Presseschau von 4.2.2008
Microsofts konfuser Bauchladen

Die internationale Wirtschaftspresse sieht Yahoo bei einer Allianz mit Microsoft als Verlierer. Für die Herald Tribune ist Siemens Industrie-Gigant und flinker Börsen-Star. In der NZZ erklärt Carlos Ghosn, dass Russland bis 2010 zum wichtigsten europäischen Automarkt aufsteige. Fundstück: Nach Kurve bitte Motor neu installieren.

Die » FAZ meldet Zweifel an der geplanten Allianz von Microsoft und Yahoo an: Microsoft habe sich an Google die Zähne ausgebissen; mit seinem „konfusen Bauchladen“ an Internetdiensten wie MSN, Live oder Hotmail stehe Microsoft auf verlorenem Posten. Yahoo tue sich demgegenüber schwer damit, seine Popularität in Umsätze umzumünzen und sei heute ein wachstumsschwaches Unternehmen. Vor diesem Hintergrund wäre Microsoft plus Yahoo die „Kombination zweier schwacher Partner“ im Internetmarkt. „Warum sollte sich Yahoo unter der Führung eines Unternehmens besser entwickeln, das selbst im Internet nicht vorankommt? Nicht zu unterschätzen sind auch die absehbaren Schwierigkeiten der Integration. Nach dem Zusammenschluss des Internetdienstes AOL und des Medienkonzerns Time Warner zu Beginn des Jahrzehnts brachen regelrechte Kulturkämpfe aus, die den kombinierten Konzern lähmten.“

„Microsoft muss das G-Wort gar nicht benutzen, es ist klar, worum es geht: größer sein als Google“, avisiert das NRC Handelsblad aus den Niederlanden das Ziel hinter dem Übernahmegebot. Die bisherigen Versuche Microsofts, seine Internet-Position unter dem Markennamen MSN auszubreiten, seien „von mäßigem Erfolg gekrönt, trotz ansehnlicher Investitionen“. Das Gebot für Yahoo komme daher nicht überraschend, urteilt die Zeitung.

Sollte der Deal zwischen Yahoo und Microsoft zustandekommen, blickt » BusinessWeek voraus, würde das Unternehmen, das dem „verschwommenen und wilden Internet ein freundliches Gesicht verliehen“ habe, auf wenig mehr als „eine Marke im Darm“ des „Technologie-Titanen“ reduziert. Alternativ könnte Yahoo eine „Giftpille schlucken“ und eine Allianz mit Google anstreben, bei der der Rivale das Suchmaschinen- und Anzeigengeschäft von Yahoo mitbetreiben würde. Oder aber Yahoo könnte sich auf die Suche nach einer Private-Equity-Firma machen – jedoch sei es wegen der gegenwärtigen Kreditklemme schwierig, eine solche Summe aufzubringen. Da die Aktionäre von Yahoo ungeduldig seien, liege die beste Strategie darin, Microsoft einen höheren Kaufpreis abzuverlangen – indem man einer Kabelfernseh-Firma wie Comcast oder einem Medienkonzern wie News Corp. den Hof macht.

Ein neues Angebot von Microsoft für Yahoo sei nur eine Frage der Zeit gewesen, findet » Expansión aus Spanien. Das EU-Gericht habe über das Bußgeld für Microsoft entschieden, die Aktien von Yahoo seien nach Bekanntgabe der jüngsten Gewinneinbrüche gesunken – nach einem Jahr Bedenkzeit gehe Microsoft jetzt wieder zum Angriff über. Das Angebot sei allerdings ein hoher „Wetteinsatz“ für eine von Microsofts „klapprigsten“ Sparten, meint das Blatt.

» 20 Minutes aus Frankreich hat mit einem Internet-Experten über den möglichen Microsoft-Yahoo-Deal gesprochen. „Das Angebot kam nicht überraschend, Yahoo ist angeschlagen und hat es nie geschafft, Google ernsthaft Konkurrenz zu machen“, führt dieser an. Eigentlich verfolgten Yahoo und Google zwei vollkommen unterschiedliche Visionen, wobei Yahoo stets das innovativere der beiden Portale gewesen sei. „Doch es ist die Idee von Google, die heute funktioniert.“ Microsoft könne mit Yahoo seinen eigenen, fehlgeschlagenen Versuch, eine Suchmaschine zu etablieren, wettmachen. Dass Yahoo Microsoft einen Korb geben könnte, sei unwahrscheinlich: „Sie bieten mehr als 60 Prozent des aktuellen Börsenwertes, ich glaube nicht, dass Yahoo ein solches Angebot zurückweist.“

Die » Zeit vermutet, die Übernahme Yahoos könne eines Tages als „Fanal des Abstiegs“ in die Geschichte des Software-Konzerns eingehen – oder aber als wichtiger Schritt, mit dem der Wettbewerb in einer Branche erhalten worden sei, die wie kaum eine andere zu monopolistischen Strukturen neige. Gewagt sei der Angriff auf Yahoo für Microsoft so oder so. Die Außenseiterrolle, die Microsoft im Internet gegenüber Google eingenommen und wieder sympathischer gemacht habe, sei mit einem Schlag erledigt. „Zugleich wirkt der Vorstoß wie eine Verzweiflungstat, ein Eingeständnis: Wir können uns nicht alleine gegen Google behaupten. Das gab es bei dem lange Zeit übermächtigen Konzern noch nie.“ Für die Kunden habe die Übernahme allerdings positive Folgen: Sie konsolidiere eine Branche, belebe aber gleichzeitig den Wettbewerb.

Seite 1:

Microsofts konfuser Bauchladen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%