Presseschau
„Von der Intensivstation in die Reha“

Die internationale Presse sieht im Ergebnis des Euro-Gipfels nur eine Problemverschiebung, keine Lösung, die Fed bereitet sich auf die Zahlungsunfähigkeit vor, und wann sich Koffertragen richtig lohnt. Die Presseschau.
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WiesbadenHurrah, „wir leben alle noch“, freut sich die Financial Times Deutschland, der Untergang der Euro-Zone habe vorerst nicht stattgefunden. Die viel beschworene Kettenreaktion der Märkte sei ausgeblieben, die Kanzlerin könne die Beteiligung privater Investoren als Erfolg verbuchen und Griechenland werde de facto eine Dekade lang vom Kapitalmarkt genommen. Damit komme das kranke Land „von der Intensivstation in die Reha“. Dennoch dürfe Euroland nur mit einem Arm jubeln, denn das Schuldenproblem Griechenlands sei ja damit nicht gelöst - die hohe Gesamtverschuldung verringere sich kaum. Die Investoren würden nach den Gipfeln nur vorerst erleichtert reagieren, bis sich erneut Druck aufbaue, für Italien beispielsweise sei in Brüssel keine Lösung erzielt worden. „Der Herbst, wenn die Rettungsaktion technisch vollzogen wird, dürfte noch heiß werden,“ meint das Blatt.

Das europäische Gegacker habe einen „sondergipfelgerechten vorläufigen Höhepunkt erreicht“, meint die Börsen-Zeitung. So beispielsweise bei der Europäischen Zentralbank: „Gerade noch die harte Linie beim Thema Beteiligung privater Gläubiger am neuen Hilfspaket für Athen bekräftigt - und dann doch wieder umgefallen“. Nun würden sich alle Beteiligten ihren jeweiligen Beitrag und ihren Verzicht auf ursprüngliche Forderungen schön rechnen. So unklar viele Details auch noch seien, eines sei unübersehbar: Die europäische Schulden- und Transferunion nehme immer deutlicher Gestalt an. Das sei freilich schon deshalb kein Wunder, weil in Brüssel zwar die Banken mit am Tisch gesessen hätten - aber nicht die Steuerzahler.

„Was für ein Tag!“, jubelt das französische Wirtschaftsblatt Challenges. Nach den Ergebnissen des Gipfels in Brüssel sei der Euro eindeutig der Gewinner. Bei ihrem wohl „einzigartigen Treffen“ hätten die Staatschefs die Banken mit in die Pflicht genommen. Ihre Bereitschaft, einen zumindest teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands unter Beteiligung privater Gläubiger zu akzeptieren, werde einige verblüffen, allen voran Jean-Claude Trichet von der EZB. Doch der Wille, das Land mit einer Art „Marshall-Plan“ zu retten, habe die Märkte beflügelt. Das Treffen Sarkozys und Merkels mit dem griechischen Ministerpräsidenten kurz vor dem Gipfel könne als Signal an die Ratingagenturen gewertet werden, die Ergebnisse des Gipfeltreffens nur ja nicht falsch zu interpretieren.

Über das ungleiche Paar Angela Merkel und Nicholas Sarkozy auf dem Gipfel spöttelt der britische Guardian, der in den beiden „Dick und Doof“ erkennen will: Er nervös, reizbar, zu Ticks und gallischen Gesten neigend, sie dafür solide, stur und vernagelt. Wie bei dem glücklosen Komiker-Duo könne in den deutsch-französische Beziehungen eben alles passieren, die beiden würden einfach nie von demselben Notenblatt singen. In der Vergangenheit habe Frankreich immer so operiert, die großen europäischen Ideen zu erträumen und Deutschland dann dafür die Rechnung zu schicken. Nun sei aber Merkel Europas Chef-Bankier und Sarkozy könne machen, was er wolle, die „Iron Frau“ habe das letzte Wort.

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  • Falsch, der griechische Patient wurde von der Intensivstation ins Mausoleum a lá Lenin verfrachtet.

    Also nicht übertreiben.

  • @Clemens
    Noch nichts gehört vom britischen Humor? Das Bild stimmt doch!

  • Der Griechische Patient liegt noch immer auf der Intensivstation. Was sich geändert hat ist lediglich, daß in der Medikation die Dosis erhöht wurde (Sprich noch mehr Milliarden.)Therapeutisch hat sich nichts verändert.Der Patient liegt noch immer im Koma. Nur die letale Phase für den Patienten (Euro) ist eingeleitet.Es ist eine Frage der Zeit, wann die lebenserhaltenden Maßnahmen abgeschaltet werden.(Müssen)!

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