Presseschau von 22.5.2008
Gefährliches schwarzes Gold

Die internationale Wirtschaftspresse warnt, dass der Anstieg der Ölpreise noch schlimmere Folgen haben könnte als die Krise auf den Kreditmärkten. Die Zeit besucht das Epizentrum der Finanzkrise. In der Welt nimmt Wolfgang Thierse den vor „Monster“ warnenden Bundespräsidenten in Schutz. Die Moscow Times fordert rasche Reformen in Russland. Fundstück: 200 Dollar zum Teufel – 1000 Dollar pro Barrel!

Sechs Monate, nachdem der Ölpreis die Marke von 100 Dollar pro Barrel Öl passierte, notierte das schwarze Gold gestern sogar bei über 133 Dollar je Barrel. Eine Preisjagd ohne Ende? Die » New York Times porträtiert den berühmt gewordenen Öl-Analysten Arjun N. Murti von Goldman Sachs, der sogar einen Öl-Preisanstieg auf 200 Dollar je Barrel voraussagt. Murti habe bereits vor Jahren für Aufsehen gesorgt, als er einen Preis von 100 Dollar pro Barrel in Aussicht gestellt – und Recht behalten – habe. Murti, der selbst zwei Hybrid-Autos besitze, bedauere den Preisanstieg nicht: Dies zwinge die USA dazu, effizienter mit Energie umzugehen. „Am besten wäre, wenn die Welt in 15 Jahren keine Öl-Analysten mehr bräuchte“, erklärt Murti gegenüber der Zeitung. Laut NYT ist der Goldman Sachs-Analyst mit seien Prognosen nicht allein: Der Ölinvestor Boone Pickens rechne mit einem Preis von 150 Dollar noch in diesem Jahr; demgegenüber prognostizierten andere Analysten, dass der Preis bis Dezember auf 70 Dollar je Barrel fallen werde.

» Huffington Post ist enttäuscht über das Treffen von US-Präsident George W. Bush und dem saudischen König Abdullah. Bush habe seinem „Freund“ lediglich eine Erhöhung der Erdöl-Förderung von 300.000 Barrel pro Tag abgeschwatzt – dies sei angesichts der Ölpreisentwicklung und vor dem Hintergrund, dass die aktuelle Förderung laut US-Senator Byron Dorgan 800.000 Barrel unter dem Level von 2006 liege, entschieden zu wenig. „Man muss sich nur einmal den Aufschrei vorstellen, wenn die USA ankündigen würde, eine ,Agopec', ein Kartell der Getreide anbauenden Nationen, zusammen mit Kanada, Brasilien, Australien und Argentinien, zu gründen. (...) Man kann sicher sein, dass dies für Protestgeschrei und viel Entrüstung sorgen würde, besonders zu dem Zeitpunkt, da (...) die Nahrungsmittelprobleme in Entwicklungsländern zunehmen“, schießt das Online-Magazin gegen die Opec.

Die Londoner » Times glaubt, dass der Anstieg der Ölpreise weitaus schlimmere Folgen haben könnte als die Krise auf den Kreditmärkten. „Statt nur eine kurze Rezession auszulösen, droht der Öl- und Rohstoff-Boom eine längere Phase der globalen Stagflation, also die tödliche Kombination aus hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation, auszulösen, unter der die Weltwirtschaft zuletzt in den 1970ern und Anfang der 1980er gelitten hat. Die Folgen des Desasters wären weitaus schlimmer als durch die Wiederinbesitznahme von ein paar Millionen Häusern oder den Kollaps einiger Banken“, kommentiert die Zeitung. Die Rohstoff-Inflation sei aus zwei Gründen gefährlicher als die Finanzkrise: Sie hindere Zentralbanken in entwickelten Ländern daran, die Leitzinsen zu senken, um das Wirtschaftswachstum zu sichern. Andererseits verführe sie die Regierungen von Entwicklungsländern dazu, den globalen Märkten den Rücken zu kehren, die Preise zu kontrollieren, Handel zu beschränken und Währungen zu manipulieren, um die Bürger vor den Preissteigerungen bei Energie und Nahrungsmitteln zu schützen.“

» L'Expansion aus Frankreich erörtert die mittelfristigen Folgen der Preis-Hausse. Zwar könne der Preisschock möglicherweise von der Weltwirtschaft ohne größere Schäden absorbiert werden. Gleichwohl treffe der Anstieg die westlichen Wirtschaften, die ohnehin durch die Finanzkrise geschwächt seien; betroffen seien außerdem die sich verschärfenden Kredit-Konditionen (besonders in den USA), der kriselnde Immobilienmarkt (ebenfalls besonders in den USA) sowie die Kauflust der Konsumenten, deren Perspektiven auf Lohnerhöhungen düster seien.

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