Presseschau
Wie tief stürzt der Dollar?

Die internationale Presse sorgt sich um die US-Währung: Der Dollar leide unter Bernankes ultralockeren Geldpolitik. Denn der Fed-Chef will partout nicht auf die Bremse treten - auch wenn das Gelddrucken im Juni aufhört.
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Das Wall Street Journal fragt, wie tief der Dollar wohl noch stürzen möge. Sogar das Mantra der Politik des "starken Dollars", das der Fed-Chef Ben Bernanke auf seiner Pressekonferenz gestern wiederholt habe, halte seinen Fall nicht auf. Im laufenden Jahr habe der Dollar ein Allzeittief gegenüber dem Schweizer Franken, dem australischen Dollar und dem Yen erreicht. "Ganz offensichtlich leidet der Dollar unter der ultralockeren Geldpolitik der Federal Reserve", analysiert das Blatt. Auch wenn das Gelddrucken im Juni endlich zu Ende gehe, werde die Fed die Tiefzins-Periode weiter ausdehnen. Währenddessen seien andere Zentralbanken wie die EZB dabei, die Zinsen anzuheben. Bernankes Message vom Mittwoch laute, dass die Fed ihr "Experiment mit der superaggressiven Geldpolitik" fortsetzen werde, um so die Arbeitslosigkeit zu senken und die US-Wirtschaft aus der Misere zu ziehen.

Die Financial Times lobt Ben Bernanke für die Öffnung der Federal Reserve gegenüber der Öffentlichkeit und attestiert dem Fed-Chef eine weise Entscheidung, die quantitative Lockerung seiner Geldpolitik im Juni auslaufen zu lassen. Ein abruptes Ende des Programms und eine zu rasche Straffung der Geldpolitik seien gefährlich. Die Erholung der US-Wirtschaft sei alles andere als stark. Die Beschäftigung steige, die Häuserpreise fielen jedoch wieder, und die Stimmung der Konsumenten habe sich messbar verschlechtert. "Die Zeit für eine straffere Geldpolitik ist noch nicht gekommen", konstatiert die FT.

Sogar während Ben Bernanke auf seiner historischen Pressekonferenz den Journalisten erklärte, dass die Fed an einen starken Dollar im Interesse der US- und Weltwirtschaft glaube, hätten die Händler die amerikanische Währung verkauft, berichtet der Business Spectator. Die Händler hätten sich auf die Ankündigung gestürzt, die Fed werde ihre Niedrigzinspolitik fortführen. Seit Juni 2010 sei der Dollar um 16,6 Prozent gegenüber den Währungen der Haupthandelspartner der USA gefallen und liege nur wenige Prozentpunkte über dem Allzeittief vom April 2008. Die Marktteilnehmer gingen davon aus, dass der Dollar noch weiter fallen werde, sollte die US-Wirtschaft den Schwung verlieren und die Fed damit veranlassen, die Zinsen noch länger bei Null zu halten. Selbst ausländische Investoren sorgten sich bereits um den Wert ihrer Dollarinvestitionen, beispielsweise China, das Amerikas größter Gläubiger sei. Sollte China neue Wege finden, um seine riesigen Reserven anzulegen, werde es sich von US-Anleihen verabschieden, was wiederum die Zinsen in den USA steigen lasse. "Kein Wunder dass Ben Bernanke Lippenbekenntnisse zum Dollar abgegeben hat, obwohl seine Politik den Ausverkauf der Währung erst ausgelöst hat", kommentiert das Blatt.

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  • Der Dollar stuerzt auf seinen Papierbrennwert solange er noch physisch auf Papierbasis teilweise hinterlegt ist.

    Ansonsten auf den Wert NULL.

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