Presseschau von 20.2.2008
Invasion der Bulldozer

Nach dem Rückzug Fidel Castros macht sich die internationale Wirtschaftspresse Gedanken über die Zukunft von Kubas Wirtschaft. Laut New York Times rüstet sich Microsoft für den Kampf um die Yahoo-Aktionärsstimmen. La Gaceta de los Negocios sorgt sich um die ausländischen Direktinvestitionen in Spanien. Fundstück: Klaus Zumwinkel, der letzte Bolschewist.

» BusinessWeek macht sich Gedanken über die künftige Wirtschaftspolitik nach dem angekündigten Rückzug Fidel Castros. Das Grundproblem von Kubas Wirtschaft liege in ihrem Zwei-Klassen-System: Kubaner mit Zugang zu ausländischen Devisen lebten mit einem weitaus höheren Standard als die anderen Kubaner – die Teilung gehe zurück auf die Wirtschaftskrise Anfang der 1990er, als die finanzielle Unterstützung durch die Sowjetunion eingeschränkt wurde und die Regierung eine auf Tourismus basierende Wirtschaft förderte.

In den vergangenen Jahren habe die Regierung jedoch privatwirtschaftliche Aktivitäten und ausländische Investments im Land wieder beschränkt. Eine neue Staatsführung unter Fidels Bruder Raúl, vermutet das Blatt, werde eine pragmatische statt ideologische Wirtschaftspolitik betreiben. Unter Raúl seien Kubaner wiederholt aufgefordert worden, die ökonomischen Unzulänglichkeiten im Land zu benennen; außerdem wolle Raúl die Landwirtschaft stärken, um die Importe einschränken zu können, sowie ausländische Investoren ködern.



» The Atlantic zeigt, dass sich US-amerikanische Firmen seit Jahren auf den Abtritt von Castro vorbereiten. Seit dem Ende des Kalten Krieges hätten Bauunternehmen, in Erwartung einer kubanischen Konterrevolution, in Florida große Material-Depots angelegt; Bulldozer und Kräne stünden bereit, um binnen kürzester Zeit Shopping-Center und Eigentumswohnungen auf Kuba zu bauen. „Optimisten sehen ein Post-Embargo-Havanna als kapitalistisches Paradies, das durch die heilenden Kräfte des freien Marktes zur alten Blüte findet“, schreibt das Magazin. Gleichwohl seien bei einer „Invasion“ der Unternehmer und Städteplaner Rückschläge zu erwarten, besonders in einer geschichtsträchtigen Stadt wie Havanna, die eine außergewöhnliche Architektur habe.

Das Online-Magazin » Wired glaubt, dass Kuba zu einem der weltweit größten Produzenten von Ethanol aufsteigen kann. Während Fidel Castro den Bio-Kraftstoff hasse, sei Raúl ein Fan davon. Zwar sei der Wandel nicht von heute auf morgen möglich, außerdem seien erhebliche Investitionen in die „klapprige Zucker-Industrie“ des Landes erforderlich, dennoch habe Kuba das Potenzial, jährlich zwischen 2 und 3,2 Milliarden Gallonen herzustellen und sich so zum drittgrößten Ethanol-Produzenten zu entwickeln. Dazu sei jedoch eine Öffnung gegenüber ausländischen Investoren vonnöten. Dies sei nicht unrealistisch, da Kuba bereits in den vergangenen Jahren seine Ethanol-Produktion modernisiert habe; bei 11 der 17 Ethanol-Raffinerien habe eine Überholung begonnen.

Der » Economist analysiert die größten Nöte der kubanischen Bevölkerung. Zwar versorge Venezuela die Insel mit hochsubventioniertem Öl, außerdem stelle China langfristige Kredite bereit. Dennoch seien die meisten Kubaner mit ihrem Alltagsleben unzufrieden. Ganz oben auf der „Motz-Liste“ stünden die zu geringen Löhne (im Durchschnitt nur 20 bis 25 Dollar pro Monat), Engpässe beim Transport und Wohnungswesen sowie die Beschränkungen für kleine Unternehmen. Die Gesundheitsvorsorge und Bildung seien kostenlos, jedoch von sinkender Qualität. Um über die Runden zu kommen, müssten die meisten Kubaner schwarz arbeiten, was toleriert, offiziell jedoch untersagt sei.

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