Presseschau
Wohin steuert General Electric?

Die internationale Wirtschaftspresse durchleuchtet die mehrheitliche Übernahme von NBC Universal durch Comcast. Die Financial Times warnt Peugeot vor den Mitsubishi-Großaktionären. Affärsvärlden vermutet, dass GM Schweden bei den langwierigen Saab-Verhandlungen ausgetrickst hat. Fundstück: Geithner lässt Steuersünder hoffen.
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Der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast übernimmt von General Electric 51 Prozent des Senders NBC Universal. Durch den Deal habe GE-Chef Jeffrey Immelt zwar etliche Milliarden Dollar mehr in der Kasse, jetzt müsse er aber auch erklären, wohin er das Unternehmen führen wolle, zitiert Bloomberg Aktionäre des Mischkonzerns. Durch den Verkauf von NBC Universal könne der neunte Chairman in der 117-jährigen Geschichte des Konzerns den Fokus wieder auf das Hauptgeschäft und die "Motoren künftigen Wachstums" lenken: Energieerzeugung, Luftfahrt, Eisenbahn, Medizintechnik und Finanzen. "Indem Immelt NBC Universal ablädt, kehrt er einem Geschäftszweig, der historisch einst zu den margenträchtigsten gehörte, den Rücken, zu einer Zeit, da die Werbeerlöse und Profite traditioneller Medien durch neue Wettbewerber wie dem Internet unter Druck stehen", analysiert der Wirtschaftsdienst.

Das Wall Street Journal zeigt sich zunächst beeindruckt vom Aufstieg von Comcast: Das kleine Kabelfernsehen-Unternehmen in Familienbesitz habe sich in seiner 46-jährigen Firmengeschichte in ein glitzerndes, 51 Milliarden Dollar schweres Hollywood-Medienkonglomerat verwandelt, das Fernsehsendungen, Kinofilme und Sport-Sendungen produziere. Doch für die Aktionäre sei dieser Aufstieg nicht unbedingt ein Gewinn. Seit dem Versuch von Comcast, Disney zu übernehmen (2004), habe die Aktie 25 Prozent an Wert verloren; ähnliches Bild bei Time Warner und News Corp, die 40 Prozent eingebüßt hätten - alle großen Medienkonzerne hätten schlechter als der S&P 50- Index abgeschlossen, der nur drei Prozent verloren habe.

Die New York Times berichtet, dass das entscheidende Treffen zur Übernahme von NBC im Juli stattgefunden habe. Immelt selbst habe damals mit Ralph J. Roberts, dem 89-jährigen Mitgründer von Comcast, und dessen CEO Steve Burke gesprochen - nach Jahren, in denen sich Immelt gegen einen Verkauf ausgesprochen habe. Am Rande eines Golf-Parcours in Sun Valley, Idaho, habe Immelt seine Verkaufsbereitschaft signalisiert. Burke habe gegenüber seinem früheren Studienkollegen Immelt ebenfalls Interesse gezeigt. Anschließend habe es viele Diskussionen gegeben, an denen ein halbes Dutzend Führungskräfte beteiligt gewesen zu seien - geheime Treffen in Hotels, New Yorker Appartments und sogar bei Helikopter-Flügen, unter Verwendung von Codenamen wie "Green" (GE), "Navy" (NBC) und "Crimson" (Comcast). Erst am 30. September seien die ersten NBC-Manager eingeweiht worden. Mehrmals sei der Deal beinahe geplatzt, zuletzt sogar vor zwei Wochen, als Vivendi für seine 20-Prozent-Beteiligung an NBC 6,1 Milliarden Dollar verlangt habe, GE aber nur 5,5 Milliarden zahlen wollte - am Ende habe man sich auf 5,8 Milliarden Dollar geeinigt.

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