Presseschau
Wo ist der Exit ohne Panik?

Die Diskussion über die Zukunft von Griechenland spitzt sich zu. Wie ist ein Ausstieg von Hellas ohne Marktschock möglich? Die Presseschau.
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DüsseldorfWährend in Griechenland auch die zweite Runde der Sondierungsgespräche zur Bildung einer Koalitionsregierung gescheitert ist, denkt inzwischen sogar die EZB über einen Austritt der Griechen aus der Euro-Zone nach. Das Handelsblatt skizziert eine Bedienungsanleitung zum Ausstieg – der rein rechtlich im Vertrag von Maastricht gar nicht vorgesehen sei. Kapitel 1 des Szenarios: Die Griechen können bis Juni keine Sparmaßnahmen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro vorlegen – und die Euro-Länder drehen den Geldhahn zu.

Das Wall Street Journal zweifelt daran, dass ein griechischer Exit zu managen wäre. Zwar habe Griechenland nicht mehr die Kraft, die Märkte zu schocken, gleichwohl würde ein Ausstieg die Regierungen der Eurozone belasten, weil sie einen Teil ihrer Kredite an Griechenland abschreiben müssten. „Das könnte eine Marktjagd auf das nächstschwächste Glied auslösen oder – noch schlimmer – eine Einlagenflucht aus südeuropäischen Banken nach Nordeuropa auslösen.“

In der Wirtschaftswoche wehrt sich der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis gegen das Szenario, dass der Rest Europas Griechenland zum Ausscheiden aus der Euro-Zone zwingen könnte. „Die EZB hat doch klar dargelegt, wie unannehmbar so ein Szenario wäre, weil die ökonomischen Folgen unabsehbar wären – Stichwort Domino-Effekt.“

Der Worst Case wäre der Rückfall in eine Diktatur, schreibt Wolfgang Münchau im Spiegel.

Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios wachse mit dem Grad politischer Instabilität – die Münchau an die Weimarer Republik erinnert. „Schon heute wirkt es so, als ließe sich Merkels Sparpolitik auf den Straßen von Athen allenfalls noch mit Waffengewalt durchsetzen.“ In der Zeit fordert Heribert Dieter von der Stiftung Wissenschaft und Politik: „Lasst das griechische Volk entscheiden!“

Die Forderung, nun sollten Neuwahlen abgehalten werden, wirke dagegen hilflos: „Welche neuen Erkenntnisse sollen aus Wahlen in vier Wochen gewonnen werden? Welche Möglichkeiten hätten griechische Bürger, ihre Wünsche und Präferenzen exakter zum Ausdruck zu bringen als am vergangenen Sonntag?“ Steen Jakobsen, Chef-Volkswirt bei der Saxo Bank, erklärt gegenüber Finenews: „Ich habe nie verstanden, wieso man Geld in Griechenland steckt.“ Entscheidend sei das Engagement deutscher und französischer Banken, die am meisten Geld in Griechenland investiert hätten. „Es ging dabei nicht um die griechischen Banken, sondern um den gesamten Bankensektor.“

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