Presseschau
Wenn der Guppy den Wal schluckt

Die internationale Wirtschaftspresse wundert sich über den Versuch von AOL, Yahoo zu übernehmen, die Financial Times diskutiert Chinas politische Situation, das Wall Street Journal zollt der EZB Respekt und Australiens Business Spectator sieht die Rio-BHP-Verlobung schon im Sarg. Fundstück: Kimchi-Krise in Korea.
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"Warum über Landesbankenfusionen lachen, wenn es AOL und Yahoo gibt?" Das fragt die Financial Times Deutschland angesichts der Übernahmegerüchte. Denn Yahoos Umsatz ebenso wie die operativen Gewinne seien seit Jahren rückläufig - doch das sei immer noch nichts gegen AOL, das Unternehmen, das angeblich im Konsortium mit Finanzinvestoren für das zehn mal größere Yahoo bieten wolle: Da sei der Umsatz zwischen 2006 und 2009 von 6,2 auf 2,3 Milliarden Dollar geschrumpft. "Wir reden von Internetfirmen, nicht von deutscher Steinkohle," wundert sich das Blatt. Dass die Börsen dennoch aufgeregt auf die Spekulation reagierten, habe einen guten Grund: Ein Zusammengehen klinge zwar nicht sexy, könnte sich aber auszahlen. Mittelfristig würden sich die beiden Unternehmen zwar überlegen müssen, was sie gegen Facebook und Twitter aufbieten oder wie sie im stark wachsenden Bereich der Mobilgerätewerbung mithalten wollten. "Aber ihre altbacken klingenden Angebote reichen noch, um Millionen Internetnutzer anzulocken," meint das Blatt. "Gemeinsam könnten die beiden daher eine Marktmasse erreichen, an der Werbekunden künftig kaum mehr vorbeikommen."

Vor zwei Jahren sei "Yahoo noch von seinen eigenen Farbdämpfen so high gewesen," dass es ein Übernahmegebot von 44,6 Milliarden Dollar von Microsoft ablehnte, kommentiert Forbes. Wenn die Wall Street mit ihrer enthusiastischen Reaktion nun recht habe, könnte Yahoo jetzt durchaus bei AOL landen. Der Finanzguru Henry Blodget habe kürzlich eh schon gesagt, es sei "lächerlich, dass die zwei nicht längst zusammen sind". Das Timing sei richtig, findet das Magazin, Yahoo-Chefin Carol Bartz sei nach einer Welle von Abgängen im Topmanagement angeschlagen, während AOL-Chef Tim Armstrong nach seinem Amtsantritt vor 18 Monaten zwar noch immer in der "Honeymoon-Periode" sei, aber weitere Gewinnwarnungen könnten auch da die Stimmung verhageln. "Beide brauchen eine Exitstrategie." Einer Fusion könnte man allerdings gelassener entgegen sehen, hätte eines der beiden Unternehmen wenigstens versucht, seine Probleme selber zu lösen. Das sei nicht der Fall, denn weder Bartz noch Armstrong hätten die zerstörerische Unternehmenskultur, die sie geerbt hätten, überwinden können. So gesehen könnte die Fusion jetzt bloß ein "aggregiertes Gejammer" ergeben.

Ob ein Buyout von Yahoo mit Hilfe von Finanzinvestoren technisch überhaupt möglich ist, fragt Fortune. Das Unternehmen habe an der Börse inzwischen einen Wert von 21,5 Milliarden Dollar - aber das sei nicht die entscheidende Summe. Yahoo werde vermutlich erst mal seinen Anteil von 39 Prozent für die bereits gebotenen elf Milliarden Dollar an der chinesischen Internetfirma Alibaba.com verkaufen - damit sei Yahoo noch 10,5 Millionen wert. Minus der Marktkapitalisierung von AOL ende die Rechnung bei acht Milliarden, dazu komme dann das Premium wieder dazu: Mache rund zehn Milliarden Dollar. Statistisch gesehen verwendeten Private Equity Unternehmen aber nur für 38 Prozent eines Deals Eigenkapital, der Rest komme aus Krediten. Für 3,8 Milliarden Dollar sei der Deal also zu machen. "Doch keine Beteiligungsgesellschaft der Erde kann gegenwärtig alleine so einen Scheck ausstellen," meint das Magazin, das daher vermutet, dass mindestens vier Gesellschaften für den Deal gebraucht würden. Fazit des Magazins: "Ja, die Private-Equity-Szene könnte den Deal wuppen, aber nein, einfach wird das nicht." Derzeit möge es wohl Gespräche geben, aber bis zu einem tatsächlichen Angebot sei es noch ein langer Weg.

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