Presseschau
Wie geht es weiter mit Europa?

Die Abstimmungen in Frankreich und Griechenland waren nach Einschätzung internationaler Medien auch Anti-Merkel-Wahlen. Wie geht es weiter nach dem Ende der bisherigen deutsch-französischen Achse? Die Presseschau.
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Die Kanzlerin Angela Merkel gehört zu den Verlierern der  Parlamentswahl in Griechenland und Stichwahl der Präsidentschaftskandidaten in Frankreich – der von Merkel mit vorgegebene Kurs der Euro-Retter könnte sich bald ändern. In Frankreich hat der Sozialist Francois Hollande das Rennen gemacht und das höchste Staatsamt nach 17 Jahren von den Gaullisten zurückerobert. Immerhin sei Hollande für Merkel berechenbarer, meint das Handelsblatt. Er wolle Finanzdisziplin und einen ausgeglichenen Haushalt. „Doch er wird lernen müssen, dass er umso stärker ist, je schneller es ihm gelingt, Frankreichs Wirtschaft gesunden zu lassen.“

Merkel bekomme mit Hollande wieder ein politisches Gegengewicht, und daran sei sie selbst schuld, kommentiert die Financial Times Deutschland. „Indem sie sich ungewöhnlich offen gegen Hollande stellte, hat sie die Grundlage dafür geschaffen, dass er sich auf Kosten Deutschlands profilieren konnte. Der sonst so vorsichtige Hollande nutzte das dankbar, um sich mit einem innenpolitisch wenig riskanten Thema vom Merkel-Adlatus Sarkozy abzuheben.“

Alarm für Angela Merkel? Ja, schreibt die Bild-Zeitung. Den Euro-Stabilitätspakt werde Hollande nicht neu verhandeln. Aber Frankreichs Wirtschaft könnte weiter zurückfallen. „Dann stünde Deutschland allein, ohne starken Partner – und ein großes Fragezeichen hinter dem Euro.“

Hollande sei der unerfahrenste Präsident, der in Frankreich jemals das Amt inmitten von internationalen Umbrüchen übernommen habe, kommentiert die Financial Times.

Die EU habe jetzt eine Phase erreicht, in der Ad-hoc-Regeln und Einstimmigkeit nicht mehr möglich seien, analysiert Forbes. Reiche Franzosen hätten angeblich schon begonnen, ihr Vermögen ins Ausland zu schaffen. „Wenn die eigenen Bürger Frankreichs so reagieren, kann ich mir ausmalen, was die Staatsanleihe-Investoren tun werden.“

Hollandes Sieg sei das Ende von „Merkozy“, der deutsch-französischen Achse, die den Sparkurs in Europa forciert habe, schreibt Paul Krugman in der New York Times. Dies sei nicht bedauerlich, da der Kurs ohnehin nicht funktioniert habe. „Jetzt ist es Zeit, weiter zu gehen. Die europäischen Wähler, hat sich gezeigt, sind schlauer als die klügsten Köpfe des Kontinents.“

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  • Bin mir nicht sicher, ob ich das richti verstanden habe ;-)
    Bitte um Erläuterung.

  • Eine stotternde Oberlehrerin bewirbt sich beim Europafunk als Sprecherin. Derweil wartet ihre Freundin Uschi draußen. Nach dem Vorstellungsgespräch fragt Uschi gleich, ob es geklappt hätte. Antwort: Die haben mich nicht genommen, weil ich Aaaa-Angelika heiße.

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