Skandal bei Société Générale: Pressestimmen: Im Second Life der Finanzwelt

Skandal bei Société Générale
Pressestimmen: Im Second Life der Finanzwelt

Von ungläubigem Staunen bis zu scharfen Vorwürfen reichen die Reaktionen der internationalen Wirtschaftspresse auf den Betrugsfall bei der Société Générale, wo ein Angestellter durch riskante Spekulationen einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro verursacht hat.

„Zusammen mit abermaligen Abschreibungen, muss die Société Générale jetzt Abschreibungen im Gesamtwert von sieben Milliarden Euro vornehmen – das ist eine absolute Katastrophe“, schreibt » La Tribune. Immerhin, so das Blatt weiter, hat die Banque de France eine Untersuchung eingeleitet und schon jetzt erklärt, dass die Société Générale ein gesundes Unternehmen sei.

» La Libération betreibt im Gespräch mit Insidern Ursachenforschung. Einer sieht in dem Handeln des unauffindbaren Angestellten einen böswilligen Akt: „Für ihn war das Aktiengeschäft wohl ein virtuelles Computerspiel, ein ‚Second Life der Finanzwelt'“. Ein anderer Bankenexperte meint, dass sich keine Bank mit noch so guten Kontrollen vor derartigen Vorfällen schützen könne: „Durchgeknallte Aktienhändler hat es immer wieder gegeben.“

Ganz unschuldig ist die Société Générale nach Meinung von » Le Figaro nicht. „Die französischen Banken haben sich bislang kaum um Transparenz bemüht, aus Sorge vor Sanktionen der Börse. Doch gerade in der derzeit angespannten Lage ist Transparenz erforderlich, damit sich der Finanzmarkt erholen kann.“

Das » Algemeen Dagblad aus den Niederlanden schreibt: „Einen Milliardenbetrug durch eigene Mitarbeiter kann man nie verhindern.“ Auch die Banken in den Niederlanden kämpften hart gegen internen Betrug, „aber keine einzige Maßnahme ist wasserdicht“ – davon gehe auch die Niederländische Zentralbank aus. Allen bisherigen Betrugsskandalen setze der vermutlich verantwortliche Aktienhändler Jerome Kerviel jedoch die Krone auf. Dass dieser Skandal jedoch ausgerechnet 2008 auffliege, sei bemerkenswert, schließlich sei in den vergangenen Jahren stärker auf Betrugsprävention gesetzt worden.

Die Londoner » Times sieht Parallelen zum Betrugsfall des ehemaligen Derivatehändlers Nicholas Leeson, der durch riskante Spekulationen den Zusammenbruch der britischen Investmentbank Barings Bank verursachte. Beide Händler hätten Wetten auf die Bewegung der Aktienmärkte abgeschlossen und außerdem einen Rückhalt im so genannten „Middle Office“ der Bank, der Organisationseinheit zur Risikobewertung von Finanz- und Investitionsprojekten, gehabt. Nach dem Barings-Skandal hätten die Banken zwar an ihren Sicherheitsmechanismen gearbeitet. „Das ist aber zwölf Jahre her, und das Gedächtnis auf dem Finanzmarkt ist kurzzeitig. Nach SocGen muss die gleiche Lektion erneut gelernt werden.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%