Presseschau von 7.3.2008
Ungezügelte Gier aufs schwarze Gold

Nachdem der Ölpreis mit 105 Dollar je Barrel eine neue Rekordhöhe erreicht hat, untersucht die internationale Wirtschaftspresse Ursachen und Folgen des Trends. Die Herald Tribune hinterfragt die Nafta-Schelte von Obama und Clinton. Der Nouvel Observateur erklärt, warum es kaum Superreiche in Frankreich gibt. Fundstück: Badesalz erfindet Banken.

» The Herald entwirft Szenarien zur Entwicklung des Ölpreises. Sollte die Nachfrage durch einen wirtschaftlichen Abschwung in den USA sinken, fielen auch die Preise. Sollten Spekulanten jedoch als Folge der Kreditklemme und fallender Immobilienpreise weiterhin Rohstoffe ins Visier nehmen, sei mit einer Bewegung in Gegenrichtung zu rechnen. „Obwohl sich die Preise auf ein Rekord-Niveau zubewegen, scheint unsere heiße Liebe für Kohlenwasserstoff kaum abzuflauen. Auf die Regierungen, die gegen den Klimawandel kämpfen, warten harte Entscheidungen“, ahnt das Blatt. „Die weiteren Preissteigerungen, die benötigt würden, um die Nachfrage schlagartig zu reduzieren, wären so groß, dass sie mit einem politischen Risiko einher gingen“, meint die Zeitung.

Die » Zeit glaubt, dass vor allem ein Beschluss der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) vom Mittwoch den Preis über die 105-Dollar Marke getrieben habe – die OPEC entschied, der Teuerung nicht entgegenzuwirken und ihre Förderquoten unverändert beizubehalten. „Es ist absolut unverständlich, was die OPEC da tut“, zitiert das Blatt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wenn sie den Hahn nicht weiter aufdreht, übersteigt die Nachfrage nach Öl das Angebot täglich um eine Million Fass.“ Folge: sinkende Lagerbestände und Knappheit. Neben der Opec treibe vor allem die Nachfrage aus China und Indien den Preis. „Während die politischen Konflikte in Nigeria oder Venezuela den Treibstoff eher kurzfristig verteuern, dürfte das asiatische Wachstum dafür sorgen, dass Öl auch auf lange Sicht ein kostbares Gut bleibt“, so die Zeit.

Die gute Nachricht sei, dass die Opec ihre Förderquoten nicht einschränken, die schlechte jedoch, dass sie sie auch nicht erhöhen wolle, schreibt der britische » Independent. Dies habe gravierende Auswirkungen: Man müsse sich vor Augen halten, dass drei der vergangenen vier globalen Rezessionen mit einem steigenden Ölpreis korrespondiert hätten. Die hohen Energiepreise seien außerdem die Ursache der steigenden globalen Inflation. Erstmals seit den späten 1950ern wirke sich der Ölpreis auch auf die Lebensmittelpreise weltweit aus. Zwar gebe es ein „natürliches Niveau“ für den Ölpreis, ab dem es wirtschaftlich werde, Alternativen zu entwickeln. Derzeit sei die Nachfrage nach Öl jedoch so groß, dass sinkende Ölpreise nicht zu erwarten seien – das „ultimative Niveau könnte weit höher als bei 100 Dollar je Barrel liegen.“

Das Wachstum der Boomländer China und Indien ist gefährdet, glaubt man einem Hintergrundartikel der » Asahi Shimbun. „Beiden Ländern könnten bald die Energieressourcen ausgehen“, meint das japanische Blatt. Trotz aller Anstrengungen, eigene Ölfelder zu erschließen und Wasserkraftwerke zu bauen, werde China auch künftig nicht ohne Rohölimport auskommen – und von Afrika, ostasiatischen Staaten wie Indonesien oder Malaysia und dem Nahen Osten abhängig bleiben. „China wird langfristig lernen müssen, effizienter mit seiner Energie umzugehen.“ Indien habe gar aktuell mit Stromausfällen zu kämpfen. „Dies ist vor allem auf noch fehlende Infrastruktur zurückzuführen.“ Auch seien Indiens Devisenreserven nicht so üppig wie die Chinas, es könne deshalb nicht unbegrenzt Energierohstoffe einkaufen.

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