Presseschau von 22.1.2008: Ende einer wüsten Party

Presseschau von 22.1.2008
Ende einer wüsten Party

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die weltweiten Kurseinbrüche an den Börsen. In der Zeit greift Joschka Fischer die Wirtschaftspolitik von Nicolas Sarkozy an. Les Echos fordert ein neues deutsch-französisches Bündnis für den Euro. Die New York Times sieht Myspace in der Bredouille. Fundstück: Thunfisch im Mundwinkel?

Das » Wall Street Journal sieht in den Kurseinbrüchen an den Börsen weltweit – darunter in Indien um 7,4, in London (FTSE) um 5,5 und Frankreich (CAC-40) um 6,8 Prozent – eine Bestätigung dafür, dass sich die europäischen und asiatischen Wirtschaften doch nicht vom Klima der USA abgekoppelt haben. „Die gestrigen Verkäufe zeigen, dass Europa und Asien auf einem unruhigen Ritt sind, während die US-Wirtschaft versucht, sich wieder einzurenken. Die Händler in diesen Märkten vertrauen dem ,temporären' Stimulus-Paket, über das Washington diskutiert, offenbar genauso wenig wie wir“.

Die » FAZ ist unsicher, ob auf die schweren Kurseinbrüche auch diesmal eine Erholung folgen wird. Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Lage in den Industrienationen spürbar verschlechtere. „Die Finanzmarktkrise, die nach den Banken nun auch die Versicherungen erreicht hat, ist offensichtlich noch lange nicht beendet. Zwar sollten Zusammenbrüche großer Finanzhäuser ausbleiben, die Schwäche vieler Banken könnte in den kommenden Monaten aber eine zurückhaltendere Vergabe von Krediten zur Folge haben. Darunter würde das Wirtschaftswachstum leiden.“ Fazit der Frankfurter: Grund zur Panik an den Aktienmärkten gebe es derzeit zwar nicht, aber leider auch keinen zur Zuversicht.

Auch die » Financial Times Deutschland zeigt sich wenig zuversichtlich. Kurzfristig drohe eine Rezession in den USA sowie ein kräftiger Wachstumseinbruch in einigen Ländern Europas, die ähnliche strukturelle Muster wie die USA aufwiesen – besonders britischen Firmen könnte die Puste ausgehen, falls ihnen die Banken immer stärker den Geldhahn zudrehten. „Wer jahrelang – wie etwa Amerikaner, Engländer oder Spanier – über seine Verhältnisse gelebt hat, kann nach einem Quartal der Entsagung nicht schon wieder auf den Putz hauen. Diesen schmerzlichen Prozess können auch die Notenbanken nicht verhindern, höchstens lindern“, glaubt die FTD.

„Diese Verluste (...) deuten auf einen Markt, auf dem die Angst regiert“, schreibt der » Scotsman. „Sie wird von der wachsenden Einsicht angetrieben, dass eine Rezession in den USA unvermeidbar ist, egal, wie sich die Federal Reserve oder die US-Regierung verhalten. Die Frage ist jetzt, wie tief diese Rezession sein und wie lange sie andauern wird“, blickt die schottische Zeitung voraus.

Noch schockierender als den Sinkflug des niederländischen Börsenindex AEX um 5,7 Prozent findet das » NRC Handelsblad die Tatsache, dass die Börsenkurse am Damrak auf den Stand von vor zehn Jahren gefallen sind. Jetzt, wo sich die Folgen der Kreditkrise in der Börsenkursen widerspiegelten, sei es höchste Zeit, die Prognosen für 2008 anzupassen. Dennoch sieht die Wirtschaftszeitung nicht schwarz: Mit einer zu erwartenden Inflation von drei Prozent in 2008 „scheint die niederländische Wirtschaft auf dem direkten Weg zu einer Überhitzung zu sein“. Die Niederländische Bank sei dabei machtlos: „Die Geldpolitik wird in Frankfurt gemacht, und dort wird speziell niederländischen Problemen nicht Rechnung getragen. So gesehen kann die Wirtschaft wohl eine kühlere Periode gebrauchen“, bilanziert das Blatt.

Aus Sicht der » Süddeutschen Zeitung war mit dem Einbruch der Kurse zu rechnen. „Jeder, der sehen wollte, konnte diese Gefahren sehen; jeder, der halbwegs nüchtern war, hätte in den vergangenen zwei, drei Jahren vorsichtig sein müssen, spätestens aber seit dem vorigen Sommer. Doch die Börse gleicht bisweilen einer wüsten College-Party: Weil jeder säuft, saufen alle mit. Und am Ende sind alle so besoffen, dass die Veranstaltung außer Kontrolle gerät.“ Mit Blick in die Zukunft vermuten die Münchner, dass der Absturz der Finanzmärkte in den nächsten Monaten noch weitergeht. „Doch die Krise und der Crash vom Montag haben auch ihr Gutes. Denn die Zeit der Exzesse, der zügellosen Gier an den Börsen und in den Banken, ist nun erst einmal vorbei.“

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