Presseschau von 4.3.2008
„Triumph der Eitelkeit“

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Übernahme von VW durch Porsche und wirft einen kritischen Blick zurück auf die Präsidenten-Wahl in Russland. Fortune kürt Apple zur meistbewunderten US-Firma 2008. Die Japan Times definiert den Kapitalismus um. Fundstück: Roboter retten Japan.

Die » Süddeutsche Zeitung kommentiert, dass der Mann, der angeblich ein innigeres Verhältnis zu Kurbelwellen pflege als zu manchen Menschen, mit der Allianz von VW und Porsche seinem ganz großen Ziel zwei Schritte näher gekommen sei: „Einem weltweiten Autokonzern sozusagen als Vollsortimenter mit allem im Angebot, was mindestens vier Räder und einen Motor hat. Das reicht dann vom Kleinwagen für Schwellenländer bis hin zum Schwerlastwagen.“ Zwar sei viel Kritisches über Piëch geschrieben worden – zum Beispiel, weil er Manager feuere, wenn er sie nicht mehr brauche. „Bei allen Vorbehalten, die es zu Recht geben mag: Der Mann steht bald für 400.000 Arbeitsplätze. Das müssen ihm die Stifter von Liechtenstein erst einmal nachmachen.“

Die Londoner » Times sieht in der Allianz von Porsche und VW den „Triumph der Eitelkeit gegenüber der Effizienz“. Dies sei eine Transaktion, die wenig mit Kosten oder Autos zu tun habe, in erster Linie jedoch vom Porsche Spross Piëch forciert worden sei. Jetzt sei die Frage, was Piëch tun werde, um Toyota herauszufordern. „Wird es ihm gelingen, die drei idiosynkratischen Firmen in eine langweilige, dafür effiziente Konsumprodukt-Maschine wie Toyota zu verwandeln (...), oder wird dies nur ein weiteres Projekt der Eitelkeit in der langen Tradition von Motorenträumen?“

Aus Sicht der » Neuen Zürcher Zeitung sind „Aufstieg, Mut, Selbstbewusstsein und der strategische Weitblick der Familien Porsche und Piëch“ atemberaubend. Dennoch sei der Leistungsausweis des Patriarchen Ferdinand Piëch zweifelhaft. „Erst das jahrelange Missmanagement unter Piëch, das VW an den Rand des Abgrunds trieb, hatte den billigen Einstieg von Porsche im September 2005 ermöglicht.“ So ruhe alle Hoffnung auf Star-Manager Wendelin Wiedeking, der schon einmal Porsche vor dem Ruin gerettet habe, dem sich nun aber große Hindernisse in den Weg stellten. „Die IG Metall, die Betriebsräte, die SPD und das Land Niedersachsen tun alles, dass aus Volkswagen weiterhin kein normales Unternehmen werde. Und die Zusammenführung der sehr ähnlichen Konkurrenten Scania und MAN wird nur gelingen, wenn erhebliche Überschneidungen und gemeinsame Schwächen beseitigt werden.“

» Forbes glaubt nicht, dass Piëch die Lkw-Sparte nach der Allianz von VW und Scania abtrennen wolle. Die Lkw-Industrie sei derzeit im Aufwind und profitiere von der starken Nachfrage in Osteuropa und weiteren Schwellenländern. „Was Piëch wirklich will, ist die volle, ungetrübte Kontrolle von Volkswagen durch Porsche selbst.“ Dies klinge zwar seltsam, weil Piëch bereits der VW-Aufsichtsratsvorsitzende sei, er folge jedoch psychologischen Motiven: Er komme aus der Familie, die Porsche und VW gegründet habe, und habe sein ganzes Leben daran gearbeitet, beide Unternehmen wieder zusammenzuführen.

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