Presseschau von 23.1.2008: Panik, Gier und Anmaßung

Presseschau von 23.1.2008
Panik, Gier und Anmaßung

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die überraschende Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed. Wo waren Investoren wie Warren Buffett bei der Rettung der US-Banken, fragt die New York Times. Time sieht in der Solarenergie das Öl der Zukunft. Für die Londoner Times ist Gordon Brown am Ende. Fundstück: Moderator lässt die Hosen runter.

Der Wiener » Standard applaudiert der Leitzinssenkung durch die US-Notenbanker um Ben Bernanke: Mit ihrer überraschenden Zinssenkung hätten sie „bewiesen, wie flexibel und rasch Wirtschaftspolitik funktionieren kann. Noch bevor der Tag an der Wall Street eingeläutet war, entschlossen sich die US-Notenbanker in einer Blitzaktion dafür, den größten Schritt seit 23 Jahren zu setzen und die Leitzinsen um einen Dreiviertel-Prozentpunkt zu kürzen. Solch Entschlossenheit wäre den – je nach Sichtweise besonnenen oder betulichen – Direktoren der Europäischen Zentralbank auch manchmal zu wünschen“, schreibt die österreichische Zeitung.

Der » Economist ist verwundert über den Zeitpunkt der Leitzinssenkung. „Es braucht mehr als den Anflug einer Panik, wenn man die Zinsen weniger als eine Woche vor dem nächsten regulären Treffen des Fed-Gremiums senkt“, begründet das britische Blatt. Der Verweis der Fed auf die aktuellen besorgniserregenden Statistiken zum Immobilien- und Arbeitsmarkt sei ebenso verwunderlich, da die Wirtschaftsnachrichten in den vergangenen Tagen nicht schlechter geworden seien. Schließlich sorge auch das Ausmaß der Leitzinssenkung eher für Unruhe als für Ruhe.

Die Fed hat getan, was sie tun musste, kommentiert demgegenüber » Expansión aus Spanien die Zinssenkung der US-Notenbank. Diesen Schritt hätte sie jedoch schon viel früher tun sollen. Die Krise auf den Märkten habe inzwischen solch ein großes Ausmaß, dass eine Entscheidung der Fed allein nicht ausreiche. Nötig sei jetzt eine bessere internationale Koordination der Geldpolitik durch die wichtigsten Zentralbanken – die Zentralbank Kanadas habe den Zins um 25 Prozentpunkte gesenkt; die Bank of Japan habe indes wegen des niedrigen Leitzins-Niveaus von 0,5 Prozent eine Zinssenkung abgelehnt, während die Europäische Zentralbank vorwiegend vor Inflationsrisiken warne. Das Hauptziel einer gemeinsamen Geldpolitik, moniert das spanische Blatt, sollte sein, Kredite für die Realwirtschaft bereitzustellen – aber nicht nur für die nordamerikanische.

Der » Toronto Star gewinnt der Börsenkrise etwas Positives ab: „Und zwar die Einsicht, dass sich Märkte eben nicht selbst regulieren, dass Regierungen sie nicht sich selbst überlassen sollten, weil das Ergebnis dann ein Jahrhundertkrach sein kann, und vor allem, dass die Opfer dann nicht diejenigen sind, die diesen ganzen Wahnsinn verursacht haben, sondern normale Menschen, die ihren Lebensweg still und unspektakulär bestreiten.“ Denn sollte die Rezession in den USA eintreten, so das Blatt, wären nicht Regierungen daran schuld, sondern die cleveren und hoch bezahlten Jongleure an den Finanzmärkten. „Die Krise ist das Ergebnis eines Cocktails aus Gier und Anmaßung“, kommentiert das Blatt.

Der » Nouvel Observateur vergleicht George W. Bushs Versuch, eine Rezession in den USA zu verhindern, mit dem missglückten Versuch Nicolas Sarkozys, die Kaufkraft der Franzosen zu stärken. „Bush glaubt, mit seinen Steuersenkungen bis zu 500.000 neue Jobs schaffen zu können. Doch die amerikanische Wirtschaft befindet sich bereits auf Talfahrt, ein ‚klassischer' Plan zur Belebung des Konsums greift da nicht mehr, es muss eine Lösung her, die das Risiko eines Dominoeffekts minimiert“, meint das Magazin. Wie in Frankreich werde sich in den USA zeigen, dass Steuersenkungen kaum positive Wirkungen auf die Konjunktur haben und schon gar nicht einen Anreiz zum Mehrkonsum böten. Obendrein leerten sie die Staatskassen und machten die Regierung handlungsunfähig – eine Tatsache, die Sarkozy nach seinen vollmundigen Kaufkraftversprechungen habe einräumen müssen.

Zuversichtlich zeigt sich » The Australian mit Blick auf die Börsenturbulenzen: „Alle Krisen verwandeln sich in Aufschwung – schlussendlich“, versichert das Blatt und empfiehlt zwei Strategien, um mit der aktuellen Börsentalfahrt umzugehen: „Die eine ist: ausharren und warten, dass die Kurse sich erholen. Das tun sie immer.“ Die Alternative für Mutige sei, vorsichtig auf den Markt zurückzukehren und zu kaufen, denn außer der Grundstimmung habe sich auf dem globalen Aktienmarkt nicht viel verändert. Die Frage sei nicht ob, sondern wann der Markt sich erhole. Die Opfer einer Aktienmarktkorrektur seien zweifelsohne diejenigen, die jetzt zum Ausgang eilten und ihre Wertpapiere zu Schleuderpreisen verkauften.

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