Presseschau zur Wahl
Barack Obama: Messias oder Ikarus?

Die internationale Wirtschaftspresse von Kanada bis China und Australien ist mehrheitlich begeistert über die Wahl von Barack Obama zum neuen US-Präsidenten. Skeptische Stimmen kommen von russischen Blättern, die vor zu großer Euphorie warnen: Nicht Obama, sondern mächtige Lobbyisten kontrollierten Washington. Fundstück: "Yes, we can Freunde sein".

Aus Sicht der Washington Post erbt Obama "Probleme von historischem Ausmaß". Seit Franklin D. Roosevelt zu Zeiten der Great Depression 1933 als neuer Präsident antrat, habe kein Präsident ähnlich große Herausforderungen meistern müssen wie jetzt Obama. Im eigenen Land müsse er die Wirtschaft wiederbeleben, im Ausland sein Versprechen, den Irak-Krieg zu beenden, erfüllen sowie Al Quaida und die Taliban in Afghanistan bekämpfen. Dabei werde Obama sehen, inwiefern sein Sieg auf die Ablehnung von Präsident Bush und der Republikaner oder aber die Umarmung einer demokratischen Regierung zurückzuführen sei. Neben der Interpretation seines Mandats müsse Obama jetzt beweisen, dass er seine Wahlkampfversprechen hinsichtlich Steuern, Gesundheitssystem, Energiepolitik und Bildung in ein Set von gesetzgebenden Prioritäten für die ersten beiden Jahre seiner Amtszeit umwandeln könne.

Das konservative Wall Street Journal moniert, dass Obamas erste Rede nach der Wahl voll von Phrasen und Passagen gewesen sei, die suggerierten, dass die USA vor dem Kollaps stünden. In Wirklichkeit sei jede Nation ein "Work in Progress", mit gravierenden Problemen - das größte sei das Zusammenbrechen des städtischen öffentlichen Schulssystems. Gleichwohl sei es beleidigend, wenn Obama impliziere, dass die Vereinigten Staaten mit ihren Menschen und Institutionen, die seit 40 Jahren daran arbeiteten, den Lebensstandard im Land zu erhöhen, sich nicht mit den "Träumen der Staatengründer" messen könnten. "Obamas Messianismus könnte ihm zum Verhängnis werden. Daher wäre es sinnvoll, wenn er seine Flughöhe bis zur Antrittsrede senken würde. (...) Die Vorstellung der Staatengründer vom ,Wandel' waren tatsächlich bescheidener als die von Obama - dies muss er abwägen, bevor er seine Anhänger auf eine Reise zur Sonne mitnimmt", want die Wirtschaftszeitung vom der Schicksal Ikarus'.

Globe and Mail aus Kanada sieht ebenfalls große Herausforderungen für Obama, glaubt jedoch, dass der schwarze Präsident anders als seine jüngsten Vorgänger eine "mächtige Waffe" besitze: Während frühere Präsidentschaftswahlen die kulturellen Risse offenbart hätten, die Amerika plagten, sei die Obama-Wahl ein "Akt der Vereinigung" gewesen. Obama habe nicht nur die trostlosen Städte des vom industriellen Abschwung geplagten Mittleren Westens erobert, sondern auch das "Cockpit der Segregation", Virginia, sowie die landwirtschaftlichen Gebiete in Iowa; Obama habe passioniert die Afroamerikaner mit der "widerwilligen" weißen Arbeiterklasse vereint. Jetzt komme es darauf an, diese kulturelle Koalition zusammenzuhalten. "Die Amerikaner haben uns erneut bewiesen, dass sie ein faszinierendes, frustrierendes und kompliziertes Volk sind. Sie haben einen schwarzen Mann mit wenig Erfahrung in der Chefetage ausgewählt, um sie in gefährlichen und komplexen Zeiten zu führen", schließt das kanadische Blatt.

La Libre aus Belgien meint, dass die Hauptaufgabe von Obama darin bestehe, das katastrophale Erbe von George W. Bush zu verwalten. Dessen Kampf gegen den Terrorismus sei alles andere als ein Erfolg gewesen: In Afghanistan sei es den USA nicht gelungen, den Frieden zu stärken, im Gegenteil: Die Taliban hätten wieder eine Stärke erlangt, die den jungen Staat bedrohe. Der Irak, wo Bush die Arbeit nicht beendet habe, die sein Vater abgelehnt habe, erlebe die "mörderischsten Jahre" seiner jüngeren Geschichte. Im Namen des Kriegs gegen den Terrorismus habe Bush die fundamentalen Prinzipien der amerikanischen Verfassung unterminiert, indem er die Freiheit beschränkt und Folter gutgeheißen habe. "Kurzum: Es ist ein krankes Amerika, das der neue US-Präsident erbt."

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