Presseschau von 20.6.2008
Räuber im Öl-Rausch

Die internationale Wirtschaftspresse blickt gespalten auf die Rückkehr westlicher Ölkonzerne in den Irak. Fortune zeichnet ein düsteres Bild des Autobauers General Motors. Das Wirtschaftsmagazin Portfolio.com besichtigt die Wunderwaffe von Starbucks. Der Economist berichtet, was EADS wirklich bewegt. Fundstück: Hilfe, ich liebe eine Guillotine.
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Die Süddeutsche Zeitung begrüßt die Rückkehr westlicher Ölkonzerne wie BP, Total und Exxon in den Irak - 36 Jahre, nachdem Saddam Hussein sie vertrieb. Zwar schlage den Firmen aus der arabischen Welt und dem friedensbewegten Teil Europas ein gemischtes Echo entgegen - "Blut für Öl" sagten viele. Andererseits seien die Öl-Träume der Amerikaner "grob ernüchtert": "Denn fünf Jahre nach dem Krieg liegen erstens die meisten Ölfelder immer noch brach, und zweitens müssen sich die US-Konzerne um die besten Startplätze für zukünftige Geschäfte mit Europäern (...) ebenso balgen wie mit Lukoil aus Russland oder Konkurrenten aus China und Indien." Bei allen Tricksereien im Hintergrund seien die Verträge ein "dringend benötigter Anfang nach fünf verlorenen Jahren". Davon profitierten nicht nur die Firmen. "Es kann auch Gewinn bringen für das Land, in dem so viele Kriegsverlierer leben."

Die International Herald Tribune wundert sich darüber, dass die Förderrechte nicht ausgeschrieben wurden. "Dieses Land benötigt nach einem langen Konflikt dringend Geld, um seine Schulen, Energie- und Wasserversorgung wieder aufzubauen. Warum haben sie dann die Verträge ohne Ausschreibung vergeben?" Ohne Zweifel gebe es eine politische Intrige; die Verträge mit den westlichen Ölfirmen, die nun sogar die irakische Ölproduktion um 20 Prozent steigern dürften, seien schon unterschrieben worden, bevor die irakische Regierung ihr neues Öl-Gesetz abgesegnet habe; außerdem seien die Ölfirmen offenbar zuversichtlich, dass ihr Investment im Irak mehrere Jahre geschützt werde - obwohl die Förderlizenzen offiziell nur ein oder zwei Jahre liefen.

"Ich denke, der Beweis ist deutlich, dass die Bush-Regierung in den Irak-Krieg gezogen ist, weil das Land von behämmerten Leuten geführt wurde. Das Öl-Geld indes erklärt den Wunsch, für immer im Krieg zu bleiben", kommentiert das US-Magazin The Atlantic. "Unsere Truppen können ,den iranischen Einfluss zügeln' und für ,Stabilität' sorgen, was gut ist fürs Geschäft. Aber das darf man nicht Imperialismus nennen, wir sind dort, um zu helfen", schreibt das Magazin ironisch.

Die Gulf Times aus Qatar kommentiert die Aussage des irakischen Ölministers Hussein Shahristani, der den Befürchtungen, westliche Räuber könnten das Land einkreisen, entgegengehalten habe, die Regierung werde nicht zulassen, dass der Reichtum des Landes ins Ausland verlagert werde. "Er weiß genau, dass es ein politischer Selbstmord wäre, in diesem zersplitterten Land diejenigen mit lukrativen Öl-Verträgen zu belohnen, die für fünf Jahre Verwüstungen verantwortlich sind", vermutet das Blatt. Gleichwohl müsse allen Fraktionen im Land klar sein, dass der künftige Wohlstand von Partnerschaften mit denjenigen abhänge, die am besten und effizientesten Öl erkunden und fördern können.

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