Presseschau: WestLB BayernLB – Gigant ohne Geschäftsmodell

Presseschau
WestLB BayernLB – Gigant ohne Geschäftsmodell

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt an einer Fusion von WestLB und BayernLB, durch die sich „Too big to fail“-Risiken ergäben. Laut Challenges buhlt Pepsi um den französischen Milch-Konzern Yoplait. El Economista kritisiert den Missbrauch der Kohleförderung. Fundstück: Geldwäsche mit leeren Hotels.
  • 1

Die britische Financial Times verleiht der WestLB den Titel der „unfallgefährdetsten Bank der Welt“. Rückblickend auf mehrere Jahrzehnte gelte die Devise: „Wenn es ein Fenster gibt, aus dem man Geld schmeißen kann, dann hat die WestLB ein Talent, dieses zu finden.“ Insofern erscheine ein Zusammenschluss mit der BayernLB auf den ersten Blick stimmig, doch tatsächlich könnte das Ergebnis die Situation des deutschen Bankensystems noch verschlechtern. Eine Mega-Landesbank, zitiert das Blatt den Universitätsprofessor Jan Pieter Krahnen, wäre ein „Riese, der den deutschen Staat zur Geisel nehmen wird“. Außerdem hätte die Riesen-LB ein furchtbares Erbe: „Bei der WestLB schwärmt man in höchsten Tönen von einem Zusammenschluss des protestantischen Nordens mit dem katholischen Süden Deutschlands“, so die FT, „aber unter Finanz-Gesichtspunkten ist das, als ob zwei Betrunkene sich gegenseitig stützen.“ Die bessere Alternative bestehe darin, die Banken zu schließen oder zumindest in kleinere Einheiten aufzusplitten.

Die Börsen-Zeitung zweifelt grundsätzlich an dem Ansinnen von Politikern, Bundesbank und Sparkassen-Chefs, die Probleme der Kreditwirtschaft per Konsolidierung zu lösen. Zum einen sei die Ära der Kleinstaaterei in Deutschland auf der Ebene der Sparkassen-Spitzeninstitute ohnehin schon vorbei. Andererseits seien die bundesländerüberschreitenden Konsolidierungsversuche nicht gerade erfolgreich gewesen, verweist das Blatt auf die vor sieben Jahren gegründete HSH Nordbank und die LBBW, die 2007/08 die zu dieser Zeit längst als „Schmuddelkinder der Sparkassengruppe“ verschrienen Landesbanken aus Rheinland-Pfalz und Sachsen adoptieren durfte. „Mit BayernLB und WestLB wollen nun ausgerechnet zwei jener Landesbanken eine Fusion prüfen, die an ihrem maßlosen Risikoappetit zugrunde gegangen wären, hätten die Steuerzahler sie nicht gerettet“, wundert sich die Börsen-Zeitung darüber, dass die „Too big to fail“-Problematik offenbar wieder vom Tisch sei.

Die Financial Times Deutschland stellt erstaunt fest, dass die BayernLB trotz der aufgenommenen Fusionsgespräche mit der WestLB im Revier der Düsseldorfer wildert und weiterhin zum 4. November in Düsseldorf, am Konzernsitz der WestLB, eine Niederlassung eröffnen wolle. Der Angriff auf den rheinisch-westfälischen Mittelstand in der WestLB-Heimat zeige, wie sehr die Landesbanken von der Schwäche ihres Schwesterinstituts profitieren wollten. Dass BayernLB-Chef Gerd Häusler in der Süddeutschen Zeitung bereits vehement die Führungsrolle seiner Bank bei einer Allianz mit den Düsseldorfern reklamiert habe, sei insofern ein mutiges Vorpreschen, als dass Landesbankenfusionen schon mehrfach an persönlichen Eitelkeiten gescheitert seien.

Auch das Manager Magazin beklagt die Tatsache, dass bei den Fusions-Befürwortern offenbar die Devise „Größe vor Geschäftsmodell“ vorherrsche. „Zu lange schon orientieren sich die Landesbanken in ihren Geschäftsstrategien an den großen Privatbanken“, zitiert das Blatt die Bremer Finanzprofessorin Mechthild Schrooten. Andererseits sei die gerade von Sparkassen geforderte Konzentration auf das Kerngeschäft schwierig, denn inzwischen sei strittig, was genau das Kerngeschäft von Landesbanken sei – die zentrale Dienstleistungsfunktion für Sparkassen allein biete den riesigen Instituten keine ausreichende Existenzberechtigung.

Seite 1:

WestLB BayernLB – Gigant ohne Geschäftsmodell

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Presseschau: WestLB BayernLB – Gigant ohne Geschäftsmodell"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der blinde führt den blinden.
    Dann geht es auch sicher mit "schöner fliegen, West-Lb" weiter.
    Hier wird ja "nur" das Geld der Steuerzahler berbrannt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%