Presseschau von 21.5.2008
Aus Heuschrecken werden lahme Enten

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Nöte der Private Equity-Branche. Die Frankfurter Rundschau meint, die Wüstensonne sei Peer Steinbrück nicht bekommen. Die Herald Tribune feiert die Rückkehr von „Made in Germany“. Der Nouvel Observateur nimmt die 35-Stunden-Woche in Schutz. Fundstück: edel, hilfreich und gut gekleidet – der Neue Britische Gentleman.

Die » Presse aus Österreich zitiert aus einer Studie der Boston Consulting Group (BCG), nach der die latente Angst vor einer Rezession Firmenfusionen und Übernahmen lähme. Allen voran zögen sich die Private Equity-Fonds zurück. Zwar sei die Zahl der Unternehmenskäufe immer noch auf auf jenem Spitzenniveau wie vor dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende – die Volumina seien aber massiv gesunken: Zwischen dem erstem und zweiten Halbjahr 2007 allein um 17,8 Prozent. Vor einem Jahr sei noch mehr als jede vierte Übernahme von Blackstone, Cerberus und Co. ausgegangen, inzwischen habe sich der Anteil der Private-Equity-Übernahmen auf 15 Prozent fast halbiert. „Große Deals scheitern daran, dass die Zinsen für Risikokapital wesentlich höher sind als vor einem Jahr und die Banken weniger Fremdkapital geben“, sucht die Zeitung nach Ursachen. Statt Finanzinvestoren schlügen Industrieunternehmen als strategische Käufer zu, analysiert die Presse. Diese seien liquide und profitabel genug für weitere Übernahmen; die S&P-500-Unternehmen hätten heute um 56 Prozent größere Cash-Reserven als noch im Jahr 2000.

Das US-Magazin » Fortune analysiert das Auf und Ab der Private-Equity-Branche am Beispiel von Providence Equity Partners. Die US-Firma habe im Juni vergangenen Jahres für einen Paukenschlag gesorgt, als sie mit zwei Partnerunternehmen den kanadischen Telekom-Riesen BCE für 51 Milliarden Dollar (inklusive Schulden) übernommen – der größte fremdfinanzierte Firmenkauf der Geschichte – und dabei den Wettbewerber Kohlberg Kravis Roberts ausgestochen habe. Für eine „Siegesparade“ sei es jedoch zu früh gewesen, weil die Kreditmärkte kurz darauf zusammengebrochen seien und PEP aktuell Probleme bei der Finanzierung der BCE-Übernahme habe. Ein Krisenmanagement sei auch beim 2005 übernommenen Filmstudio von Metro-Goldwyn-Mayer gefragt gewesen, das Gewinnziele verfehlt habe. Heute sei Providence Equity Partners auf Platz neun von „Fortune's private-money power list“, noch vor Cerberus und Thomas H. Lee; mit einem 41-Firmen-Portfolio sei PEP außerdem ein großer Player im Mediengeschäft. Je größer das Geschäft, desto höher seien nun die Erwartungen an Firmenchef Jonathan Nelson. „Lass' Dich nicht von seiner freundlichen, leisen Art täuschen. Der Typ fährt Helikopter-Ski in Griechenland und taucht selbst unter seinem Boot, wenn sich die Schiffsschraube im Seetang verfangen hat“, zitiert das Magazin den mit Nelson befreundeten Medienmogul Haim Saban.

Das » Manager Magazin unterhält sich mit Hasso Nauck, Gesellschafter der Bremer Chocolade-Fabriken, über das Image der Private Equity-Branche im Mittelstand. Der Schoko-Fabrikant hält das Credo, Private-Equity-Manager seien immer schlauer als die Unternehmer selber, für „frivol“ – „Geld allein ist nicht intelligent, kennt keine Marketingstrategien und entwickelt schon gar keine Produkte.“ Die Devise „Buy it, strip it, flip it“ („Kaufen, Filetieren und Abstoßen“) lehnt Nauck ab. „Wenn ich eines Tages auf Brautschau gehe, dann suche ich einen langfristigen Partner und keinen One-Night-Stand.“ Wenn sich Private Equity-Manager allerdings wie vernünftige Eigenkapitalgeber verhielten, sich mit dem Unternehmen identifizierten und eine klare Zukunftsperspektive sowie Nachhaltigkeit anstrebten, dann könne er sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen.

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