Presseschau von 24.7.2008
Wo ist der Wachhund?

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert Contis Ablehnung des Übernahmeangebots von Schaeffler und vermisst schlagkräftige Regulatoren. Das Jornal de Negócios beschreibt den Niedergang der größten Privatbank Portugals. Die Nesawissimaja Gazeta rechnet mit einem neuen Handelskonflikt Russland-EU. Fundstück: Karma und Carlamania.
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Continental hat das Übernahmeangebot von Schaeffler abgelehnt. Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung ist der Kampf damit allerdings nicht beendet, im Gegenteil: Conti könne die Übernahme nicht mehr verhindern. "Für Wennemer mag es bitter sein, dass er bei Continental demnächst auf einen Großaktionär hören muss. Vielleicht wird er bald frustriert seinen Job hinwerfen, weil er nicht mehr alleiniger Herr im Hause ist. Andere wären aber froh, wenn sie eine Familie als Großaktionär hätten", schreiben die Münchner. So etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche, der ebenfalls mit einer feindlichen Übernahme rechnen müsse und sicherlich wenig Lust habe, von einem russischen Oligarchen oder einem chinesischen Staatsfonds aufgekauft zu werden. "Zetsche wäre wahrscheinlich froh, wenn er eine Familie im Aktionärskreis hätte wie die Quandt-Sippe, die den Konkurrenten BMW vor feindlichen Übernahmen schützt."

Die Welt begrüßt den Beschluss des Conti-Aufsichtsrats, die Tür zu Schaeffler nicht gänzlich zuzuschlagen, sondern eine höhere Prämie auszuhandeln oder dafür zu sorgen, dass sich der Wälzlagerhersteller mit weniger Anteilen zufrieden gibt. Einerseits hätten sich sowohl die deutschen Automobilhersteller als auch die Politik und selbst die Gewerkschaften positiv oder zumindest gelassen zur möglichen Übernahme geäußert. "Wichtiger aber noch ist, dass Conti in diesem turbulenten Börsenumfeld einen stabilen Aktionär braucht. Denn mittelfristig sind die Wachstumsperspektiven zwar gut, aber kurzfristig könnte die aktuelle Schwäche auf dem Automarkt, die erst 2009 ihren Höhepunkt erreichen wird, dem Aktienkurs Contis zusetzen."

Das Wall Street Journal fragt, warum Deutschland nicht solche geheimen Übernahmen wie im Fall von Conti unterbindet. Einerseits fehle ein "schlagkräftiger, prinzipientreuer Wachhund" - es gebe nur den "schwerfälligen, Allzweck-Regulator" Bafin. Hinzu komme, dass ähnliche Übernahmen in Deutschland bislang selten gewesen seien. "Aber heimliche Übernahmen wie diese werden häufiger werden", glaubt das US-Blatt. Um sie zu beschränken, müssten deutsche Regulatoren vor allem "Ein-Schuss-Angebote" ändern: Investoren, deren Aktienanteil die 30-Prozent-Marke überschreite, müssten zwar ein Angebot zum Kauf des gesamten Unternehmens vorlegen, könnten ihren Anteil danach jedoch erhöhen, ohne jemals ein weiteres Angebot vorzulegen - in Großbritannien ziehe jede Aufstockung zwischen 30 und 50 Prozent ein neues Übernahmeangebot nach sich. Auch die Sicherung von Anteilen über Derivate-Geschäfte, die nicht veröffentlicht werden müssen, solle auf den Prüfstand.

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