Presseschau
Was kommt 2011?

Die internationale Wirtschaftspresse blickt mit gemischten Gefühlen ins kommende Jahr. Während die Euro-Krise Sorgen bereitet, stimmt der M&A-Markt die Blätter zuversichtlich. Vedomosti kommentiert das Aus für den Bau des Gazprom-Wolkenkratzers in Sankt Petersburg. La Tribune wägt Vor- und Nachteile von Spin-Offs ab. Fundstück: So klingt die Finanzkrise.
  • 0

Das Manager Magazin misstraut dem großen Schwung, mit dem die deutsche Wirtschaft ins neue Jahr starte. Der Aufschwung drohe sich zu einem ungesundem Boom auszuwachsen. Als Beleg verweist das Blatt auf eine Studie von Kiel Economics, nach der Deutschland 2011 die Überhitzungsschwelle erreicht - die gesamtwirtschaftliche Nachfrage an Gütern und Dienstleistungen könne nur durch Überstunden, Sonderschichten und längere Maschinenlaufzeiten bedient werden, was Kosten und Preise in die Höhe treibe. Hinzu komme, dass der Boom „liquiditätsgetrieben“ sei, da viel billiges Geld die Nachfrage anheize. Fazit: Es drohe eine „Deutschland-Blase, die die Wirtschaftsstrukturen verzerren, die Verschuldung in die Höhe treiben und damit Probleme in der Zukunft schaffen dürfte.“

Auch das Wall Street Journal zieht eine betrübliche Jahresbilanz. Nachdem Investoren noch vor Wochen dazu tendiert hätten, Risiken einzugehen, zeige die Entwicklung des Schweizer Franken, dass jetzt wieder sichere Häfen angesagt seien. Die anhaltende Sorge um die Eurozone, nicht zuletzt durch die Ratingagenturen genährt, sei eine zentrale Ursache der Stimmungsschwankung. Schließlich seien der steigende Inflationsdruck in aufstrebenden Ländern wie China sowie entwickelten Wirtschaften wie Großbritannien und geoopolitische Spannungen u.a. in Korea ausschlaggebend.

Die Zeit sorgt sich um die Zukunft des Euro. Allein die Summen, um die es gehe, seien so gewaltig, dass ein Auseinanderbrechen des Eurosystems nicht mehr auszuschließen sei. „Die potenziellen Gläubiger, vor allem Deutschland sowie Holland, Österreich und Finnland, auf die ein Drittel der Bevölkerung und ein etwas größerer Anteil am gemeinsamen BIP entfallen, könnten schon in Kürze an einen Punkt kommen, an dem die Rettungsprogramme politisch nicht mehr zu vermitteln sind.“ In dieser Situation müsse der bisherige Rettungsschirm auf das drei- bis vierfache Maß erweitert werden, außerdem müsse unvoreingenommen über gemeinsame Euroland-Anleihen und den Einstieg in eine eng koordinierte Finanzpolitik gesprochen werden.

Die New York Times geht davon aus, dass sich der Markt der Fusionen und Übernahmen im kommenden Jahr in Europa weiter erholen werde. Mit der Rückkehr der Zuversicht gingen einige Banker davon aus, dass die Zahl der Transaktionen 2011 um über 15 Prozent zulegen werde. Nicht nur würden europäische Firmen versuchen, sich Marktanteile in Wachstumsländern wie China, Indien, Polen und der Türkei zu sichern. Auch in Gegenrichtung sei mit einer Zunahme zu rechnen: Firmen aus Schwellenländern wollten sich ein Standbein in Westeuropa aufbauen. Dieser Trend habe sich schon 2010 abgezeichnet, als beispielsweise eine Investorengruppe um Li Ka-shing aus Hong-Kong das britische Stromnetz des französischen Stromriesen Electricité de France übernommen habe.

Seite 1:

Was kommt 2011?

Seite 2:

Kommentare zu " Presseschau: Was kommt 2011?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%