Presseschau von 30.1.2008
Endzeitstimmung in Paris

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die Folgen des Milliardenbetrugs für die französische Société Générale. Les Echos hält ein Plädoyer für die Normierungswut Europas. China Daily kritisiert die US-Machtansprüche auf den Finanzmärkten. Das Wall Street Journal sieht Yahoo als Beute von Private-Equity-Wölfen. Fundstück: Kerviel for Nobelpreisträger.

Für das » Wall Street Journal ist Jean-Pierre Mustier Dreh- und Angelpunkt der Krisenbewältigung bei der Société Générale. Der Chef der Investmentbanking-Sparte müsse sich einerseits dafür verantworten, dass der Derivatehändler Jerome Kerviel Milliarden im Alleingang versenken konnte; andererseits müsse Mustier dafür sorgen, dass die Motivation der Kollegen nicht darunter leidet, falls Bonus-Zahlungen gestrichen und etliche Mitarbeiter gefeuert würden. Von Mustiers Zukunft hänge auch das Schicksal der Bank ab, denn sollte der Investmentbanker in Folge des Betrugsskandals entlassen werden, würde dies ein Machtvakuum hinterlassen – Mustier sei bislang als künftiger Kandidat für den Chefposten der Bank gehandelt worden.

Die » International Herald Tribune stellt die Frage, welchen seiner Kollegen Kerviel mit sich reißen werde. Kerviels unmittelbaren Vorgesetzten würden möglicherweise ihre Posten verlieren – andererseits fänden Banker, die ihrem Institut normalerweise viel Geld einbringen, dann aber wegen administrativer Hürden zu Fall kommen, schnell neue Posten. In der Führungsetage herrsche noch Ruhe. Sollte Société Générale jedoch von einer anderen Bank übernommen werden, würden die Bosse mit Sicherheit ausgetauscht, versichert das Blatt.

Die » FAZ spürt, dass sich eine Stimmung des „fin de règne“, des auf sein Ende zugehenden Regimes, um die Société Générale breit macht. Die französische Regierung habe gerade wieder ihrem protektionistischen Reflex nachgegeben und versprochen, das Institut vor einer unerwünschten Übernahme zu schützen. „Das richtet sich vor allem gegen ausländische Banken und ist daher bedauerlich, denn der europäischen Bankenbranche könnte eine stärkere grenzüberschreitende Konsolidierung guttun. Doch in Zeiten, in denen sich selbst die Bundesregierung aussuchen will, welche Aufkäufer ihr genehm sind und welche nicht, ist die Blockadehaltung der Franzosen kaum weiter überraschend.“

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