Stimmen ein Ventil für die grundsätzliche Unzufriedenheit der Chinesen, die Proteste könnten sich jedoch schnell gegen die Regierung selbst richten. „Die chinesischen Führer müssen solchen Frustrationen schon im Vorfeld begegnen, indem sie Lösungen für die Umweltverschmutzung, die Korruption und die Menschenrechtsverstöße im eigenen Land, die zur gefährlichen Stimmung im Land beitragen, finden“, schlussfolgert das Magazin.

Die » Asia Times aus Hong Kong verfolgt skeptisch die staatsinterventionistische Politik des chinesischen Vizepremierministers Wang Qishan. Unter den 100 Millionen Aktionären des Landes gelte Qishan al „Befreier“, der selbst die „drei Berge“ versetzen können – eine Phrase von Mao Tsetung, der Imperialismus, Feudalismus und bürokratischen Kapitalismus beseitigen wollte; an deren Stelle seien heute die wachsenden Kosten für Immobilien, medizinische Versorgung und Bildung getreten. Investoren gingen davon aus, dass Qishan & Co. besonders die Maßnahmen zur Refinanzierung von Aktiengesellschaften künftig stärker regulieren. Hintergrund: Nachdem die Regierung durch Kredit-Restriktionen die überhitzte Wirtschaft habe abkühlen wollen, hätten zahlreiche Firmen zuletzt Bonds und zusätzliche Aktien verkauft; der chinesische Versicherer Ping An Insurance etwa im Gegenwert von 160 Milliarden Yuan (rund 15 Milliarden Euro EUR). Indem die Regierung beispielsweise die Stempelsteuer mal erhöhe und mal senke, versuche sie, direkt ins Marktgeschehen einzugreifen. „Das Engagement der Regierung sowie die großen Marktkräfte zeigen, dass der Aktienmarkt immer noch nicht erwachsen ist“, kritisiert das Blatt.

Seite 1:

Ein Drache auf Abwegen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%