Presseschau von 28.2.2008
Gier frißt Jobs auf

Die internationale Wirtschaftspresse kritisiert die Pläne zum Stellenabbau bei BMW, Henkel & Co. Der Focus polemisiert gegen die „Maulhelden der Steuerfahndung“. Die Neue Zürcher Zeitung schießt gegen den UBS-Verwaltungsrat. Die Londoner Times warnt davor, sich vom Tanz des russischen Bären blenden zu lassen. Fundstück: Berliner statt Antidepressiva.

Der » Tagesspiegel vergleicht die Firmen, die in jüngster Zeit einen massiven Stellenabbau angekündigt haben: BMW (7500 Stellen in Deutschland), Henkel (600), Siemens (2000), Continental (2000), Airbus (3000) und Nokia (2300). „Das Auffällige ist: In keinem dieser Unternehmen kann von einer echten Krise die Rede sein, die einen schmerzhaften Umbau erforderte. Vielmehr geht es um eine noch höhere Rendite, die die Manager als Getriebene der Finanzmärkte erwirtschaften müssen“, analysiert das Blatt. Fazit: Die Arbeitnehmer müssten lernen, dass es immer weniger Sicherheit für sie gebe – selbst ein Rekordgewinn sei keine Jobgarantie mehr.

Aus Sicht der » Zeit schaffen es die „hoch mögenden Strategen“ in Vorstand und Personalabteilungen der Konzerne nicht, auf Dauer ihren Personalbedarf ohne große Brüche zu steuern. „Sie schaffen es nicht für die ,Opfer' ihrer Rationalisierungsanstrengungen rechtzeitig alternative Beschäftigung aufzubauen. Letztlich ein Armutszeugnis für diese hoch bezahlte Managerkaste.“ So müssten die Beschäftigten regelmäßig für das Missmanagement oder die Einfallslosigkeit ihrer Manager büßen. „Nur gut, dass es auch eine Gegenbewegung gibt in Deutschland. Die mittelständischen Unternehmen, etwa der Maschinenbau, schufen zuletzt mehr Stellen als die Konzerne abbauten. Dort wird im Management nicht so viel verdient, dafür aber sind die Verantwortlichen oft näher dran an ,ihren' Leuten“, vergleicht die Zeit.

Arbeitsplätze zu kappen, das sei immer die einfachste Lösung, schreibt die » Frankfurter Rundschau. „Belegschaften verkleinern – das entspricht einer Denkungsart, deren intellektuelle Reichweite bis zum Ende des nächsten Quartals reicht und dabei nur auf die Rendite schielt.“ Dabei habe Siemens gezeigt, wo dies hinführen könne. „Vor lauter Kostendrücken haben die Manager der Telefonanlagensparte vergessen, an das zu denken, was übermorgen passiert. Know-how und qualifizierte Leute gingen verloren. So setzte eine Spirale ein, die sich immer schneller drehte – bis das Siemens-Geschäftsfeld seine Innovationsfähigkeit einbüßte und unweigerlich in den Ruin schlitterte.“ Die Lehre der Frankfurter: Deutschland brauche mehr Manager, die sich der Gier des Kapitalmarkts widersetzten.

Die » Süddeutsche Zeitung führt den Stellenabbau bei BMW darauf zurück, dass der Konzern seine Autos in verschiedenen Währungsräumen baut und verkauft – etwa ein Fünftel der Autos setze BMW in den USA ab, in denen die Dollar-Schwäche jetzt die Gewinne schrumpfen lasse. Neben der „Dauerschwäche“ der US-Währung habe die Industriellenfamilie Quandt als Großaktionär keine Lust mehr, mit anzusehen, wie BMW immer mehr Autos bauen müsse, „nur um wieder den – freilich hohen – Gewinn des Vorjahres zu schaffen. Lieber ein paar Autos weniger herstellen und dafür an denen kräftiger verdienen, lautet nun die Abkehr von der Philosophie des kräftigen Wachstums.“ Dies sei ein „Kulturschock in einer bislang so heilen Welt“.

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