Presseschau von 22.2.2008
Goldrausch im Land der Schnüffler

Die internationale Wirtschaftspresse widmet sich den Licht- und Schattenseiten der chinesischen Wirtschaft. Fortune schwärmt für die Pepsi-Chefin Indra Nooyi. La Tribune ärgert sich über die Abschaffung der französischen Marke AGF durch die Allianz. Die Zeit analysiert den deutschen Klassenkampf von oben. Fundstück: Schlümpfe für alle.

» Forbes glaubt, dass China mittelfristig zur wichtigsten Auto-Nation der Welt aufsteigen wird. Im vergangenen Jahr habe China 8,8 Millionen Autos verkauft, nach 3 Millionen im Jahr 2002, während 2007 nur die USA mit 16 Millionen Autos mehr Fahrzeuge als China verkauft hätten. „Chinas weltbestes Wirtschaftswachstum bedeutet, dass sehr viel mehr Chinesen sich ein Auto werden leisten können. Nach Ernährung und Gesundheit steht eine bessere Beförderung ganz oben auf der Liste der Konsumenten“, schreibt das Wirtschaftsmagazin.

Im Jahr 2012 werde China rund 17 Millionen Autos produzieren, darunter 16 Millionen für den Binnenmarkt. Große westliche Autobauer wie General Motors, Ford und Chrysler, blickt Forbes voraus, würden in den kommenden Jahren Fabriken in China eröffnen, um ihre Autos von dort aus zu exportieren.



» The Atlantic zeigt minutiös, wie die Zensur des Internet in China funktioniert. Ermöglicht werde die offiziell „Projekt Goldenes Schild“ benannte Kontrolle durch die Tatsache, dass China und der Rest der Welt nur an drei chinesischen Grenzpunkten durch Glasfaser-Kabel verbunden seien. Dadurch seien die Behörden in der Lage, den gesamten Datenverkehr zu kontrollieren; die entsprechende Hardware der elektronischen „Netzwerk-Schnüffler“ stamme ursprünglich von der US-Firma Cisco. Bei der neuesten und am weitesten entwickelten Methode der Netz-Zensur scanne das Überwachungssystem – nachdem der Nutzer eine Seite aufgerufen hat – in Millisekunden-Schnelle dessen Inhalt und vergleiche diesen mit einer Liste verbotener Begriffe. Finde das System anstößiges Material, werde die Verbindung temporär gekappt, erst für Minuten, bei weiteren Aufrufen für Stunden; versuche der Nutzer wiederholt, die Seite zu erreichen, ziehe er die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich – was dadurch ermöglicht werde, dass sich jeder Internetnutzer namentlich identifizieren müsse.

Nach Einschätzung der » Hindustan Times aus Neu-Delhi zeigt China trotz des imposanten Wachstums der Wirtschaft Schwachstellen, die Länder wie Indien ausnutzen müssten. „Vor der Herstellung liegt die Innovation, und die hat es wegen des schwachen Schutz des geistigen Eigentums in China schwer“, analysiert die indische Zeitung. Die gute Kapitalausstattung des Landes – große Ersparnisse bei den Haushalten, hohe Dollar-Reserven sowie riesige Gewinne der staatlichen Unternehmen – dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geld nicht bei den Firmen ankomme, die es am besten einsetzen könnten. Auch der hohe Bestand an Arbeitskräften sei ambivalent. Wegen des hohen Anteils an schlecht ausgebildeten Arbeitern hätten viele Unternehmer „archaische Produktionsmethoden“ gewählt, statt in Technologie und Innovation zu investieren. „Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, nicht aus dem zu lernen, was China gut macht, sondern aus dem, was dort weniger gut läuft“, lautet das Fazit der Zeitung.

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