Presseschau
Wenn der IWF seine Grenzen erreicht

Die internationale Wirtschaftspresse zieht ein enttäuschtes Fazit der IWF-Jahrestagung, sieht aber auch neue Herausforderungen auf den Fonds zukommen. Fortune bewertet die Erfolgaussichten der US-Strategie von Volkswagen. Les Echos sieht in Dollar und Euro die wahren Gegner im Währungskrieg. Fundstück: Lady Gagas Fleischdress ist nichts für Büro.
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„Ein weiteres Treffen, ein weiteres Wochenende voller Frustration für die Befürworter einer internationalen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit“, zieht die Financial Times aus London ein bitteres Fazit der IWF-Jahrestagung. „Die Hoffnungen, dass der globale Wirtschaftsaufschwung gemeinsam gestemmt werden kann, schwindet.“ Das Treffen sei überschattet gewesen von der Währungsdebatte, andere, durchaus auch wichtige Themen hätten kaum Chancen gehabt. Der IWF habe erneut versucht, sich als globaler Deal-Broker zu behaupten, und vorgeschlagen, die IWF-Checks zum Zustand der Wirtschaft in den größten Ländern gleichzeitig durchzuführen und dabei auch politische Entscheidungen zu berücksichtigen. „Doch dieser Plan muss noch Akzeptanz finden.“ Teilnehmer meinten, das die Treffen nutzlos und mühsam seien. „Der IWF soll ein zuverlässiger Ratgeber sein? Er schafft es doch immer seltener, das nötige Maß an internationaler Zusammenarbeit zu ermöglichen“, zitiert das Blatt einen frustrierten Insider.

Reuters sieht auf den IWF eine neue Rolle zukommen: „Der Fonds könnte der geeignete Klassenraum sein für Lektionen, die die Industrienationen von den Schwellenländern lernen können - vorausgesetzt, die alte Führungsriege in Europa und den USA legt endlich ihr Ego ab - und gewährt den dynamischen Schwellenländern den geeigneten Platz innerhalb des IWF.“ Dies sei das deutliche Signal des IWF-Treffens gewesen. Die Mitgliedsländer hätten ihre jeweiligen politischen Interessen verfolgt, das Ringen um eine Lösung der globalen Probleme seit somit nutzlos gewesen. „Noch ist nicht klar, das überhaupt eines der Länder bereit ist, sich für das Wohl der Welt einzusetzen.“ Es habe so gut wie keine Ankündigungen oder Ideen gegeben, um den Aufschwung der Weltwirtschaft voranzutreiben. Das einzige sichtbare Ergebnis sei, dass die Schwellenländer an Einfluss im IWF gewinnen - und auch erhalten müssen.

„Im Konflikt um die Ursachen der unausgeglichenen Weltwirtschaft haben die Schwellenländer einen Sieg über die Industriestaaten errungen“, ist das Wirtschaftsblatt aus Österreich überzeugt. Unter der Führung des „immer selbstbewusster werdenden Chinas“ hätten sich diese mit der Forderung nach einer schärferen Kontrolle der Wirtschaftspolitik reicher Länder wie der USA und europäischer Staaten durchgesetzt. „China gelang es damit zugleich, den Spieß auch im Währungsstreit umzukehren: Die schwache Finanzkraft und das schleppende Wachstum in den USA seien ein Hauptgrund für das weltwirtschaftliche Ungleichgewicht, das durch den geldpolitisch verbilligten Dollar verstärkt werde“, habe der chinesische Notenbankchef Zhou Xiaochuan betont. Der Ton des Abschlusskommuniques sei dementsprechend ausgefallen: „Eine strengere und gleichmäßigere Überwachung der Anfälligkeiten großer fortgeschrittener Volkswirtschaften ist eine Priorität“, zitiert das Blatt. Die Finanzkrise und die derzeitige Abhängigkeit der Weltwirtschaft von wachstumsstarken Schwellenländern habe das Gewicht der Industriestaaten offenkundig international geschwächt.

„Unerwartet unterschiedliche Ansichten“ zum Thema Kapitalzuflüsse von IWF und Weltbank registriert die indische Economic Times zur IWF-Jahrestagung. Die Weltbank fordere von den Schwellenländern, Schritte zu unternehmen, um Kapitalzuflüsse zu kontrollieren – was zu Währungsverzerrung und zu spekulativen Blasen führen könne. Für den IWF sei dies nicht wünschenswert. Solche Unstimmigkeiten zwischen den beiden „Schiedsrichtern der globalen Wirtschaft“ seien keine gute Voraussetzung, um die Fülle von aktuellen, unkoordinierten und protektionistischen Aktionen diverser Länder zu beenden. Westliche Industrienationen, aber auch die Schwellenländer befürchteten jeder für sich Nachteile, je nachdem, wie der Kapitalzufluss geregelt sei. „In einer globalisierten Welt sollten jedoch alle Länder an einem Strang ziehen“, meint das Blatt. Jeder müsse sich darüber bewusst sein, dass es bei einer globalen Krise keine innerstaatlichen Lösungen gebe. Doch weder der IWF noch die Weltbank sollten die Führungsrolle innehaben: Diese müsse den G20-Staaten zukommen.

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