Presseschau von 5.2.2008
Krake gegen Krake

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt weiterhin gebannt das Ringen um Yahoo und untersucht besonders die Rivalität von Google und Microsoft. Les Echos feiert Karl Marx. Die Herald Tribune regt sich über die Rezessions-Reporter auf. BusinessWeek kürt die 50 einflussreichsten Headhunter der Welt. Fundstück: in der Subprime-Bütt.

Das » Wall Street Journal untersucht die Rolle von Google im Machtkampf um Yahoo. Die „Paranoia“ sei dadurch bedingt, dass CEO Eric Schmidt Microsoft bereits zwei Mal in der Vergangenheit bekämpft habe, bei Sun und Novell – und in beiden Fällen unterlegen gewesen sei. „Bei Google hat er letztlich triumphiert, weil er Microsoft dazu gezwungen hat, nach seiner Strategie zu spielen. Jetzt versucht Microsoft, die Regeln zu ändern. Das macht Dich schlaflos und nervös“, analysiert das Blatt. Gleichwohl sei die Sorge von Google unbegründet: Die große Zeit von Microsoft sei vorbei. „Die Firma ist groß und reich, aber zahnlos.“ Zwar könne das Unternehmen weiterhin auf der Consumer Electronics Show einen tollen Auftritt hinlegen oder die eine oder andere große Firma kaufen – es habe aber nicht mehr das „Feuer der Ambition“; der Großteil des Erfolgs basiere auf zwei Produkten: Windows und Office. „Das meiste andere sind Strohfeuer.“

Nachdem Googles Chef-Jurist David Drummond in einem Firmen-Weblog vor einer Fusion von Yahoo und Microsoft gewarnt hat – diese werfe „beunruhigende Fragen“ etwa zur Offenheit des Internets auf –, schreibt die » Zeit: „Da ist es also wieder, das alte Feindbild Microsoft. Geschickt bediente Googles Jurist das Klischee der Krake, die sich die Ideen anderer einverleibt, um sie massentauglich zu machen, dann in alle seine Programme zu platzieren und damit schließlich unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.“ Dabei tue Microsoft nur das, was Google im Gegenzug schon häufig vorexerziert habe: Der Konzern breche in Geschäftsfelder ein, die der Konkurrent mit seinen Kernkompetenzen dominiere.

Die » New York Times macht sich Gedanken, wie Google eine Übernahme von Yahoo durch Microsoft torpedieren könnte. Wegen kartellrechtlicher Bedenken komme Google selbst als Käufer nicht in Frage. Am wahrscheinlichsten sei stattdessen, dass Google viel Geld für das Recht ausgibt, Werbung auf den Suchergebnis-Seiten von Yahoo zu verkaufen – „dann wäre viel Geld im Topf, um das Gebot einer Private-Equity-Firma oder eines Medienunternehmens zu finanzieren“, mutmaßt die Zeitung. Alternativ könnte Yahoo den Deal mit Google akzeptieren, um unabhängig zu bleiben; dann flösse ein Teil der Einnahmen an die Aktionäre, möglicherweise als spezielle Dividende.

Die » Süddeutsche Zeitung sieht im Ausverkauf von Yahoo die Bestätigung dafür, wie schnelllebig dieser Markt ist. „Es ist ein Schlachtfeld der verlorenen Träume – und dazu könnten eines Tages manche Hoffnungen auf wunderbare Werbemillionen gehören“. Im Web 2.0 wehrten sich Nutzer von Social Communities heftig dagegen, dass die Betreiber ihre Profile gegenüber der Werbung vermarkten. „Die Nutzer von Sites wie Facebook sind nun mal an Kommunikation mit Gleichgesinnten interessiert, nicht an Marketingkommunikation. Das ist, als ob ein Direktmarketing-Spezialist bunte Broschüren liefert und auf vielen Briefkästen steht: Keine Reklame!“ Dies sei wiederum der Beleg dafür, dass die Weisheiten von gestern heute wenig gelten.

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