Presseschau
Zähneknirschendes Willkommen

Das Wall Street Journal beschäftigt am Mittwoch die eigene Zukunft: Die Zeitung stimmt seine Leser auf Rupert Murdoch ein. General Motors bekommt wenig Applaus für seine Quartalszahlen. Das Magazin Fortune erklärt indes, wie ein Lächeln die Hölle losbrechen lassen kann. Und: Wissen Sie, wo sich erstaunlich viele Millionäre tummeln? Ein Blick in die internationale Presse.

Dow Jones

Nachdem Rupert Murdoch den Zuschlag für Dow Jones erhalten hat, wendet sich der Herausgeber des » Wall Street Journal Gordon Crovitz an die Leser und verspricht, dass weiterhin die "höchsten Standards" ("guter Journalismus", "gute Geschäfte") erfüllt werden. "Wir hoffen, dass unsere neuen Eigentümer uns ermutigen, die Ziele der Gründer Dow und Jones weiterhin zu verfolgen: 'Bei allen Themen als erste, bei manchen Themen alleine.'"

General Motors

Trotz seines überraschend hohen Gewinns bekommt General Motors wenig Applaus für seine Quartalszahlen.

Das Magazin » Fortune schreibt, das Kernproblem von GM bleibe, Autofahrer in den USA zum Kauf von GM-Modellen (besonders Pick-Ups) zu animieren. Diese Entwicklung erleichtere zwar die Lohn-Verhandlungen mit den Gewerkschaften. "Dennoch muss GM seine Produktlinie noch schneller als geplant überarbeiten, um etwas zu schaffen, was in den letzten drei Jahrzehnten nicht erreicht wurde: der Bau eines profitablen kleinen Autos", fordert das Magazin.

Auch die » Washington Post warnt vor Euphorie. Zwar könnten höhere Absatzzahlen weltweit GM dazu verhelfen, Toyota wieder den Titel des größten Autobauers der Welt abzujagen. Der größte und wichtigste Markt bleibe aber eben doch der amerikanische.

"GM sollte eigentlich weiter sein: Das Unternehmen hat schon vor fast zwei Jahren ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm mit dem Abbau von Zehntausenden von Arbeitsplätzen auf den Weg gebracht", kritisiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung . Der erzielte Quartalsgewinn sei mickrig und das Geschäft auf dem Heimatmarkt werde für den Autobauer nicht einfacher: Die US-Immobilienkriese könnte den Absatz von Pick-Up-TRucks weiter bremsen.

Milchpreise

Die deutschen Zeitungen beschäftigen sich wieder mit den steigenden Milchpreisen.

"Lobbyisten und Politiker malen den Verbrauchern zurzeit ein Bild des Grauens", schimpft die » Financial Times Deutschland . Tatsächlich aber müsse sich erst noch zeigen, ob sich die Preiserhöhungen überhaupt auf Dauer durchsetzen ließen: "Im Endeffekt könnten Hersteller und Handel die Last der höheren Milchpreise tragen, bevor sie in Kauf nehmen, dass die Verbraucher ihnen an den Kühltheken ganz wegrennen und lieber Marmelade statt Käse kaufen."

Die Süddeutsche kommentiert abgeklärt: "Die am Ufer der Milchseen und im Schatten der Butterberge aufgewachsenen Europäer" hätten verinnerlicht, dass Lebensmittel für kleines Geld zu bekommen seien. "Und Leute fragen nun bang und erregt, ob 'die' das dürfen. (...) Natürlich dürfen 'die' das in der Marktwirtschaft", schreibt die SZ. Und der Preisaufschlag komme nicht zuletzt deshalb plötzlich und flächendeckend, weil "die Konsumenten in ihrem Drang nach immer billigeren Lebensmitteln selbst dafür gesorgt haben, dass die großen Ladenketten alles dominieren".

Outsourcing

Auch amerikanische Arbeitsplätze wandern in Niedriglohnländer ab: Outsourcing sei der Mega-Trend der US-Wirtschaft, schreibt die » Businessweek. Besonders Technologieunternehmen suchten verstärkt nach Ländern, in denen Dienstleistungen billig eingekauft werden können. So habe die Ebay-Tochter Skype beipielsweise einen Riesen-Ableger in Tallinn (Estland) gegründet; auch Litauen, Sri Lanka und der Senegal köderten derzeit verstärkt westliche Firmen. Nach einer Studie von A.T. Kearney werden bis 2010 rund 30 Prozent der Firmen aus dem "Fortune"-Ranking der 500 größten Unternehmen ihre Dienste in drei und mehr Länder outsourcen. Der globale Markt für "geteilte Dienstleistungen" werde bis 2009 von 930 Milliarden Dollar auf 1,4 Billionen Dollar anwachsen.

Millionäre

Die » Londoner Times zählt Millionäre - und findet besonders viele ausgerechnet im ehemaligen Armenhaus Europas: In Irland lebten 33.000 Exemplare dieser Spezies lebten. Ein Prozent der Bevölkerung Irlands besitze 20 Prozent des Volkseinkommens, nur in Japan gebe es noch mehr Millionäre. Laut Times folgen im Reichen-Ranking nach Irland England, die USA, Italien, Frankreich, Deutschland und Kanada.

Fundstück

Am Wochenende hat die » New York Times lang und breit berichtet, wie angesagt Emoticons à la ;-) im Wirtschaftsleben sind. An der Wall Street sei der Begriff "QQ" (bezieht sich auf das Emoticon, das zwei weinende Augen darstellt) sogar in den Wortschatz der Börsianer übergegangen. "Wie bei allem kommt es auf Zeit und Ort an", meint dazu Kolumnistin Nadira A. Hira im » Magazin Fortune, das kürzlich einen Smiley auf der Titelseite abgebildet hatte. "Fragen Sie nicht, wie viele Briefe wir bekamen, die den Untergang der amerikanischen Wirtschaft und der Kultur selbst voraussagten, weil Fortune einen Smiley auf der Titelseite hatte", berichtet die Kolumnistin. "Wir hatten Hunde, wir hatten Dilbert, wir hatten sogar die gerade aus dem Gefängnis entlassene Martha Stewart auf unserem Cover, und das war alles in Ordnung. Aber tu einen Smiley dort hin und die Hölle bricht los."

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