Presseschau von 26.2.2008
Das große Nachbeben

Nach den Erderschütterungen kommentiert die Wirtschaftspresse das mögliche Aus der Kohleförderung im Saarland. Die New York Times stellt sich im Streit um die Jagd auf Steuersünder in Liechtenstein auf die Seite Deutschlands. Les Echos begrüßt das neue Selbstbewusstsein von Société Générale-Chef Daniel Bouton. Fundstück: Von Subprime bis Paris in sieben Minuten.

Die » Frankfurter Rundschau befürchtet „dramatische Folgen“ durch den möglichen Ausstieg aus der Kohleförderung im Saarland. „Das kleine Bundesland ist auf eine solche Zäsur in keiner Weise vorbereitet. Ein Plan für den Tag X existiert nicht.“ Die Stromproduktion werde man sicher durch eine anderweitige Versorgung gewährleisten können. „Ganz anders sieht es hingegen bei den Kumpel aus: 3600 hat die RAG zunächst nach Hause geschickt, was vorerst mit der Verrechnung von Überstunden möglich ist. In einigen Tagen werden die Arbeiter aber wohl in der Kurzarbeit landen. Die Gretchenfrage aber lautet: Wo sollen mindestens 5000 Jobs herkommen, und dies bei einer Erwerbslosenzahl von 40.000 im Saarland?“, fragt die Frankfurter Rundschau.

Der » Tagesspiegel fordert, dass es einen „Abbau auf Kosten der Menschen“ nicht geben dürfe. Angesichts der Vorgeschichte – alleine 35 Beben hätten die Saarländer in diesem Jahr bereits erlebt – verwundere es, dass der RAG-Unternehmenschef nun „völlig überrascht“ sei. Zur Freistellung von 3600 Bergleuten schreiben die Berliner: „Ist das Verantwortung eines Konzerns, der mit diesen Menschen sein Geld verdient? Er individualisiert das Risiko? Die RAG ist ein großer Betrieb mit langer Bergbauerfahrung, sie sollte sich jetzt nicht mit einem weiteren großen Beben von ihren verunsicherten Mitarbeitern verabschieden.“

Der » Saarländische Rundfunk schreibt, dass die Zeit des Taktierens nach dem Beben vom Wochenende vorbei sei – in Saarwellingen seien Menschenleben gefährdet worden. Wer jetzt noch mit Begriffen wie „zukunftsfähiger Sockelbergbau im Saarland“ oder „produktivstes Bergwerk der DSK“ (steht für Deutsche Steinkohle AG) schwadroniere, sei entweder ein „menschenverachtender“ Zyniker oder habe nichts begriffen. Das Gutachten, warum es zu diesem schweren Erdstoß gekommen sei, könne sich die RAG schenken. „Alles hatte nur ein Ziel: verschleiern, beruhigen, Zeit gewinnen. Doch die Zeit ist abgelaufen.“ Jetzt sei eine Beschäftigungsgesellschaft wie in der Stahlkrise in den 80er Jahren vielleicht ein „Rettungsanker“: „Eine Beschäftigungsgesellschaft, die zunächst die DSK-Beschäftigten an andere Unternehmen ausleiht, bis sie entweder übernommen werden oder in den vorgezogenen Ruhestand wechseln können.“

Die » Westdeutsche Allgemeine Zeitung aus Essen glaubt, dass das Beben im saarländischen Ensdorf nicht ohne Folgen auf die Debatte über die Schließungstermine der Zechen im Ruhrgebiet bleiben werde. Der Plan zur Schließung der Zeche Ensdorf Ende 2014 lasse sich jetzt nicht mehr halten, „was wiederum Einfluss auf das Auslaufen der Bergwerke West in Kamp-Lintfort und Ost in Hamm haben könnte“ – die Zechen sollten Ende 2012 und Ende 2009 schließen. „Die RAG muss jetzt die Unsicherheiten von Bergleuten, Bergbau-Betroffenen und den Stadtentwicklern nehmen und öffentlich machen, wie sie sich die Umsetzung des Auslaufbeschlusses bis 2018 vorstellt“, kommentiert die WAZ.

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