Presseschau von 23.4.2008
New Deal gegen den Tsunami

Die internationale Wirtschaftspresse sucht Lösungen für die Nahrungsmittelkrise. Das Wall Street Journal sieht in Hillary Clinton den Terminator, der nicht zu stoppen sei. Le Figaro glaubt nicht, dass Chinas Frankreich-Boykott die Grande Nation trifft. Düstere Zeiten für den asiatischen Immobilienmarkt befürchtet die Seoul Times. Fundstück: Esst Porridge, Fettsäcke!

In der » Financial Times Deutschland kommentiert Dominique Strauss-Kahn, geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds, die hohen Lebensmittelpreise. Diese seienein ernstes humanitäres Problem und eine „Quelle makroökonomischer Instabilität“, die sich fast überall auf der Welt auf Staatshaushalte, Handelsbilanzen und auch auf die Einkommen auswirke. „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, gerät die Welt in eine Abwärtsspirale aus Handelsbeschränkungen, höheren Verbrauchsgüterpreisen und Hungersnöten. Das Welternährungsprogramm der Uno benötigt dringend zusätzliche Geldmittel“, fordert der Franzose. Überdies sei ein umfassenderer Ansatz gefordert – die gesamte Agrarpolitik müsse sich ändern. Der „New Deal“ für eine globale Ernährungspolitik der Weltbank – gemeint sind staatsinterventionistische Methoden, ähnlich wie jene von US-Präsident Franklin Roosevelt im Kampf gegen die große Wirtschaftsdepression – sei ein „großer Schritt“ in die richtige Richtung.

» Le Monde aus Frankreich untersucht den Imagewandel der Landwirtschaft. Noch im 20. Jahrhundert seien Bauern verachtet worden – weshalb es kein Zufall gewesen sei, dass Nicolas Sarkozy ausgerechnet beim Salon de l'agriculture einem Kritiker ein „Dann verpiss dich, du Arsch!“ zugerufen habe. Neuerdings habe die Landwirtschaft jedoch in den Augen der Öffentlichkeit wieder eine Zukunft – in ihrer Funktion, das rasche Bevölkerungswachstum weltweit aufzufangen. Allmählich interessierten sich auch Investoren für den Sektor: Crédit agricole wolle ein internationales Forum zur Finanzierung des landwirtschaftlichen Sektors aufbauen. Nach Einschätzung der Zeitung müssten jetzt die südlichen Länder dafür sorgen, dass ihre Bauern wettbewerbsfähiger werden, während die nördlichen Nationen ihre Zoll-Barrieren abbauen müssten, die die derzeitige Katastrophe mitverursacht hätten.

Die » Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht nicht nur im Anbau von Bioethanol allein den Grund für die aktuelle Hungerkrise. Die große Nachfrage aus den asiatischen Aufsteigerländern, die „unverantwortliche Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern“ sowie die „skandalöse Subventionierung ,atlantischer' Agrarexporte“ seien weitere Ursachen. Um die globale Bedrohung abzuwenden, „bedarf es jetzt beherzter Nothilfe und ganz gewiss keiner Marktabschottung. Und es bedarf der Einsicht, dass in einer Welt, deren Teile immer enger miteinander verflochten sind, (politisch gewollte) Veränderungen hier große Wirkungen andernorts haben können.“

» El País aus Spanien fordert in der aktuellen Lebensmittelkrise mehr internationale Hilfe für die Armen. UNO, FAO und Weltbank forderten unmittelbare Hilfsmaßnahmen auf Grund der gestiegenen Lebensmittelpreise. Aber die Maßnahmen, die die USA und die europäischen Länder bisher angekündigt hätten, seien nicht ausreichend. Die Bush-Regierung wolle 200 Millionen Dollar Nahrungshilfe zur Verfügung stellen – das sei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, findet das Blatt. Aber auch wenn die Länder der Welt so kurzfristig die Ursachen der Teuerung nicht bekämpfen könnten, müssten sie zumindest alle Anstrengung unternehmen, die Effekte abzumildern.

Seite 1:

New Deal gegen den Tsunami

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%