Presseschau
Was die Euro-Rettung mit einem Horrorfilm gemein hat

Mit Lob und Skepsis reagieren die Finanzjournalisten auf den Geldsegen der EZB für die Banken. Dieser Schritt allein werde nicht reichen, monieren manche. Die Sturheit beim Euro-Leitzins trifft daher auch auf Kritik.
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WiesbadenSie wüssten, dass etwas schlimmes passieren wir, wenn sich in einem Horrorfilm jemand entscheidet, einen Nachtspaziergang im Wald zu unternehmen, schreibt der Economist. „Das Äquivalent dazu ist in der Finanzwelt, dass ein Bankchef darauf beharrt, seine Institution sei komplett solide.“ Ob die Furcht von 2011 in eine neue Panik umschlagen werde, wie 2008? In einer vernünftigen Welt würden Politiker sicher nicht erneut den Fehler begehen, eine große Bank untergehen zu lassen, glaubt das Blatt. Und um die Eurozone gehöre eine Brandmauer.

„Das Problem mit dieser Lösung ist, dass die Europäer sie ausführen müssen“, unkt das Wirtschaftsmagazin. In der nun 18 Monate dauernden Schuldenkrise hätten die Eurozonenführer schiere Inkompetenz bewiesen. Diesmal werde eine fragmentierte Lösung einzelner Staaten nicht funktionieren. „Sobald wie möglich muss der Europäische Rettungsschirm EFSF den regionalen Banken Kapital zuschießen und die EZB den Banken zwei Jahre lang unbeschränkte Liquidität zusichern“, findet das Blatt. Doch während 2008 Regierungen den Banken einen berechenbare Halt geboten hätten, seien sie heute das Problem und die Hilfe der EZB sei beschränkt. „Das ist der wahre Horrorfilm.“

Der Plan der EZB, den Geschäftsbanken mit neuen Liquiditätshilfen unter die Arme zu greifen solle Europa vor einem erneuten Absturz in die Krise bewahren – und zeige zudem überdeutlich, wie groß diese Gefahr mittlerweile tatsächlich ist, ist dagegen die Financial Times Deutschland überzeugt. Um eine Liquiditätsklemme der Banken zu verhindern, drehe EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Geldhahn auf. Die Stoßrichtung sei klar: „Die Zentralbank übernimmt in diesen unruhigen Zeiten konjunkturpolitische Verantwortung.“ Mit Mitteln, die schlagkräftiger seien als etwa eine alleinige Senkung des Leitzinses, die flankierend durchaus noch folgen könne.

Dass das Gespenst einer neuerlichen Kreditklemme bis auf Weiteres gebannt sein dürfe, sei zunächst ein gutes Signal für die Geldhäuser etwa aus den schuldenbeladenen Staaten wie Griechenland oder Portugal, die wegen der Risiken in ihren Bilanzen von anderen Banken kaum noch Geld erhalten haben und für die Unternehmen, die von den Instituten weiterhin mit Krediten versorgt werden können. Allerdings müssten die Banken auch wollen und ihre zusätzlich gewonnene Liquidität auch für Kredite einsetzen. Hier sieht die FTD den „Flaschenhals“.

Die vom IWF und anderen Finanzexperten geforderte Rekapitalisierung europäischer Banken hält L‘Expansion aus Frankreich für „unumgänglich.“ Selbst Deutschland gebe nun zu, dass einige deutsche Finanzinstitute nicht umhin kommen werden, ihr Eigenkapital aufzustocken. Und Olli Rehn habe angekündigt, dass die EU an einem Plan zur koordinierten Rekapitalisierung der EU-Banken arbeitete. „Der Wind dreht sich in Europa“, ist sich das Blatt sicher.

Dass das Thema Eigenkapitalaufstockung neue Bedeutung erhalten habe, liege auch an Dexia: „Die französisch-belgische Bank ist das erste offizielle Opfer der europäischen Schuldenkrise.“ Doch auch die anhaltende Liquiditätskrise, die weitere Abwertung der Kreditwürdigkeit Italiens durch Moody‘s, die drohenden Kosten aus einer möglichen Griechenland-Pleite und die schlechten Wirtschaftsprognosen setzten die Banken nun doch stärker unter Druck. 

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Staatsschulden füttern die zweite Bankenkrise, glaubt die Financial Times

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  • @silverager

    Ödön von Horvath hat es dann zu meinem Lieblingszitat kondensiert: "Nichts gibt so sehr das Gefühl von Unendlichkeit als wie die Dummheit" und seinen "Geschichten aus dem Wienerwald" als Leitmotiv vorangestellt.

    Ja, Mama Planlos wird tatsächlich die nächste Wahl tatsächlich nicht überstehen, weil mittlerweile wohl jedem klar it, daß sie "schwer von kapé" ist: Man erklärt ihr ein Problem, sie versteht es nicht und schwört, daß sie niemals zulassen werde, daß ... blah blah blah ... dann, nach Wochen, ist der Groschen gefallen und sie macht eine Kehrtwende.

    So macht sie das schon seit fast zwei Jahren und jede ihrer Unfähigkeiten, einfache Sachverhalte zu verstehen und nach Lösungen jenseits des permanenten Schielens nach der Vox Populi (sie verwechselte die Kreischzeilen der Springerpresse zu langem mit der VP) zu suchen, kosten uns Geld & Vertrauen.

    Wir haben keine Euro-Krise, wir haben eine absolut inkompetente Kanzlerinnendarstellerin, die unfähig ist, zu führen - weil sie nicht weiss, wohin. Sie hat keine Überzeugungen oder gar einen Plan, sie versucht sich im Neobiedermeier, in dem wir seit gut 10 Jahren leben, an den Wähler ranzuschmeicheln und vermasselt _alles_.

    Nur, was denken Sie denn, wer dann regiert? Eine EuroNeurotische Regierung? Ach was! Nach der nächsten Wahl wird hier _links_ regiert. Selbst eingefleischte Konservative haben mittlerweile verstanden, daß die "linken" recht haben (ich meine jetzt nicht diese strukturkonservative Partei, die sich einen Namen zugelegt hat, den sie nicht verdient).

    Und, daß etwa diese kleinkarierten EuroNeurotiker einen Stich machen, das kann man sich nach den Ergebnissen in der Schweiz vom Wochenende abschminken. Eher bekommen die Piraten 15% als daß kleinkarierte Panikmacher oder Hetzer in diesem Land noch mal einen Stich bekommen.

  • Merkels Regierung wird die nächste Wahl gar nicht überleben. Jedenfalls dann nicht, wenn die Mehrheit der Wähler noch einen Funken gesunden Menschenverstandes haben.
    Obwohl: Einstein hat gesagt: "Das Weltall und die menschliche Dummheit sind grenzenlos. Bei ersterem bin ich allerdings nicht ganz sicher."

  • Ein weiterer Bailout des Bankensystems durch Steuergeld ohne substantielle Gegenleistungen der Finanzbranche wird zu einem Sturm der Wut und Entrüstung in Europa führen. Merkels Regierung wird die nächste Wahl nur überleben, wenn es ihr gelingt die Systemparasiten zu bändigen. Die angelsächsischen Sprachrohre der globalen Finanzelite sollten sich besser drarauf einstellen, dass diese Welt nicht mehr die alte sein wird. Im Übrigen erwarte ich, dass die USA sehr bald im Zentrum des Horrors stehen werden. Dann nämlich, wenn klar wird wieviel sie selber sparen müssen und wie wenig sie dazu bereit sind...

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